Berlin - Sich gegen Geld ein Auto zu leihen, wenn sein Besitzer es nicht braucht – klingt nach einer prima Idee. In der Praxis stoßen Interessenten jedoch häufig auf Probleme. Und besonders günstig ist das private Carsharing auch nicht.

„Wer teilt, fährt besser.“ Unter diesem Motto ging im Juni CarUnity an den Start, eine Internetplattform für privates Carsharing. Wer sich darauf per Smartphone-App registriert, kann ein Auto mieten – oder sein Auto anderen Nutzern anbieten. Ein naheliegender Gedanke, denn die meisten Wagen stehen ohnehin die meiste Zeit herum.

Europäischer Marktführer für die Vermittlung von Privatautos ist nach eigener Aussage Drivy, ein Unternehmen mit Sitz in Paris. Dritter im Bunde ist Tamyca – ein Portal, das bereits seit 2010 Privatautos vermittelt. Das Angebot ähnelt dem von CarUnity. Kein Wunder, denn der Betreiber von CarUnity ist Tamyca.

Um einen Eindruck zu gewinnen, wie Autoteilen von privat zu privat in der Praxis funktioniert, hat die Stiftung Warentest bei jedem Vermittlungsportal drei Nutzerprofile angelegt, mehrere Autos angefragt und, wenn möglich, gemietet. Außerdem hat sie die allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) von einer juristischen Gutachterin prüfen lassen.

Die Probleme beginnen meist schon bei der Suche nach einem verfügbaren Fahrzeug. Die wenigen Fahrzeuge, die bei den Stichproben als verfügbar angezeigt wurden, standen zudem oft nicht in der Nähe der Adresse des Suchenden. Es ist nicht einmal garantiert, dass angezeigte Autos tatsächlich buchbar sind. Drivy rät: „Wenn du drei Autobesitzer anfragst, dürftest du gute Chancen haben, mindestens eine positive Antwort zu erhalten.“

Als nahezu unbrauchbar erwies sich CarUnity, wo die Tester 22 Anfragen stellten, aber lediglich ein Auto mieten konnten – und auch das nur, weil sie sich auf einen sehr langen Anfahrtsweg einließen. Bei der Konkurrenz lief es nur wenig besser: Auch bei Drivy und Tamyca waren viele Anfragen nötig, um auf fünf Buchungen zu kommen. Mehrere Vermieter reagierten gar nicht oder schlugen andere Termine vor, andere sagten kurzfristig ab – einer sogar erst zehn Minuten vorher.

Die Wagen in der Stichprobe waren keine Schnäppchen. Häufig hätten die Tester einen Mietwagen oder ein Auto von einem gewerblichen Carsharing-Anbieter zum gleichen Preis oder billiger bekommen, oft zu besseren Versicherungsbedingungen.

Ein Unfall kann sehr teuer werden. Wohl dem, der dann gut versichert ist. Beim privaten Carsharing ist das leider nicht immer der Fall. Drivy verfolgt in diesem Punkt eine nebulöse Informationspolitik. Der Vermittler spricht im Kleingedruckten von einer „umfassenden“ Versicherung, erläutert aber nicht, was das bedeutet. Auch bei der Kasko-Selbstbeteiligung bleibt das Unternehmen vage. Zwar nennt Drivy die Höhe (mindestens 800 Euro) und weist auf die für einige Schadensarten mögliche – und sinnvolle – Reduzierung auf 150 Euro hin. Wie viel das extra kostet, erfährt der Nutzer jedoch erst während der Buchung. Schließlich droht Drivy Mietern und Vermietern im Kleingedruckten diverse Versicherungsausschlüsse an, die rechtlich zumindest fragwürdig sind.

  Wer ein Auto zu einem fixen Zeitpunkt braucht, geht beim privaten Carsharing ein Risiko ein. Mehrere Vermieter reagierten in der Stichprobe entweder gar nicht oder schlugen andere Termine vor, andere sagten kurzfristig ab. Bevor Sie ein Privatauto mieten, sollten Sie die Preise vergleichen. Je nach Mietdauer können Mietwagen und klassische Carsharing-Anbieter günstiger sein. Sehen Sie sich das Mietauto genau an und füllen Sie das Übergabeprotokoll so penibel wie möglich aus. Besondere Vorsicht gilt beim Anmieten sehr alter Autos. Für Schäden an Fahrzeugen, die bereits 16 bis 20 Jahre auf dem Buckel haben, verlangen CarUnity und Tamyca eine Selbstbeteiligung in der Kaskoversicherung von 1000 Euro, die sich nicht durch Zuzahlung reduzieren lässt. Eine gut funktionierende Alternative ist Carsharing von gewerblichen Vermietern. Das beste Angebot mit festen Stationen hatten im letzten Test (7/15) Flinkster und Cambio.