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Kultur Pure Leidenschaft in jedem Winkel

Karin Peters

Dötlingen - Mal wieder raus aufs Land, in versteckten Winkeln idyllische Höfe und Künstlerscheunen entdecken, die Nase in wildfremde Gärten stecken und zwischendurch, auf einfachen Klappstühlen, hausgebackenen Kuchen mit dick Sahne gabeln – darauf freuen sich auch an diesem Wochenende wieder viele Besucher der „Dötlinger Gartenkultour“.

Grüner Geheimtipp

Die Veranstaltung, die das Augenmerk auf die ländliche Kulturarbeit lenken soll, hat die kleine Gemeinde im Landkreis Oldenburg weit über die Dorfgrenzen hinaus bekannt gemacht. Dreimal im Jahr laden Künstler und Gartengestalter sozusagen „ganz privat“ zu sich nach Hause ein, an die Stätten ihres Lebens und Schaffens.

Das bedeutet, es gibt 24 Anlaufstationen rund um den Künstlerort und die angrenzenden Bauerndörfer. „Dadurch entsteht eine Stimmung, die ich als einmalig bezeichnen möchte“, verspricht Olaf Schachtschneider, Vorsitzender des Gartenkultour-Vereins, „mittlerweile kommen Gäste aus ganz Norddeutschland.“

Es wird also wieder ordentlich „summen“ in Dötlingen. Zumal das Jahresmotto auf die wichtigsten Mitarbeiter aller Gartenfreunde abzielt: die Bienen. „Es wird höchste Zeit, auf den Nutzen und die akute Gefährdung dieser fleißigen Bestäuber aufmerksam zu machen“, sagt Schachtschneider und zitiert Albert Einstein: „Wenn die Bienen verschwinden, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben.“

Zahlreiche Aktionen sind rund um die Biene geplant. Imker zeigen das faszinierende Gewimmel in den Bienenstöcken, informieren über Haltung und Pflege. „Zum Glück gibt es immer mehr Menschen, die Wert auf insektenfreundliche Pflanzen legen“, weiß Schachtschneider. Er selbst betreibt einen Pflanzenhof in Aschenstedt und wird an den Aktionstagen nektarhaltige Rosen vorstellen, die Bienen und Menschen gleichermaßen begeistern.

Summen und brummen wird es auch hinter offenen Gartenpforten. Zum Beispiel in Prinzhöfte-Simmerhausen. Auf einer abgelegenen Hofstelle hat Familie Krüger einen Stein- und Wassergarten erschaffen. „Noch vor sieben Jahren gab es hier nur eine schlichte Rasenfläche“, erzählt der Hausherr. Inzwischen gilt das parkähnliche, 8000 Quadratmeter große Refugium als Geheimtipp in der Gartenszene.

Aus jeder Steinmauer, jedem Winkel sprießt die pure Lebenslust. Verschwenderisch blühende Stauden bändeln mit gelben Lilien und nachtblauen Iris an, kleine Bachläufe winden sich durch wildes Grün, vorbei an kunstvoll arrangierten Blickfängen und romantischen Lauben. Dazwischen immer wieder Wasserflächen – von seerosenbedeckten Froschtümpeln und Fischteichen, an denen sich sogar der Eisvogel blicken lässt, bis zum eigenen Schwimmteich. „Ein richtiger Entdeckergarten“, schwärmt Karl-Heinz Krüger, der „liebend gern“ durch sein grün beschattetes Reich führt.

Kleiner Kurzurlaub

Hossein Razagi aus Neerstedt widmet sich dem Bienen-Motto auf künstlerische Art. Extra für die Gartenkultour hat der Bildhauer einen „etwas anderen“ Bienenkorb aus Draht und Pappmaché gestaltet. Eigentlich sind seine Themen anderer Natur. „Ich provoziere gern“, sagt der Iraner und weist auf eine Weltkugel aus Glasfasermaterial, die bedenklich auf der Kippe steht.

Steinköpfe ragen aus der Erde, die Axt ist mit dem Baumstumpf verwachsen, eine Riesenschnecke wälzt sich durch den Skulpturengarten. Razagi arbeitet mit nahezu allem, was sich plastisch formen lässt. Die Interpretation überlässt er gern dem Betrachter: „Hauptsache, die Kunstwerke regen zum Denken an.“

Weiter geht es auf der Tour querfeldein durch Dötlinger Leidenschaften. Hinweisschilder mit roten Tulpen weisen den Weg zu Orten, die man sonst vielleicht nie entdeckt hätte.

Zum Beispiel den idyllischen Künstlerhof „Blickfänge“ in Geveshausen, der in Stallgebäuden alte Handwerkskünste, Keramikarbeiten und florale Fotografien präsentiert. Dazu gibt’s frischen Rhabarberkuchen. Oder Hof Hollmann in Ostrittrum. Die Künstlerin Anne Hollmann zeigt filigrane Plastiken aus Pappmaché und Beton.

„Wichtig ist, dass man sich nicht zu viel vornimmt“, rät Olaf Schachtschneider, „denn die Aktionstage sind als kleiner Kurzurlaub, als Beitrag zur Entschleunigung gedacht.“

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