Konnte man früher noch ganz offen homofeindlich sein, ist es heute nicht mehr salonfähig, queere Menschen öffentlich anzufeinden. Deshalb mussten sich die Kritiker etwas Neues überlegen: Die Ablehnung queerer Menschen wird in die Sorge um Kinder verpackt. Schleife drauf, fertig. Denn dagegen kann ja niemand was sagen, oder? Beim Wohl der zukünftigen Generationen sind wir uns schließlich alle einig.
Ob es um Drag Queens geht, die Geschichten vorlesen, um Sexualkunde, die auch homosexuelle Aufklärung beinhaltet, oder um Familien, die gemeinsam den Christopher-Street-Day besuchen – der Aufschrei ist groß. „Die armen Kinder, die zu so etwas gezwungen werden!“ Obwohl queere Menschen seit jeher Teil unserer Gesellschaft sind, sollen Kinder damit nicht konfrontiert werden. Zu groß ist die Sorge, dass am Ende alle schwul oder lesbisch und im schlimmsten Fall auch noch vegan sind.
Dabei können Kinder gut mit Diversität umgehen. Zwei Mütter statt Mutter und Vater? Kein Problem. Lisa ist gar kein Mädchen, sondern ein Junge? Alles klar. Die Kinder in meinem Umfeld bekommen queere Identitäten von ihren Eltern einfach erklärt, akzeptieren sie und leben unbekümmert weiter. Die Kinder sind nicht das Problem, es sind die Erwachsenen. Die Erwachsenen, die ihre Abneigung für Menschen, die nicht ihrem heteronormativen Weltbild entsprechen, nur schwer bei sich halten können.
