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Oldenburger Psychologin klärt auf Diese Fehler sollten Eltern bei der Trennung vermeiden

Nicht selten geraten Kinder bei einer Trennung der Eltern zwischen die Fronten. So kann es zu einem Loyalitätskonflikt kommen, der das Kind belastet.

Nicht selten geraten Kinder bei einer Trennung der Eltern zwischen die Fronten. So kann es zu einem Loyalitätskonflikt kommen, der das Kind belastet.

Imago / Pond5 Images/ Yuri Arcurs

Im Nordwesten - Eine Trennung oder Scheidung wirbelt das Leben einer Familie auf wie ein Sturm. Eltern stehen dabei vor einer besonderen Herausforderung: Sie müssen nicht nur ihre eigenen Emotionen navigieren, sondern auch ihren Kindern Halt geben. Dabei können Eltern viele Fehler machen, die für die Kinder zum Teil schwere Folgen haben können. Die Psychologin Petra Möller-Sarzio von der Psychologischen Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche in Oldenburg weiß, welche Fehltritte Eltern unbedingt vermeiden sollten und wie sie die Kinder in dieser schwierigen Situation unterstützen und entlasten können.

Psychologin Petra Möller-Sarzio von der Psychologischen Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche in Oldenburg

Psychologin Petra Möller-Sarzio von der Psychologischen Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche in Oldenburg

Maike Schwinum

Keine Familiengeheimnisse

Die Kinder schonen zu wollen, indem man ihnen eine Trennung möglichst lange vorenthält, ist keine gute Idee, sagt Petra Möller-Sarzio: „Man darf nicht unterschätzen, was Kinder alles mitbekommen, auch schon im ganz frühen Alter.“ Merkt das Kind, dass Mama und Papa etwas belastet, macht es sich seine eigenen Gedanken und bezieht die schlechte Stimmung vielleicht sogar auf sich. Deshalb ist Offenheit wichtig.

Teamwork trotz Trennung

Im Idealfall sollten beide Elternteile dem Kind gemeinsam davon erzählen und sich auch darüber einig sein, wie sie kommunizieren. Dafür empfiehlt Möller-Sarzio vor dem Gespräch eine Absprache. „Es ist wichtig, dass die Eltern sich vorher Gedanken machen und absprechen: Wer macht den Einstieg? Was erzählen wir? Was erzählen wir nicht?“

Ziel eines Gespräches sollte sein, den Kindern eine Erklärung dafür zu geben, warum die Stimmung sich verändert hat, und mitzuteilen, dass eine Trennung oder Scheidung bevorsteht. Wichtig sei dabei auch, dass die Eltern den Kindern sagen, wie es jetzt weitergeht, meint die Expertin: „Wenn man noch nichts entschieden hat, kann die Idee auch erstmal sein: Es wird sich erst einmal nichts verändern. Wir bleiben alle hier wohnen und halten dich auf dem Laufenden.“

Drogen- und Suchtprävention ist ein wichtiges Thema. Aufgrund der Cannabis-Legalisierung müsse in diesem Bereich noch mehr passieren, sagt Edith Witt von der Rose 12 in Nordenham. Die Einrichtung bietet Suchtberatung und Präventionsprogramme an. So läuft exemplarisch ein Präventionstag an einer Schule ab. (Symbolbild)

ROSE 12 IN NORDENHAM Wie Jugendliche mit Drogenprävention aufgeklärt werden

Tim Rosenau
Nordenham

Sicherheit vermitteln

Eine solche Neuigkeit kann bei Kindern nicht nur Wut und Trauer auslösen, sondern auch Angst. „Für das Kind bricht eine Welt zusammen“, sagt Möller-Sarzio. Wichtig sei es daher, ihm Sicherheit zu vermitteln. Dazu zählt zum einen, deutlich zu machen, dass das Kind keine Schuld trifft, und zum anderen eine altersgerechte Erklärung: „Es passiert manchmal, dass ein Mann und eine Frau sich nicht mehr liebhaben. Aber dich haben wir noch lieb und das wird sich auch nie ändern.“

Verstellen sollte man sich dabei nicht, wer starke Emotionen fühlt, sollte diese auch zulassen. Wenn beim Gespräch die Tränen fließen, muss dem Kind aber deutlich gemacht werden, dass es sich nicht um Mama oder Papa kümmern muss. „Ich darf meine Gefühle zeigen und auch weinen, aber ich darf meinem Kind nicht mein Herz ausschütten“, so Möller-Sarzio. „Man kann zum Beispiel sagen: Ich bin traurig, das ist ganz normal, aber du musst dir um mich keine Sorgen machen.“

„Wie kann man es hassen, dass Menschen sich lieben?“ stand auf einem Schild beim Christopher-Street-Day 2023 in Köln.

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Maike Schwinum
Emden

Nur so viele Informationen wie nötig

Wie viele Informationen man einem Kind in diesem Gespräch zumuten kann, ist altersgemäß unterschiedlich, sagt die Psychologin. Grundsätzlich aber sollte man Vorwürfe dem anderen Elternteil gegenüber vermeiden. „Stellt sich ein Elternteil als Opfer und das andere als Täter dar, dann muss das Kind entscheiden, auf welcher Seite es steht“, so Petra Möller-Sarzio. „Es kommt zu einem Loyalitätskonflikt.“ Eltern sollten also nur so viele Hintergründe geben wie nötig sind, damit das Kind versteht, dass die Trennung nichts mit ihm selbst zu tun hat.

Unterstützung holen

Wenn Eltern unsicher sind oder nach dem Gespräch das Gefühl haben, es lief nicht gut, ist es sinnvoll, sich Unterstützung zu holen. Das kann eine Person aus der Familie oder dem Freundeskreis sein, noch besser sei es aber, sich eine Außenperspektive dazu zu holen, meint die Expertin. Hilfreich könne zum Beispiel eine Trennungsberatung sein, wie die sie die Psychologische Beratungsstelle in Oldenburg anbietet.

Beratungsstellen für Eltern und Kinder

Oldenburg: Psychologische Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche, Donnerschweer Straße 43

Westerstede: Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern, Am Esch 10

Varel: Familienberatungsstelle (FaBs) des Landkreises Friesland, Karl-Nieraad-Straße 1

Wildeshausen: Psychologische Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, Mühlendamm 1

Delmenhorst: Psychologische Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern, Bismarckstraße 26

Emden: Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche, Eltern, Ysaac-Brons-Str. 16

Brake: AWO Familienhilfe Wesermarsch, Hafenstraße 2

Maike Schwinum
Maike Schwinum Thementeam Soziales
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