„An einem Baum hängen viele verschiedene Äpfel und kein Apfel gleicht dem anderen“, sagte mein indischer Professor, der an der Universität Oldenburg unterrichtete. Damit brachte er die menschlichen Unterschiede metaphorisch auf den Punkt. Der eine Apfel ist groß, rot und rund, der andere blässlich und etwas kleiner.
In der Obstabteilung greifen wir alle gerne zu den dicken runden Äpfeln. Aber im täglichen Leben begegnen uns im übertragenen Sinne die dicken Äpfel in den sozialen Medien – in der Werbung – eher selten. Gern erinnern wir fülligeren Frauen uns an die Zeiten in den 1990er-Jahren als Anna Nicole Smith mit laszivem Blick und ihren wohlgeformten Rundungen von den Werbeplakaten lächelte.
Hatten wir doch das Gefühl, sie habe eine Lanze für uns gebrochen, dick ist schick und nicht doof – die Bohnenstange, das Model Twiggy, war plötzlich out.
Der Weg, der eingeschlagen wurde, ist ein guter, aber er ist lang. Und so freut es mich, wenn ich bei einem Zahlungssystem heute eine tanzende dicke Frau in der Werbung sehe und bei dem Hersteller von Bodylotion Models mit unterschiedlichen Figuren zu sehen sind. Die Werbeagenturen haben erkannt: Auch ein dicker roter Apfel kann sehr gut schmecken.
