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Kurse Im Ikonenschreiben Feine Pinselstriche für die Ewigkeit

Alexandra Lüders

Stapelfeld - Ikonen gelten als Fenster zur Ewigkeit. Das haben zehn Frauen unter der Regie von Pfarrer Hermann Roling in der Katholischen Akademie Stapelfeld (Kreis Cloppenburg) persönlich erlebt. Dort wurden sie während einer Studienwoche in die spezielle Technik des „Ikonenschreibens“ eingeführt und haben die spirituelle Wirkung der religiösen Motive erfahren.

Ikonen dienten ab dem 4. Jahrhundert der Glaubensverkündung. Die ältesten stammen aus den russisch- und griechisch-orthodoxen Kirchen, wo sie bis heute verehrt werden. Viele ihrer Gläubigen hängen zu Hause eine Ikone meist an eine Ostwand. Dort bildet sie den Mittelpunkt einer privaten Gebetsecke im Wohnzimmer. Demnächst ziehen die selbst gemalten Heiligen- oder Madonnenbildnisse auch in die Heime der „Stapelfelder Ikonenschreiberinnen“ ein.

Konturen eingeritzt

„Der Weg zur fertigen Ikone ist nicht gerade einfach“, beschreibt Marianne Roggenland aus Lengerich den aufwendigen Prozess. Als langjährige Assistentin des Pastors geht sie den Teilnehmerinnen zur Hand, hilft bei feinen Konturen und zeigt das Anmischen der Farbpigmente mit der Eitempera-Technik.

Die Ikonenbretter mit der Stirnholzleiste hat Pfarrer Roling (64) ebenso mitgebracht wie sonstige Materialien, die für die Malerei benötigt werden. Im Vorfeld hatte er die Bretter mit 14 Kreideschichten nach einem speziellen Rezept vorbereitet und wird auch das abschließende Firnissen der Bilder in einem Ölbad übernehmen. Auch alle Farben müssen von den Malerinnen dreimal auf das Motiv aufgetragen werden, damit sie für die „Ewigkeit“ halten.

Die Einsteiger beginnen mit Porträts von Maria oder Jesus. Die Konturen der Bilder werden zunächst mit einem Nagelstift eingeritzt, bevor die Kolorierung der Gestalten beginnt. Nach vier Tagen sind diese im Malkurs schon gut erkennbar. Die Frauen erarbeiten nach traditionellen Vorbildern individuell gewählte Motive. Irene aus Celle malt zum Beispiel Maria mit dem Jesuskind, um ihr eigenes Schicksal bildlich in eine geistliche Ebene zu transformieren.

Neben ihr gestaltet Angelika Klein aus Wilhelmshaven zwei andere Madonnenbilder in blauroter Farbgebung. Sie kennt Pfarrer Roling schon aus seiner Zeit als Kaplan in der St.-Michael-Gemeinde in Schortens (Kreis Friesland). Wie Klein erklärt, haben die Ikonen nicht nur eine eigene Formensprache sondern auch eine besondere Farbsymbolik. Sie seien Fenster in die geistliche Welt, darauf verweise auch der meist goldene Hintergrund, die Zweidimensionalität und die nicht realistische Malweise. Sie würden zwar nach bestimmten Vorbildern gemalt, aber es bestehe eine gewisse Freiheit in der Ausgestaltung der Details.

Die gebürtige Wilhelmshavenerin Hildegard Krechting arbeitet bereits an der dritten Ikone ihrer Namenspatronin. Marianne Roggenland hat eine schwierige Abendmahlsdarstellung gewählt. Ihre Nachbarin gestaltet einen biblischen Stammbaum aus dem Alten Testament – ebenso eine Aufgabe für Fortgeschrittene.

Mit dem sibirischen Rotmarderpinsel können die Frauen ganz feine Gewandfalten der Heiligen in dunkel bis hell abgestuften Farbtönen malen. Die Ränder der Malbretter fungieren als Rahmen und bleiben 3,5 Zentimeter frei. Pfarrer Roling demonstriert mit dem feinen Ziegenhaarpinsel das Auftragen des Blattgoldes, das für Heiligenscheine und die Hintergründe verwendet wird. Manche Bilder werden auch mit dem sogenannten Farbgold umrandet. Gold spielt eine große Rolle, denn es symbolisiert das göttliche Licht.

Feierliche Zeremonie

Bevor das Blattgold jedoch aufgetragen werden kann, kommen erst 14 Schichten gelbe Plakafarbe auf das Bild. Nach jedem Einstreichen muss es eine Stunde trocknen – eine gute Gelegenheit zum meditativen Betrachten der Vorlage. Das eigentliche Malen beginnt erst nach der Vergoldung. Am Kursende werden die Ikonen in einer feierlichen Zeremonie geweiht.

„Der Kurs ist gut gelaufen. Wir haben uns hier im Haus sehr wohl gefühlt, und alle wollen in 2020 wieder dabei sein“, resümiert Roggenland. Bis dahin trifft sie sich jeden Montag mit ihrer heimatlichen Malgruppe im Münsterland. „Das Ikonenmalen ist für mich wie eine Sucht. Ich komme nicht mehr davon los“, gesteht die 76-jährige. Schon mehrfach hat sie das Ikonenmuseum in Recklinghausen besucht. Es umfasst über 3000 Ikonen, Stickereien, Miniaturen, Holz- und Metallarbeiten aus Russland, Griechenland und anderen Balkanstaaten.

Im Mai 2020 bietet auch das Kloster Burg Dinklage (Kreis Vechta) wieder einen Ikonenschreibkurs mit Maria von Fürstenberg an.

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