Steinfeld - Er kutschiert Brautpaare in den Hafen der Ehe und Schützenkönige zur Proklamation. Sein weißer Landauer hat schon viele prominente Gäste gesehen. Hubert Trenkamp aus Steinfeld (Kreis Vechta) sammelt seit Jahrzehnten Kutschen, und die Leidenschaft hat ihn zum Leiter eines Museums gemacht. Auf 1000 Quadratmetern sind rund 200 historische Kutschen zu bewundern.
Stilgerecht restauriert
„Ich habe Spaß an den Wagen. In das Museum sind wir so reingerutscht. Kaum hatte ich die ersten Kutschen aufgestellt, kamen schon Besucher“, erinnert sich der 76-Jährige an die Anfänge. In ehemaligen Schweineställen, die er 1990 kaufte, stehen dicht gedrängt die stilgerecht restaurierten Schätze und künden von alten Zeiten, als die Leute noch per Droschke unterwegs waren. Drumherum hat Trenkamp nostalgische Puppen, Zylinder, Kinderwagen und vieles mehr dekoriert, um die Reise in die Vergangenheit perfekt zu machen.
„Viele der Modelle waren leicht zu beschaffen. Viel aufwendiger war die Restaurierung“, erzählt der Herr der Kutschen und verweist auf einen dänischen Schiffslandauer aus dem 18. Jahrhundert. Rote Samtpolsterungen, facettiertes Glas, seidene Wagenhimmel und polierte Messinglampen gehören zur Ausstattung prunkvoll hergerichteten Karosse, in der anno dazumal gut betuchte Herrschaften unterwegs waren.
Im neuen Glanz erstrahlt auch eine 150 Jahre alte, grün gepolsterte Artländer Chaise. Sie ist bereits in einer Fernsehsendung zum Einsatz gekommen.
Einige von Trenkamps Viktoria-Kutschen sind noch nicht restauriert. „Hierzulande wurde dieser Wagentyp oft benutzt“, zeigt Trenkamp auf eine Reihe von ländlichen Halblederdachwagen. Da wartet noch einige Arbeit auf ihn.
Eine Rarität ist das Coupé mit Scheiben zum Herunterkurbeln. Dank eines Klappbocks konnte die Kutsche durch zwei Öffnungen vom Rücksitz aus gesteuert werden.
Zu den Raritäten zählen auch ein Bäckerwagen aus Twistringen (Kreis Diepholz), ein 1878 in Leipzig gebauter Feuerwehrspritzenwagen und fünf elegante Trauerkutschen. Eine orientalische Kutsche aus Kairo, ein schlesischer Kirchwagen, ein Damenschlitten und eine amerikanische Spinne sorgen für internationales Flair. „Die Spinne wird auch Sandschneider genannt. Ich habe 21 Jahre gebraucht, bis ich sie hatte. Sie ist uralt und wurde noch mit Schmierachsen gefahren“, schwärmt Trenkamp.
Immer wieder gelingt es ihm, seine Begeisterung für die Kutschen an Besucher weiterzugeben. Eines Tages überraschte ihn ein ganzes Dorf, um ihren ehemaligen Bäckerwagen aus Drentwede (Kreis Diepholz) wiederzusehen.
Lob für die Pferde
„Meine erste Kutsche war ein Hochzeitslandauer. In sie habe ich mich sofort verliebt. Sie ist das Prunkstück meiner Sammlung. Mit ihr fahre ich bis heute Brautpaare. Wenn meine Pferde die Kirche sehen, bleiben sie stehen“, lobt er seine Gespannprofis mit einem gewissen Stolz.
Rund um die Kutschen ranken viele Geschichten und Anekdoten, in die Trenkamp gern technische und historische Details verpackt. „Am Gespann konnte man früher sehen, ob die Frau verheiratet war oder nicht“, verweist Trenkamp schmunzelnd auf eine einspännige Ladykutsche aus Dänemark.
Spezielle Modelle verleiht er an Film- und Fernsehproduktionen, wo sie meist eine abenteuerliche Rolle mit ungewissem Ausgang spielen.
Die Besucher kommen per Rad, Auto oder Bus, um „Opas edle Karossen“ in Augenschein zu nehmen. „Ich bin fast jeden Tag hier. Wenn ich 80 bin, kann ich mich ganz meinem Museum widmen“, hat der Landwirt noch Pläne.
Im Kutschenmuseum von Hubert Trenkamp in Steinfeld (Hüttenberg 2) sind neben Droschken aus verschiedenen Epochen auch Traktoren, Motorräder und landwirtschaftliche Gerätschaften zu sehen. Geöffnet nach Rücksprache unter
Wer Hubert Trenkamp einmal in Aktion erleben möchte, hat dazu am 3. September beim Quakenbrücker Renntag (Rennplatz Hasepark) Gelegenheit. Au dem Programm stehen verschiedene Galopprennen. Zwölf historische Kutschen, überwiegend aus dem Oldenburger Münsterland, unterstreichen die traditionelle Note des Renntages.
