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NWZonline.de Ratgeber

Kultur: Stille Landschaften und skurrile Bäume

24.12.2015

Oldenburg Wie hält es die Kunst mit Weihnachten? Eine Frage, auf die es im Oldenburger Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte viele Antworten gibt.

Den Anfang macht eine Winterlandschaft wie aus dem Bilderbuch: Die Hausdächer sind dick mit Schnee bedeckt, der bleiche Himmel über den kahlen Bäumen ist schemenhaft mit Wolken verhangen, das Dorf liegt wie ausgestorben da, vielleicht sitzen die Menschen in ihren behaglichen Weihnachtsstuben. Die Radierung „Dötlingen im Winter“, vor 1909 entstanden, ist eine klassische Arbeit von Georg Bernhard Müller vom Siel. „Er ist einer der bedeutendsten Landschaftsmaler der Region“, unterstreicht Museumsdirektor Dr. Rainer Stamm. Die von Müller vom Siel 1896 gegründete Künstlerkolonie Dötlingen entwickelte sich zum kulturellen Treffpunkt im Oldenburger Land.

Von Müller vom Siel, der 1865 in der Wesermarsch geboren wurde und 1939 in der damaligen Nervenheilanstalt Wehnen starb, stammt auch die skurrile Zeichnung eines Weihnachtsbaums. Die aquarellierte Zeichnung auf Transparentpapier gehört zu einer Reihe von kleinen Blättern mit geometrischen Formen und Mandalas, die in Wehnen entstanden sind und im Museumsdepot verwahrt werden. Für Stamm ist der spiralförmige Weihnachtsbaum ein Ausdruck für die Suche des Künstlers nach dem Lebenssinn.

Wiederentdeckung

Müller vom Siels abstrakte Zeichnungen gerieten lange in Vergessenheit. Ein Schicksal, das auch dem Krapendorfer Altar widerfahren ist. Das Fragment aus der Zeit um 1440 zeigt die Anbetung der Heiligen Drei Könige und wird dem Dombaumeister von Xanten, Heinrich Blanckebiel, zugeschrieben.

Als man den Altar in der Kirche bei Cloppenburg nicht mehr benötigte, wurde er als Steinplatte im Boden eingelassen. Zum Glück der Restauratoren mit der Bildseite nach unten. Um 1900 kam das Fragment, für Stamm ein Höhepunkt der mittelalterlichen Steinbildhauerei im Oldenburger Land, in die großherzogliche Sammlung. Erst als man Fotografien des Altars von Alfred Erhardt aus dem Jahr 1940 entdeckte, erinnerte man sich wieder an das präzise gearbeitete Sandstein-Relief. Es steht heute im wiedereröffneten Augusteum.

Eine Rarität im Schaffen des Oldenburger Malers Bernhard Winter (1871–1964) ist das Ölgemälde „Die Heiligen Drei Könige im Ammerland“ aus der Zeit um 1920. Der beim Bürgertum angesehene Künstler malte vor allem großflächige, historisierende Bilder über das bäuerliche Leben in der Region und Porträts, selten Bilder über christliche Feste. Den künstlerischen Nachlass Winters verwaltet das Oldenburger Stadtmuseum.

Furchen im Schnee

Szenenwechsel: Eisig fegt der Wind über den Strand von Dangast. Beim Anblick der Winterlandschaft von Franz Radziwill (1895–1983) aus dem Jahr 1937 ist die Kälte förmlich zu spüren. Grau-braune Wellen schlagen an den Strand, auf aufgetürmten Eisschollen liegt ein Ruderboot, tiefe Furchen im Schnee führen ins Nirgendwo, der Himmel ist tiefgrau. Mit über 100 Werken aus allen Schaffensperioden beherbergt das Landesmuseum im Prinzenpalais die bedeutendste Sammlung an Werken des Dangaster Malers.

Ein ganz anderes Winterbild vermittelt Barent Averkamp (1612–1697), Maler, Zeichner und Holzhändler aus Kampen in der Provinz Overjissel. Die typische Bilderlandschaft des niederländischen Barock ist zwischen 1640 und 1660 entstanden und zeigt viele amüsante Szenen auf und an einem zugefrorenen See. Besonders pikant: Am linken Bildrand lässt ein Mann die Hosen runter. Der frühe Vorläufer der heutigen Wimmelbilder ist im Augusteum zu sehen.

Ein Klassiker ist das Ölgemälde „Die heilige Familie mit dem Johannesknaben“ vom italienischen Maler des Spätbarocks, Francesco Trevisani (1656–1746). Das Bild, zwischen 1710 und 1720 entstanden, gehört zum Grundbestand der großherzoglichen Sammlung und kam um 1800 nach Oldenburg. „Es ist eines der bedeutendsten Werke im Augusteum“, unterstreicht Stamm. Im Zentrum des Bildes stehen Maria und das in ihren Armen schlafende Jesuskind, dessen Zeigefinger der linken Hand deutet auf ein Holzkreuz. Der kleine Johannes der Täufer an Marias Seite küsst den Fuß Christi. Eine anrührende Szene, die Trevisani oft gemalt hat. Der deutliche Fingerzeig des Kindes ist jedoch selten auf Bildern zu sehen.

Fazit des Streifzuges: Weihnachten in der Kunst hält einige Überraschungen bereit. Und das passt wiederum zum Fest der Feste.

Das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte hat seinen Sitz im Oldenburger Schloss (Schlossplatz 1), wo rund 800 kulturgeschichtliche Exponate vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert gezeigt werden. Das Augusteum (Elisabethstraße 1) beherbergt die Galerie Alte Meister vom 15. bis 18. Jahrhundert. Die Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts zeigt das Museum im Prinzenpalais (Damm 1).

Geöffnet: dienstags bis sonntags 10–18 Uhr, außer Heiligabend und 1. Weihnachtstag, Silvester und Neujahr


     www.landesmuseum-ol.de 
Lore Timme-Hänsel Redakteurin / Kulturredaktion
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