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NWZonline.de Ratgeber

Handwerk: Traumjob für Tüftler mit Geschmack

11.03.2017

Bremen Die Luft im gläsernen Sudhaus riecht schwer und intensiv. Seit dem Morgen kochen 2000 Liter Wasser mit 325 Kilo Malz und drei Kilo diverse Hopfensorten in einem stahlgrauen Kessel mit Guckloch. Aus diesen klassischen Bierzutaten stellt Braumeister Kristof Herr gerade den ersten Sud „Keller Pils“ her. Am Vormittag setzt er einen weiteren an, so dass am Abend circa 3600 Liter in einen der Tanks des Gär- und Lagerkellers gepumpt worden sind. Aber mit Bier hat die Flüssigkeit dann noch lange nichts zu tun.

Eigenes Gasthaus

Seit Ende 2015 werden in der ehemaligen „Union-Brauerei“ im Bremer Osterfeuerbergviertel wieder Biere hergestellt – so wie früher. Die 1907 von Gastwirten gegründete Brauerei wurde 1965 von der „Haake-Beck AG“ übernommen und drei Jahre später dicht gemacht. Unter dem Namen „Freie Brau Union Bremen“ knüpfen drei Brauer und zwei Auszubildende in dem denkmalgeschützten Rotklinkerbau an altes Brauhandwerk und an Bremer Biertraditionen an. Zu den sieben Stammsorten wie „Keller Pils“, „Hanseat 2.0“ und „Pale Ale“ kommen Saison-Biere.

Im Februar haben die Bremer gemeinsam mit bayerischen Brauern ein belgisches Witbier hergestellt und sich den Sud geteilt. Anlässlich des 110-jährigen Bestehens der „Union-Brauerei“ im Juni soll im brauereieigenen Gasthaus und Biergarten ein Lagerbier als „Ur-Union“ ausgeschenkt werden. „Wir haben Kontakt zu einem ehemaligen Union-Brauer, mit dem wir das Bier gemeinsam brauen werden“, sagt Kristof Herr.

Die Brauer der „Freien Brau Union Bremen“ zählen sich zur Craft-Bier-Szene. Die Bewegung entstand Mitte der 1970er Jahre in den USA und erreichte über Belgien und Skandinavien auch Deutschland. Diese Klein- und Kleinstbrauer wollen den Bieren die Geschmacksvielfalt zurückgeben, die sie bis ins vergangene Jahrhundert noch vielerorts hatten. Die neuen alten Brauer setzen auf Craft, das englische Wort für Handwerk, und experimentieren mit ihren Vorlieben, Erfahrungen und Ideen. Diese überwiegend regionalen Biere entstehen in überschaubaren Mengen und haben ihren Preis. Die Bremer Biere kosten zwischen 1,29 und 1,69 Euro pro 0,33-Liter-Flasche.

„Brauer ist ein Traumjob“, sagt Kristof Herr und schwärmt von der Verbindung zwischen Handwerk, Technik, Biologie, Chemie und einem leckeren Getränk. „Ich will sagen können: Das ist mein Bier, das habe ich gebraut.“

Als der 28-Jährige bei der weltbekannten Bremer Becks-Brauerei seine Brauer-Ausbildung gemacht hatte, wusste er: „Das ist mir zu groß.“ Nach dem Braumeister-Studium in Berlin ging der gebürtige Schleswig-Holsteiner zur schottischen Brauerei „Brew Dog“ und kam auf den Craft-Bier-Geschmack. Dort wurde mit Chili, Früchten, Kaffee oder Pfeffer experimentiert.

Bei der „Freien Brau Union Bremen“ kann er sein Faible für Handwerk, Vielfalt und Kreativität ausleben. Dazu gehört der Umgang mit unterschiedlichen Malzmischungen und Aroma- und Bitterhopfen. So hat Kristof Herr lange an der Hopfen-Mischung für das „Pale Ale“ getüftelt, bis es einen exotisch- fruchtigen Zitrus-Grapefruit-Charakter hatte. Das Ergebnis überzeugte die Macher vom „Meiningers Craft Magazin für Bierkultur“, die das Bier im November zum „Besten deutschen Pale Ale“ kürten.

Im Zweischichtbetrieb

Die „Freie Brau Union Bremen“ ist Bremens jüngste und vierte Gerstensaftfabrik. Es gab andere Zeiten. 1748 zählte man noch 35 Brauereien in der Hansestadt, in der seit dem 11. Jahrhundert Bier gebraut wird. Die Renaissance Bremer Traditionsbiere wie Rotbier, Porter und Ale war für die jungen Brauer ein Riesenerfolg. „Wir haben eröffnet und waren sofort ausverkauft“, erinnert sich Kristof Herr.

Seitdem wird im Zweischichtbetrieb gebraut. Die ursprünglich anvisierte Jahresproduktion für 2016 lag bei 2000 Hektoliter und wurde um 600 übertroffen. Dieses Jahr wollen die Bremer 3600 Hektoliter Bier brauen, das wären 360 000 Liter. Drei zusätzliche Lagertanks mit einer Kapazität von 12 000 Liter sind bereits geordert. Bei einer Jahresmenge von 5000 Hektoliter trage sich die Brauerei, rechnet der Braumeister vor. In drei, vier Jahren soll es soweit sein.

Am frühen Nachmittag, die Schicht nähert sich langsam dem Ende, befindet sich der erste Sud „Keller Pils“ in einem der Gär- und Lagertanks. Das gelbliche mit Hefe versetzte Gemisch schmeckt bitter und nur mit viel Fantasie nach Bier. Von einem anderen „Keller Pils“-Tank zwickelt Kristof Herr ebenfalls ein Testglas, schaut, riecht, probiert. Das Jungbier hat sieben Tage gegoren, dabei Kohlensäure, Alkohol und Aromen entwickelt, die sich nach drei Wochen bei ungefähr null Grad voll entfaltet haben. „Dann wird das Keller Pils süffig schmecken und eine schöne Hopfennote haben. Also richtig lecker.“

Der Marktführerauf dem deutschen Biermarkt, die Radeberger Gruppe, stellt jährlich knapp zwölf Millionen Hektoliter Bier her. Die Produktionsgrenzen der „Freien Brau Union Bremen“ bilden das hochmoderne, aber kleine Sudhaus mit 20 Hektoliter und der Gär- und Lagerkeller, in dem zurzeit zehn Tanks und ein sogenannter Whirlpool stehen.

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Die Craft-Bier-Brauerhaben in Deutschland einen Marktanteil von schätzungsweise einem Prozent. 2015 lag der Bierkonsum pro Kopf in Deutschland bei 106 Litern, um die Jahrtausendwende waren es noch 20 Liter mehr.


     www.brauerei-bremen.de 
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