Im Nordwesten - Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder, Sie haben mindestens ein Pferd und müssen sich ständig vor ihren „normalen“ Freunden und Familienmitgliedern dafür rechtfertigen, warum Sie sich für ein Leben ohne zeitliche oder finanzielle Spielräume, dafür mit viel Dreck, Schweiß und Tränen entschieden haben. Oder Sie haben mit Pferden nichts am Hut und haben deswegen nie verstanden, warum es Menschen gibt, die in jeder freien Minute Butler, Krankenschwester, Koch und Fitnesstrainer für ein Tier spielen, das eigentlich dazu da sein sollte, Kutschen zu ziehen, Felder zu pflügen oder in den Krieg zu ziehen. Wer nicht selbst von diesen vierbeinigen Seelenfängern besessen ist, wird das seltsame Leben der Pferdemenschen kaum verstehen. Und doch ist es zumindest einen Versuch wert, drei Absonderlichkeiten der Reiterwelt zu erklären.
1. Warum es Sinn macht, ein dreckiges Pferd mit einer dreckigen Bürste zu putzen. Ja, Pferde schlafen gern in ihrem eigenen Mist oder in weichen, schlammigen Kuhlen auf ihren Weiden oder Paddocks. Vor allem Schimmel scheinen eine angeborene Affinität dazu zu haben, im Dreck zu schlafen. Wenn wir Pferdemenschen dann zum Stall kommen, schnappen wir uns eine der alten dreckigen Bürsten aus der Putzkiste und versuchen mühsam, das Pferd sauber zu schrubben. Das funktioniert natürlich nicht und wenn doch, dann nur oberflächlich. Und es dauert lange, doch zum Glück bemerken wir das nicht, weil in jedem Reitstall ein Riss durch die Zeit geht, der uns das Gefühl gibt, wir wären nur kurz da gewesen. In der echten Welt sind währenddessen drei Stunden vergangen. Nun, wir haben unser Bestes getan, unseren vierbeinigen Freund zu pflegen, und wir gehen mit einem guten Gefühl nach Hause. Das ist der eigentliche Sinn. Und kaum fahren wir vom Hof, wälzt es sich unser Pferd wieder genüsslich im Dreck.
2. Warum unsere Pferde öfter von einem Physiotherapeuten behandelt werden, als wir selbst. Zunächst mal: Menschen, die Pferde haben, haben weder Zeit noch Geld, selbst zu einem Physiotherapeut zu gehen. Aber unseren Tieren soll es gut gehen. Nicht umsonst haben wir für sie weiche Decken (die sie in den seltensten Fällen wirklich brauchen), Pflegespray für eine seidige Mähne (die sie absolut nicht brauchen) und Glitzersteine am Halfter (die niemals irgendjemand gebraucht hätte). Doch wenn wir auf den Pferden reiten wollen, müssen wir sicherstellen, dass sie nicht verspannt sind und keine Schmerzen haben – das geht nur, wenn regelmäßig die Pferdephysio im Stall ist. Die Last der zusätzlichen Kosten tragen wir mühelos auf unseren verspannten Schultern.
3. Warum wir uns beim Autofahren nach jedem Pferd umdrehen, das wir auf einer Weide sehen. Ja, das tun wir. Und nein, es ist uns nicht peinlich. Wir können uns für jedes Pferd begeistern und wenn Sie meinen, aus der Entfernung würden sowieso alle braunen Pferde gleich aussehen, dann irren Sie sich. Echte Pferdemenschen können das Alter der Pferde schätzen (oft liegen wir natürlich weit daneben), sie können die Rasse erahnen und auch die Rangordnung der Tiere in der Herde, wenn sie länger als 20 Sekunden Sichtkontakt haben. Jedes Pferd, das wir zu Gesicht bekommen, bereichert unseren Tag. Da muss man schon mal abwägen, was beim Autofahren wichtiger ist: auf die Straße zu schauen oder auf die Weide daneben.
Wer meint, das Leben sei kein Ponyhof, der irrt: Für uns Pferdemenschen ist es ein riesiger Ponyhof mit viel anstrengender Arbeit, horrenden Kosten, großen Sorgen, Stroh und Sand im Auto und mit Stiefeln, die für immer und überall nach Mist riechen. Und wir lieben es.
