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NWZonline.de Ratgeber

Unerschrockene Retter bei jedem Wetter

16.05.2015

Horumersiel Anfang November 1854 brechen Auswanderer mit der Bark „Johanne“ hoffnungsfroh von Geestemünde (heute Bremerhaven) nach Amerika auf. Das Schiff gerät in der Deutschen Bucht in einen heftigen Sturm. Am Morgen des 6. November wirft orkanartiger Nordwest die Bark auf den Strand von Spiekeroog, ohne dass die entsetzen Inselbewohner helfen können. Mindestens 77 Menschen – darunter 25 Kinder – kommen ums Leben.

Kernige Mannsbilder

Sechs Jahre später sehen die Borkumer wie gelähmt vom Strand aus zu, als die Brigg „Alliance“ von der Brandung zerschlagen wird. Die neun Seeleute ertrinken jämmerlich. Nun mehren sich im Land die Rufe nach Rettungsstationen an der Küste.

In Emden wird 1861 der erste Verein zur Rettung Schiffbrüchiger nach britischem Vorbild gegründet, wo schon 1824 die Royal Lifeboat Institution entstanden war. Dem Emder Vorbild folgen Initiativen in Bremen, Hamburg, Kiel, Rostock und Danzig. Für ihren Zusammenschluss setzt sich der Bremer Dr. Arwed Emminghaus ein. Am 29. Mai 1865 gründen Vertreter der Einzelvereine in Kiel die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS). Das 150-jährige Bestehen feiert die Hilfsorganisation am 29. Mai in Bremen.

Auf Wangerooge übernimmt 1863 der Schiffer Daniel Janßen Hanken den Vorsitz des ersten Ortsausschusses des Rettungsvereins für die Unterweser. Horumersiel erhält 1866 sein erstes Ruderrettungsboot, das in einem Schuppen am Deich in Schillighörn stationiert wird.

„Um 11 ½ Uhr mittags kamen wir auf der Reede an und trugen die Schiffbrüchigen an Land. Beim Betreten des festen Bodens fielen alle auf die Knie, der Kapitän sprach ein Dankgebet, das von dem Weinen und Schluchzen der anderen oft unterbrochen wurde.“ So berichten die Spiekerooger Seenotretter über ihre erste organisierte Rettungsaktion am 7. September 1864.

„Das waren kernige Mannsbilder“, sagt Wieland Rosenboom aus Horumersiel. Der 50-jährige Tischler ist seit frühester Jugend begeistert von der Arbeit der DGzRS. Als vor Jahren ein Motorsegler abgewrackt werden soll, erwirbt der Verein Historische Seenotrettung Horumersiel den Schiffsrumpf aus kanneliertem Stahlblech, denn der Segler hatte ein erstes Leben als Ruderrettungsboot von 1907 bis 1947 in Westeraccumersiel in der Gemeinde Dornum in Ostfriesland. Wieland Rosenboom, Enno Meynen, Herbert Meynen und viele Mitstreiter bauen, tüfteln und restaurieren zwei Jahre lang, bis die „August Grassow“ wieder so aussieht wie vor 100 Jahren. Mit viel Fleiß und Detektivarbeit gelingt das Vorhaben: Im April 2013 kommt das Rettungsboot zu Wasser.

Wenige Vorbilder

In Horumersiel gibt man sich damit aber nicht zufrieden. Das Rettungsboot soll auf einem originalgetreuen Ablaufwagen aus Eichenholz präsentiert werden. Doch dafür gibt es nur noch wenige Vorbilder: im Deutschen Schiffahrtsmuseum in Bremerhaven, in Wustrow und auf Norderney. Mit Fotos und Skizzen in der Hand marschieren die Historienfreunde zu Schmiedemeister Rudolf Harms nach Wiarden. Der Ruheständler erwärmt sich sofort für die Idee. Er schweißt und schmiedet die Beschläge, drechselt die Narben der Speicherräder, die der Stellmachermeister Walter Löwenstein in Hude vollendet.

Das Ergebnis ist zum 150. Geburtstag der DGzRS auf dem Marktplatz vor dem Bremer Roland zu bewundern.

Die Gesellschaft:Die DGzRS ist zuständig für den maritimen Such- und Rettungsdienst in der deutschen Nord- und Ostsee. Dafür hält sie 60 Seenotrettungskreuzer und -boote auf 54 Stationen zwischen Borkum und Usedom einsatzbereit. 180 fest angestellte und rund 800 freiwillige Seenotretter fahren jedes Jahr mehr als 2000 Einsätze. Die Arbeit der Seenotretter wird ausschließlich durch Spenden finanziert. Seit Gründung haben die Seenotretter fast 82 000 Menschen aus Seenot und Gefahren gerettet.

Museumsboote: In der Region gibt es Museumsboote und Dauerausstellungen der DGzRS in Horumersiel, Fedderwardersiel, Carolinensiel, Neuharlingersiel, auf
Wangerooge und Langeoog und an der Seenotzentrale in Bremen (Werderstraße 2).

Das Jubiläum:Zum 150. Geburtstag der DGzRS findet vom 29. Mai bis 4. Juni in Bremen und Bremerhaven die „Woche der Seenotretter“ statt.

Das Buch:Der Hamburger Schriftsteller und Fotograf Peter Neumann (63) liefert im Buch „Respekt“ (Köhlers Verlagsgesellschaft, 192 Seiten, 39 Euro) Bilder und Informationen zu Fahrten in Sturm und Eis, zu den Rettungsleuten und zur Flotte der DGzRS. Er begleitet die Arbeit seit 40 Jahren.


Das Programm unter   www.150-jahre-seenotretter.de 
Infos unter   www.seenotretter.de 
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