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NWZonline.de Ratgeber

Roter Blitz ein verlässlicher Wegweiser

05.10.2019

Wangerooge „Das habe ich mir damals nicht vorstellen können, fast mein gesamtes Berufsleben mit dem roten Blitz zu arbeiten“, sagt Funkelektroniker Eckhard Schulze-Matzura und meint den Leuchtturm Wangerooge. Als Schüler sah er vom Dach eines Bauernhofes in Westrum das neue Leuchtfeuer.

Der Leuchtturm im Westen der Insel hat in Kürze ein rundes „Dienstjubiläum“: Er ist seit dem 7. November 1969 in Betrieb. Der Neubau war durch die Einrichtung eines Verkehrstrennungsgebiets in der Deutschen Bucht erforderlich geworden. Seit die Deutsche Post im vergangenen Jahr die 70-Cent-Briefmarke mit dem Turm mehr als fünf Millionen Mal in Umlauf brachte, ist der Leuchtturm Wangerooge überall bekannt. Und der höchste Leuchtturm Deutschlands ist er sowieso.

Sichere Hafeneinfahrt

Eckhard Schulze-Matzura ist einer von 15 Kollegen, die beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Weser-Jade-Nordsee in Wilhelmshaven (WSA) für den Betrieb der Leuchtfeuer und Radarstationen verantwortlich sind. Insgesamt neun Leuchtfeuer an 13 Standorten, zwei Radartürme und der Antennenträger Schillig sorgen für die sichere Einfahrt zu Deutschlands einzigem Tiefwasserhafen. Die Eröffnung des Containerterminals Wilhelmshaven hat zusätzlichen Schiffsverkehr auf die Jade gelenkt. Die reibungslose Ankunft der Containerriesen wird durch die vom WSA unterhaltene Infrastruktur gewährleistet.

Nun also hinauf auf den Turm! 300 Stufen sind zu erklimmen – einen Aufzug gibt es nicht. Für Besucher ist das technische Bauwerk nicht zugänglich, aber zum Leuchtturm-Geburtstag nimmt sich Schulze-Matzura die Zeit, um den schlanken Riesen mit seinen vielen Aufgaben vorzustellen.

Der Aufstieg führt zunächst ins Betriebsgeschoss in rund 25 Metern Höhe. Dort befindet sich das Sektorenfeuer für die Ansteuerung der Außenjade mit dem weißen Leitsektor und den roten und grünen Warnsektoren. Außerdem stehen dort ein Warnfeuer für das Passieren der weit ins Seegatt der Harle ragenden Buhne H und die Steuerungstechnik für den Turm, der von der Revierzen­trale Wilhelmshaven ferngesteuert und überwacht wird. Auf dem Dach des Betriebsgeschosses dreht sich eine mächtige Radarantenne, die ihre Signale per Richtfunk in die Verkehrszentrale Wilhelmshaven übermittelt.

„Die gesamte Ortungstechnik ist separat untergebracht und Sache der Kollegen, die sich speziell damit auskennen“, sagt der WSA-Mitarbeiter. Die sensible Ortungstechnik sei auf unterbrechungsfreie Stromversorgung angewiesen. Damit das sichergestellt sei, puffere ein leistungsstarker Akku die Stromversorgung ab. Falls es im öffentlichen Netz einen Stromausfall gibt, springt in kürzester Zeit ein dieselgetriebener Generator neben dem Leuchtturm an, und der Akku überbrückt dann die Zeit, bis der Generator Strom liefert.

Im Allerheiligsten

„Auch die Deutsche Marine, die Bundespolizei und die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger unterhalten hier eigene Empfangs- und Sendeanlagen für den Seefunk“, sagt Eckhard Schulze-Matzura.

Nach dieser geballten Ladung technischer Information geht es weitere 40 Meter aufwärts. Bei Treppenstufe 284, direkt unter dem mächtigen Seefeuer, lohnt eine Verschnaufpause: Aus den kleinen Fenstern gilt es, den einmaligen Blick über Insel und Nordsee zu genießen. Minsener Oog liegt im Osten, im Süden das Jeverland, im Westen Spiekeroog und Langeoog, im Norden die Weite der Nordsee. Ganz weit entfernt ist Helgoland auszumachen.

Noch einmal 16 Leiterstufen höher, durch eine Bodenluke, betreten wir das Allerheiligste: den Lampenraum. Auf einem stabilen Sockel steht die knapp anderthalb Meter hohe Optik. Sechs Fresnelsche Linsen drehen sich viermal in der Minute um eine Lichtbogenlampe, die mit dem Edelgas Xenon gefüllt ist. Sie hat eine Leistung von 2000 Watt und wird mit Gleichstrom betrieben.

Im Seefeuer sind zwei Linsensysteme übereinander angeordnet, ebenso gibt es zwei Lampen. Fällt eine aus, schaltet sich sofort die andere ein. „Die computergeführte Steuerung ist so programmiert, dass die Lampen wechselweise brennen. Also montags die eine, dienstags die andere“, erklärt der Fachmann. Damit sei die gleichmäßige Nutzung und Alterung der Speziallampen sichergestellt. Ihre Standzeit liegt bei 3000 Brennstunden. „Alle Leuchtfeuer werden eine Stunde vor Sonnenuntergang eingeschaltet, und eine Stunde nach Sonnenaufgang erlöschen sie.“

Alle sechs Monate inspizieren die Techniker den Turm noch einmal gründlicher. „Dazu kommen laufende Reparaturen und Wartungsaufgaben“, erklärt Schulze-Matzura. Er ist verantwortlich für Stromversorgung, Steuer- und Leuchtfeuertechnik. „In 50 Jahren hat sich die Leuchtturm-Technik natürlich weiterentwickelt“, räumt der WSA-Techniker ein. „Aber das Seefeuer – der rote Blitz – ist noch wie am ersten Tag.“

Der von Seefahrern und Inselgästen wahrgenommene rote Blitz mit der Wiederkehr alle fünf Sekunden, ist eigentlich kein Blitz: Die Lichtbogenlampe brennt ununterbrochen, aber die Fresnelsche Linse bündelt das Licht zu einem Strahl, der durch die Drehung des Systems alle fünf Sekunden an der jeweiligen Position wahrgenommen wird. So ist und bleibt der Leuchtturm ein verlässlicher Wegweiser durch die Deutsche Bucht.

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