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Aktualisiert vor 26 Minuten.

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Regionale Geschichte: Poetisch weht die Luft um manchen Teetisch

18.12.2021

Wangerooge In der Mitte des 19. Jahrhunderts musste der Badegast mit der Kutsche an die Harlebucht fahren und von dort mit dem Fährschiff unter Segeln zur Nordseeinsel Wangerooge übersetzen. Eine zeitraubende Angelegenheit, die sich ohnehin nur Adlige oder wohlhabende Bürger leisten konnten. Einen Eindruck, wie die Badeurlauber des 19. Jahrhunderts zur Insel gelangten, gibt ein illustrierter Reisebericht aus dem Jahr 1847, der im Niedersächsischen Landesarchiv Oldenburg aufbewahrt wird.

Von Historiker bearbeitet

Der Historiker Matthias Nistal hat ihn gelesen, die Handschrift transkribiert und die Ereignisse eingeordnet. „Von Rastede nach Wangerooge im Jahr 1847 – ein Gedicht von Magnus von Witzleben“ heißt der aufschlussreiche ­Beitrag, den Nistal im Oldenburger Jahrbuch 121 veröffentlichte (herausgegeben vom ­Oldenburger Landesverein, Isensee-Verlag 2021, 273 Seiten, 24,80 Euro).

Die Reise unternahm Friederike von Oldenburg, zweitgeborene Tochter des Großherzogs Paul Friedrich August, im Jahr 1847. Sie wurde unter anderem von dem Kammerherrn Magnus von Witzleben und dem Maler Peter Friedrich Ludwig von Weltzien begleitet. Von Witzleben schrieb über die Badereise des Sommers 1847 einen Bericht in Gedichtform, von Weltzien steuerte Tuschezeichnungen bei, die den Bericht illustrieren. „Zwar gelehrt und höchst ästhetisch/ Weht die Luft um manchen Theetisch;/ Doch nicht frisch und poetisch,/ wie am Wangerooger Strand“, heißt es in dem insgesamt 86 Seiten umfassenden handschriftlichen Bericht.

Von Rastede begeistert

Von Witzleben rühmt Rastede („Kennst Du ihn nicht, den Ort, lass dich begleiten/ Von mir – ich will durch Wald und Flur dich leiten“), beschreibt die Fahrt in der Kutsche nach Jever („Regenströme sich ergießen,/ Durch des Wagenfensters Ritzen/ Dringen sie hindurch und fließen/ Nieder an den Polstersitzen“) und zur Friedrichsschleuse am Harlekanal.

Doch bei schlechtem Wetter ist das Fährschiff von der Insel ausgeblieben, überdies gibt es im Hotel in Carolinensiel keine freien Betten, der Hotelier weist die adlige Gesellschaft ab. So muss die ­Reise-Gesellschaft zurück nach Jever, dort übernachtet man. Im zweiten Anlauf gelingt die Überfahrt nach ­Wangerooge, wo der Halb­bruder der Herzogin, Erbprinz Nikolaus Friedrich Peter, schon am Strand wartet. Das Fährschiff wird durch den ­Harlekanal getreidelt, dann setzt der Kapitän die Segel und das Schiff bringt die Reisegruppe zur Insel.

Von Witzleben beschreibt das Badeleben auf der Insel („Hätt‘ ich Farben, hätt‘ ich Pinsel, malte ich ein Bild der Insel“), die Vergnügungen und Speisen der Urlauber, und von Weltzien zeichnet dazu – und spart auch nicht die Schilderung der Seekrankheit aus.

Dampferfahrt und Oper

Von Witzleben schildert die Gesellschaft der Badegäste, ihre Vergnügungen und Ausfahrten und schließlich die Rückfahrt. Mit dem Segelschiff geht es nach Bremer­haven, dann mit dem Dampfschiff nach Bremen. „Blexen, Großensiel, Landwührden sind im Fluge uns entschwunden./ Brake haben unsere Blicke schon von ferne auf­gefunden.“, beschreibt reimend von Witzleben die Fahrt auf der Weser. In Bremen besuchen die Reisenden die Oper – es wird Bellinis „Norma“ gegeben. Über Delmenhorst erreichen sie schließlich Oldenburg, wo die Reise­beschreibung endet. Das ­Badeleben auf Wangerooge änderte sich hernach. Sturmfluten zerstörten 1854/55 das Dorf im Westen der Insel, erst viele Jahre später entwickelte sich wieder ein Badeleben.

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