Im Nordwesten - Kaum zu glauben, dass sie einst Turnschuhe hießen und im Grunde nur mit heller Sohle verkauft wurden, damit sie beim Völkerballspiel keine Streifen auf dem Sporthallenboden hinterlassen: Sneakers sind längst mehr als ein Modetrend, sie sind die stabile Basis, auf der wir durchs Leben gehen. Das, was man früher nur im Turnbeutel aufbewahrte, ist heute der Schuh für jede Generation, jeden Geldbeutel und jede Gelegenheit. Sneakers schaffen es wie keine anderen Treter, gleichzeitig Gemeinsamkeiten zu schaffen und den Menschen die Gelegenheit zu geben, sich subtil voneinander abzuheben. Kleinste Details machen den Unterschied zwischen einem Turnschuh, den ein CEO zum 2.000-Euro-Anzug trägt, und dem, mit denen ein Halbwüchsiger die Sitze im Schulbus verdreckt. Eine Liebeserklärung an Sneaker in fünf Akten.
1. Sie reduzieren Komplexität. Schon eine kleine Auswahl an Sneakers reicht, um jeden Tag zu jedem Outfit den passenden Schuh zu haben. Sie passen im Sommer zu luftigen Kleidern, im Winter zum dicken Mantel, sie passen zum Blazer und zur Lederjacke – kurzum: Niemand, der eine Handvoll Sneakers-Paare besitzt, muss länger als eine Minute vor dem Schrank stehen und überlegen, welche Schuhe zu seinem Outfit passen. Und: Egal, wie alt sie sind, kein Modell ist je zu alt, um neu kombiniert zu werden.
2. Sie machen uns alle gleich. Ob Männer oder Frauen, Kinder, Erwachsene oder Senioren: Mit den richtigen Sneakers ist jeder gut angezogen. Es gibt diverse Modelle, die nicht in Damen- und Herrenschuhe unterteilt sind. Sneakers sind für alle da, sie verbinden Geschlechter und Generationen.
3. Sie sind nicht nachtragend. Egal, wo man reintritt: Sie sind waschbar – zumindest die meisten von ihnen. Und was kann es besseres geben als einen Schuh, der weder aufwendig poliert werden muss noch auf ewig von der Wanderung auf Matschwegen gezeichnet ist.
4. Sie sind bequem. Und wer meint, das sei doch der Grundanspruch an einen Schuh, der hat noch nie High Heels mit Pfennigabsätzen getragen, seine Füße noch nie in ultra-schmale Ballerinas oder viel zu harte Stiefel gezwängt.
5. Man fühlt sich sportlich. Selbst, wenn man nach einer kurzen Nacht, in deren überschaubarer Tiefschlaf-Zeit man sich den Nacken verlegen hat, steif aus dem Schlafzimmer gewankt kommt und sich zum Zähneputzen lieber auf den Badewannenrand setzt, um seine Kräfte für den Tag zu schonen, fühlt man sich wie Usain Bolt oder Michael Jordan, sobald man in seine Sneakers geschlüpft ist. Man schwebt förmlich aus dem Haus und schwingt lässig die Haustür hinter sich zu.
Ein weiteres wunderbares Geschenk, das uns Sneakers machen: Zum ersten Mal ist es möglich – und zwar für Männer und Frauen –, weiße Schuhe zu tragen, ohne dass man damit wirkt wie Madonna auf dem Weg zur Backstage-Party. Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies trägt sie zu Anzug, Rapper 50 Cent zur Goldkette, alle finden es super. Wer einmal weiße Sneakers getragen hat, weiß, dass es sich anfühlt, als hätten die Füße nie den Boden berührt, als liefe man auf Wolken. Und wenn Sie meinen, sie seien zu alt für Sneakers, zu reich oder zu konservativ, möchte ich Ihnen sagen: Die Zeiten, in denen es Gründe geben konnte, im Alltag keine Turnschuhe zu tragen, sind vorbei.
