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NWZonline.de Ratgeber

Wo der Weihnachtsmann philosophiert

23.12.2017

Westerstede Er blickt sehr nachdenklich, fast grüblerisch. Ob der Weihnachtsmann-Teddy auf seinem weißen Schlitten gerade über den Sinn von Weihnachten nachdenkt? Vielleicht hat ihm aber auch einer seiner Nachbarn eine Denkaufgabe gegeben, denn bei Evelyn Gruh in Westerstede (Kreis Ammerland) sitzt der Weihnachtsmann neben einigen bedeutenden Philosophen. Von Aristoteles über Sokrates bis Plato, von Immanuel Kant bis David Precht sind sie alle vertreten.

Es ist überhaupt eine illus­tre Bärengesellschaft, die sich bei der 74-Jährigen eingefunden hat – darunter Könige und Politiker, die Weltgeschichte geschrieben haben, berühmte Dichter, Film- und Musikstars, verwegene Abenteurer und geniale Erfinder, Künstler wie Pablo Picasso und Komponisten wie Maurice Ravel, Weltmeister und Olympiasieger. Selbst Adam und Eva, aus dem Paradies vertrieben, haben bei ihr einen Platz gefunden.

Aus aller Welt

„Ich habe mir die Welt ins Haus geholt“, sagt Evelyn Gruh. Ihre Sammlung zählt mehr als 1300 Bären, die Hälfte davon hat sie selbst entworfen und mit der Hand genäht. Eine Arbeit, die nichts für Grobmotoriker ist. Die anderen Bären stammen aus aller Welt von Sammlerbörsen, Flohmärkten, Freunden und aus dem Sperrmüll. Die Ammerländerin lässt keinen Bären zurück. „Ich bin Kriegskind und hatte keine Puppe und keinen Teddy zum Spielen.“ Vielleicht sei das der Grund für ihre bärige Leidenschaft.

Der größte Teddy in der Sammlung misst 1,50 Meter und ist ein Geschenk ihres Mannes, der Kleinste ist gerade einmal zwei Millimeter groß und von Gruh aus Nadelfilz hergestellt. „Jeder Teddy hat einen eigenen Charakter“, unterstreicht sie.

Die 74-Jährige ist in Bayern aufgewachsen und als Medizinerin viel herum gekommen. Es muss vor etwa 20 Jahren gewesen sein, so genau weiß sie es gar nicht mehr, als sie auf die Idee kam, ein Bären-Museum aufzubauen, das humorvoll und leicht verständlich Geschichte vermitteln soll. Während einer Reise auf der Spielzeugstraße von Bayern bis Sonneberg in Thüringen erlernte sie dann das Handwerk der Teddybärenherstellung. Zur Leidenschaft für die plüschigen Seelentröster ist ein reicher Fundus an Stoffen und Accessoires gekommen, denn Evelyn Gruh setzt jeden Bär entsprechend in Szene.

Gnädiger Blick

So blickt Kaiser Karl der Große, gekleidet im Hermelinmantel und ausgestattet mit Krone, Zepter und Reichsapfel gnädig durch einen goldenen Bilderrahmen. Gegenüber haben der römische Feldherr Julius Caesar und die ägyptische Königin Kleopa­tra Platz genommen. Daneben erzählt ein syrischer Märchenerzähler beim Rauch einer Wasserpfeife Geschichten aus 1001 Nacht. Er trifft auf die Gebrüder Grimm und Hans Christian Andersen, flankiert von Till Eulenspiegel und dem Rattenfänger von Hameln.

Im gemütlichen Kaminzimmer des Einfamilienhauses haben der Reformator Martin Luther und der katholische Bischof Martin von Tours Platz genommen und scheinen sich angeregt zu unterhalten. Aufmerksamer Zuhörer ist der Mainzer Buchdrucker Johannes Gutenberg.

Einen besonderen Platz nimmt in dieser Gesellschaft der Entdecker Christoph Kolumbus ein. Er schippert in der Südsee und trifft auf einer Insel Paddington, den berühmten Kinderbuch-Bären von Michael Bond. „Nur echt mit schwarzen Ohrinnenseiten“, kennt Evelyn Gruh jedes Detail.

Und die Ideen gehen der Bärenmutter noch lange nicht aus. Wie wäre es, wenn ostfriesische Teekultur auf die Kaffeekantate von Johann Sebastian Bach trifft? Eine – Frage, auf die die 74-Jährige in Ihrer Werkstatt eine Antwort finden wird. Ihre Museumspläne lässt sie derweil noch etwas reifen. Denn auf ihre Vollendung warten schließlich noch der Euro-Bär und der letzte Trabifahrer, Clowns und Karnevalisten, der bayerische Märchenkönig Ludwig II. und der Alte Fritz aus Preußen.

Und mitten im Gewimmel der Werkstatt haben es sich auch noch zwei kleine Weihnachtsmänner gemütlich gemacht. Denn bei Evelyn Gruh kommt ein Weihnachtsmann selten allein.

Lore Timme-Hänsel Redakteurin / Kulturredaktion
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