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NWZonline.de Ratgeber

Essgarten Winkelsett: Wo das Essen auf Bäumen wächst

15.10.2022

Winkelsett Schon mal frische „Hundsärsch“ probiert? Triebe vom Teufelskrückstock? Oder zarte Molchschwanz-Blätter? Was zunächst klingt wie eine Mut­probe in der RTL-Serie „Dschungelcamp. Holt mich hier raus!“ wird im Essgarten Winkelsett zur kulinarischen Entdeckung. Über 1200 Baum- und Pflanzenarten aus aller Welt können bei einer Führung bestaunt und teils direkt probiert werden. Auch solche, die man nicht zu essen wagte.

Wenn es ein grünes Schlaraffenland gibt, dann liegt es im kleinen Ortsteil Barjenbruch der ländlichen Gemeinde Winkelsett, mitten im Naturpark Wildeshauser Geest. Essgarten steht auf dem hölzernen Schild vor der Einfahrt. Und tatsächlich soll fast alles, was auf dem waldähnlichen Areal gedeiht, „irgendwie“ genießbar sein. Ich bin mit Angelika Stelter, Malou Furch und ihrem Ehemann Nils verabredet.

Gut für Fauna und Flora

Das junge Team hat die Anlage gerade erst im letzten Herbst von Frits Deemter übernommen. Der passionierten Pflanzensammler hat den Essgarten bereits vor 26 Jahren gegründet. Es ist der älteste und artenreichste Garten dieser Art, eine „essbare Landschaft“, die heute als Vorbild für ähnliche Projekte in ganz Deutschland gilt. Zumal die vielfältige und naturnahe Anbauweise auch der Insekten- und Vogelwelt zugutekommt.

Wir treffen uns vor der Orangerie im Mittelpunkt des Gartens. Unter der gläsernen Kuppel gedeihen subtropische Gewächse, Frösche quaken im Indoor-Teich. Draußen, im Schatten üppig tragender Apfelbäume, erzählen die neuen Besitzer von ihrer Leidenschaft. Gewiss, es sei eine ­Herausforderung. Zumal als Quereinsteiger. Angelika ist eigentlich Musikerin. Malou kommt aus der Gesundheits- und Krankenpflege und Nils ist Feinmechaniker von Beruf. Aber die Vision von einem gemeinsamen ökologischen Projekt teilen die drei Freunde schon lange. Der Essgarten war sozusagen Liebe auf den ersten Blick. „Wir wussten sofort: Das wollen wir machen!“ Fachlich stehen sie im engen Kontakt mit Frits Deemter und anderen Experten. „Und wir lernen täglich dazu!“

Natur übernimmt Arbeit

Im Grunde sei ihr Essgarten ein essbarer Waldgarten, erklärt Nils. Wie in einem natürlichen Wald wachsen die Pflanzen hier nicht in Beeten sondern in unterschiedlichen Vegetationsschichten. Es gibt eine Kraut-, eine Strauch- und eine Baumschicht. Zusammen bilden sie ein komplex vernetztes Ökosystem, das sich im Idealfall selbst reguliert. „Die Natur übernimmt einen Großteil der Arbeit“, bestätigt Malou, „wir greifen nur ein, wenn es unbedingt notwendig ist.“ Gedüngt, gespritzt und bewässert wird auch nicht. Die Vielfalt sei groß. Und was unter hiesigen Klima- und Bodenbedingungen nicht bestehen könne, gehöre ohnehin nicht hierher.

Klingt ganz einfach. Und funktioniert, wie der anschließende Rundgang zeigt. Wir streifen durch eine Landschaft, die einen unglaub­lichen Reichtum heimischer und exotischer Gewächse beherbergt. In allen Etagen grünt, blüht und fruchtet das Leben. Wir bewundern den Paupau – auch Indianerbanane genannt – die Schoten der Chinesischen Blaugurke und den stacheligen Teufelskrückstock, naschen Maulbeeren, Brombeeren und zuckersüße Karamellbeeren und knabbern am buntblättrigen Molchschwanz, der im Naturteich wächst.

Die Mispel – wegen ihrer kugeligen braunen Früchte auch „Hundsärsch“ genannt – wird leider erst im Winter reif. Dafür gibt es zarte Blätter von der Sommerlinde, ganz mild und süßlich. Ein idealer Snack für Zwischendurch, aber auch köstlich im Salat.

Zugegeben, nicht alles ist lecker, was essbar ist. Und manches in diesem Garten Eden ist sogar richtig giftig. Wie der Salomonssiegel, der im Unterholz wächst. Von den Beeren sollte man besser die Finger lassen. Die jungen Triebe aber, wie Spargel gekocht, gelten in der Türkei als Delikatesse.

Schon Frits Deemter wusste: Essen ist eine Illusion. Es komme auf die Kenntnisse, die Gewohnheiten und den Blickwinkel an. Selbst Zierpflanzen sind zum Essen da! Die Knospen der Kobuschi-Magnolie etwa oder Hibiskus-Blüten, schmackhaft in allen Farben. Funkien-Blätter verarbeitet Malou als dekorative Wickel für Wraps. Und warum die Blätter der Großen Fetthenne nicht mal als alternative Chips mit Dips servieren?

Vielfalt statt Masse

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Am Rande des Gartens wartet noch eine Rarität auf uns: Der Szechuan-Pfeffer. Das ist ein Pfeffer, der kein Pfeffer ist, denn er stammt aus der Zitrusfamilie. Verwendet wird nicht etwa der schwarze Kern sondern die rote Schale. Ich darf probieren. Huch, das prickelt auf der Zunge. Aber das Aroma ist eine Wucht, scharf und fruchtig frisch.

Das Interesse der Besucher sei groß, sagt Malou. Fast immer seien die Führungen und Seminare in Barjenbruch ausgebucht. „Essgärten sind überall im Kommen“, fügt Niels hinzu. Ob als Hausgarten oder grüne Lunge in Städten wie Berlin. Das Essgarten-Team kann zumindest schon mal kostendeckend arbeiten. Für sie zählt Vielfalt statt Masse. „Reich wird man damit nicht,“ meint Angelika und lacht, „aber man wird immer satt!“

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