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Geschichte Wo das Wissen der Welt zu Hause ist

Christian Brahmann

Wolfenbüttel - Sie gilt als international renommierte Forschungseinrichtung, so klangvolle Namen wie Gottfried Wilhelm Leibniz und Gotthold Ephraim Lessing wirkten als Direktoren. Die Herzog August Bibliothek (HAB) im niedersächsischen Wolfenbüttel feiert in diesem Jahr ihr 450-jähriges Bestehen. Einer der ersten Gäste im Jubiläumsjahr war am vergangenen Dienstag Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

Ein Besuch dazu in der Augusteerhalle mit der Sammlung Herzog Augusts, wo die letzten Arbeiten sichtbar sind: Beim ehrfürchtigen Blick entlang der hohen Bücherwände ist noch eine kleine Lücke erkennbar. „Dient alles der Vorbereitung auf die große Jubiläums-Schau“, verrät das Team um Bibliotheksdirektor Peter Burschel.

Am 5. April 1572 erließ ­Herzog Julius zu Braunschweig und Lüneburg eine „Verordnung“, die bis heute als „Gründungs­dokument“ der Bibliothek gilt. Darin enthalten waren zehn Artikel mit den „Pflichten“ des „Bibliothecarius“, wie Direktor Burschel in seinem jungst erschienen Buch zur Geschichte der Bibliothek schreibt. Die „Libereyordnung“ war der Anfang der Wolfenbütteler Institution, die heute als international ­renommierte Forschungseinrichtung gilt.

Zum Festakt wird auch die Schatzkammer geöffnet mit einem der kostbarsten Stücke, dem Evangeliar Heinrichs des Löwen und Mathildes von England aus dem 12. Jahrhundert. Der Codex war 1983 im Auftrag des Landes Niedersachsen für 32,5 Millionen Mark bei Sotheby’s in London ersteigert worden. Das einst teuerste Buch der Welt kann nur selten und für kurze Zeit ausgestellt werden, zuletzt war dies 2015 der Fall.

„Ehebrecherbibel“

Dazu kündigen die Organisatoren weitere besondere Schätze und Kuriositäten an. Zu den herausragenden Schaustücken zählt die berüchtigte „Ehebrecherbibel“ und das Tintenfass von Martin Luther. „Wir machen Bücher“ – die Botschaft im Ausstel­lungstitel ist aber klar: In dem Haus wird nicht nur auf­bewahrt, es wird auch geschaffen. Im Zentrum sollen Bücher stehen, die in besonderer ­Weise mit der ­Wolfenbütteler Bibliothek verbunden sind, die ohne sie nicht geschrieben worden wären.

Podcast und Blog

Das Jubiläumsjahr der Bibliothek, für die Gottfried Wilhelm Leibniz und Gotthold Ephraim Lessing wirkten, soll mit weiteren Höhepunkten gefeiert werden. Erstmals wird ein Forschungspreis verliehen, den Künstlerbuchpreis gibt es zum vierten Mal. Nach dem Buch des Direktors Burschel sollen weitere Publikationen folgen. Noch im April wird eine Sonderbriefmarke durch das Bundesfinanzministerium veröffentlicht. Mit 1,95 Euro wird diese – wie sollte es anders sein – den Wert einer Büchersendung haben.

Um das Bild eines Museums für ehrwürdig verstaubte Bücher auch nach 450 Jahren nachhaltig zu vermeiden, transportieren die Verantwortlichen in Wolfenbüttel ihre Botschaften und Geschichten zeitgemäß mit eigenem Podcast und auf einem Blog.

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