• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Ratgeber

Zwischen Deichen und Wurten

01.06.2013

Wangerland Der Wind weht heftig von vorn, wie soll es auch anders sein an der Küste. Wir müssen kräftig in die Pedalen treten, um auf dem wangerländischen Pilgerweg voranzukommen. Denn anders als die Pilger im Mittelalter sind wir mit dem Fahrrad unterwegs. Der Pilgerweg verbindet 14 Kirchen – Zeugnisse des Glaubens und der Kultur, die das Wangerland geprägt haben.

Grüne Wiesen

Auf einer holprigen Straße nähern wir uns unserem ersten Ziel, der Kirche zum Heiligen Kreuz in Pakens. Sie wurde Ende des 13. Jahrhunderts aus Granitquadersteinen erbaut und liegt auf einer hohen Wurt, im Wangerland Warf genannt. Umgeben ist der stattliche Bau von saftig grünen Wiesen. In der Kirche fällt das Taufbecken auf, das von drei wohlgenährten Putten getragen wird. Wir belohnen uns mit dem ersten Stempel im Pilgerpass und machen uns wieder auf den Weg.

Unser nächstes Ziel ist St. Joost. Es geht immer geradeaus durch eine weite Landschaft. Das macht den Kopf frei. Die St. Jodocuskirche, Ende des 15. Jahrhunderts erbaut, ist nach dem Schutzpatron der Reisenden und Seefahrer benannt. Bei unserer Ankunft erfahren wir, dass gerade eine Trauung stattfindet. Da wollen wir nicht stören und radeln nach Wiarden. Der Wind weht weiter kräftig von vorn.

Auch die Kirche St. Cosmas und Damian, erbaut Anfang des 13. Jahrhunderts, liegt auf einer hohen Warf und hat den Menschen von jeher Schutz vor schweren Sturmfluten gegeben. Der Küster erzählt uns, dass die heutige Straße Wiarder Altendeich im 16. Jahrhundert die Grenze zur See war.

Im Chorraum der Kirche bestaunen wir die spätgotischen Malereien, die die Apostel Petrus, Jacobus und Johannes darstellen sowie die Schutzheiligen der Kirche, St. Cosmas und Damian. Der Legende nach waren es Zwillingsbrüder, die als Ärzte wirkten und 303 den Märtyrertod starben. Andere Besucher der Kirche, wie wir auf dem Pilgerweg unterwegs, machen uns auf eine weitere kunsthistorische Kostbarkeit der Kirche aufmerksam. Die Kanzel von 1634 ist ein Werk von Ommo Dirks, Schüler des berühmten Bildhauers Ludwig Münstermann.

Die älteste Kirche des Wangerlandes ist die St. Sixtus- und Siniciuskirche in Hohenkirchen. Laut einer Urkunde geht ihr Bau auf das Jahr 1143 zurück. Der Taufstein ist über 750 Jahre alt. Der Altar von 1620 stammt von Ludwig Münstermann, die Orgel von 1694 vom berühmten Orgelbaumeister Joachim Kayser aus Jever. In der St. Johanniskirche in Waddewarden werden wir später auf eine weitere Orgel von Kayser stoßen.

Auf unserem Weg nach Minsen lesen wir Hinweisschilder nach Weinberg und Hölle. Fehlt nur noch das Paradies. Wir verzichten auf einen Abstecher, denn am Himmel ziehen graue Regenwolken auf, der Wind weht unverändert kräftig. Die Kirche St. Severinus und Jacobus steht auf einer hohen Wurt und stammt aus dem 13. Jahrhundert. Sehenswert ist der Altar aus dem 17. Jahrhundert. Er stammt aus Groß-Partwitz, einem Dorf in der Lausitz, das dem Braunkohleabbau weichen musste, und kam 1998 nach Minsen. Sehenswert ist auch das Deckenfresko in der Apsis aus dem Mittelalter.

Einen großen Zeitsprung machen wir in Schillig, wo wir uns den nächsten Pilgerstempel in der die katholischen St.-Marien-Kirche abholen. Das Dach des modernen Kirchenbaus, 2012 fertiggestellt, strebt wie zwei Nordseewellen auseinander, der Turm erinnert an ein Segel im Wind. Eine weitere katholische Kirche auf dem wangerländischen Pilgerweg ist St. Ansgar in Hooksiel. Die Kirche wurde 1966 geweiht und 1982 erweitert.

Idyllischer Dorfplatz

Wir halten uns nicht lange auf im idyllischen Fischerort. Es wird nämlich ungemütlich, zum Wind kommt nun noch Regen hinzu. Es wird kalt, und wir bekommen einen kleinen Eindruck davon, welche Strapazen Pilger zu früheren Zeiten auf sich genommen haben, um Gott näher zu kommen.

Wie ein Dorf aus einem Bilderbuch präsentiert sich Wüppels. Die Kirche und die Schule, der Dorfkrug, das frühere Armenhaus, das Küsterhaus und die Pastorei stehen um den idyllischen Dorfplatz. Die namenlose Kirche entstand Ende des 13. Jahrhunderts, die Holzdecke und der Glockenturm stammen aus dem 17. Jahrhundert.

Über Waddewarden und Westrum radeln wir unverdrossen weiter nach Oldorf, wo wir in der St. Marienkirche aus dem 13. Jahrhundert eine Verschnaufpause einlegen und uns den nächsten Pilgerstempel abholen. Unsere letzten Pilgerstationen sind die Markuskirche in Tettens, die Kirche in Middoge und schließlich die Kirche in Wiefels. Um die Reformationszeit wurde die verfallene Granitquaderkirche wiedererrichtet und mit Backsteinen ergänzt. In der Kirche fällt ein Altarbild aus dem Jahr 1621 ins Auge. Es beschreibt das Weltgericht in plattdeutscher Sprache.

Als wir spätabends – müde und abgekämpft – in Jever ankommen und unseren Gastgebern von der Pilgerreise durchs Wangerland erzählen, ernten wir ungläubiges Staunen, aber auch Anerkennung. Für uns steht fest: Wir werden wieder pilgern – aber dann bitte mit Rückenwind.


     www.jakobswege-norddeutschland.com/niedersachsen.pdf 
     www.huemmlinger-pilgerweg.de 
     www.kirchenkreis-norden.de/go/kknorden/home/pilgerwegscholadei.xhtml 
     www.jakobswege-norddeutschland.de 
     www.jakobusweg-lueneburger-heide.de 
     www.lueneburger-heide.de/themen/jakobsweg 
Lore Timme-Hänsel
Redakteurin
Kulturredaktion
Tel:
0441 9988 2065

Weitere Nachrichten:

Grüne | Dorfkrug

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.