• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Ratgeber Recht

Hochzeit: Tücken des schönsten Tages

12.04.2011

BERLIN Es dürfte der Alptraum aller Hochzeitspaare sein: Die lang geplante Hochzeitsfeier fällt wegen Doppelbelegung aus. Die Braut erleidet einen Schock und weint tagelang. Jetzt bleibt nur noch die Hoffnung auf Justitia. Doch schon wartet die nächste Enttäuschung. Denn nach Meinung des Saarländischen Oberlandesgerichts (OLG) muss der schlampige Gastwirt kein Schmerzensgeld zahlen (Az.: 8 W 165/98-22).

Kein Schmerzensgeld

So urteilte etwa das Landgericht Görlitz, dass Brautleute, die bei einem Verkehrsunfall auf der Fahrt zur Hochzeitsgesellschaft verletzt wurden, keinen Schadenersatz bekommen, weil sie an der Feier nicht mehr teilnehmen konnten (Az.: 4 O 116/00).

Fehlende Dokumente

Ähnlich urteilte das OLG Brandenburg. Es verweigerte einem Brautpaar Schmerzensgeld, nachdem die Feier abgebrochen werden musste, weil bei einem Feuerwerk mehrere Raketen waagerecht in die Hochzeitsgesellschaft geflogen waren und mehrere Personen verletzt hatten (Az.: 7 U 8/04).

Streitfragen werfen häufig auch sogenannte Heirats-Reisen auf. Hier bieten Reiseveranstalter die Eheschließung während der Reise an. Nach Meinung des Amtsgerichts Düsseldorf sind Veranstalter verpflichtet, vor der Reise zu prüfen, ob alle für die Eheschließung erforderlichen Unterlagen vorliegen. Allerdings sind nach Meinung des Gerichts Schadenersatzansprüche um die Hälfte zu reduzieren, falls die Heirat an fehlenden Dokumenten scheitert. Die Eheleute trifft in jedem Fall ein Mitverschulden (Az.: 37 C 11022/91).

Hatte dagegen ein Brautpaar eine dreiwöchige Urlaubsreise mit einem sogenannten Hochzeitspaket gebucht, zu dem neben der Organisation der Trauung am Urlaubsort auch ein „Abenddinner“ gehört, darf das Paar den Reisepreis immerhin um 30 Prozent kürzen, wenn das Hochzeitsessen ausfällt, so das Landgericht Hamburg (Az.: 317 S 184/96).

Zuweilen beschäftigen aber auch kuriose Hochzeitsabläufe die Gerichte. So entschied das Amtsgericht München, dass der Gerichtsvollzieher während der Hochzeitsfeier beim Bräutigam keine Pfändung vornehmen darf (Az.: 33 M 3387/84).

Das Kammergericht Berlin meinte, die akustische Überwachung einer Trauung im Gefängnis sei nicht zulässig. Eine Ausnahme gelte nur beim Verdacht, der Häftling könnte mit seiner Frau Fluchtpläne schmieden (Az.: 4 Ws 32/98).

Wenig Einsehen hatte das Landessozialgericht Baden-Württemberg mit einem Chef, der bei der Fahrt zur Hochzeitsfeier eines Mitarbeiters verunglückte. Das Gericht befand, es handele sich um sein Privatvergnügen. Daher stehe er in einem solchen Fall nicht unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung (Az.: L 7 U 1175/90).

Nicht steuerlich absetzbar

Ebenso wenig erkennt die Justiz, in diesem Fall der Bundesfinanzhof, die Kosten einer Hochzeitsfeier als „zwangsläufige Aufwendungen“ der Eltern an, die steuerlich abzusetzen sind (Az.: III R 242/83).

Ferner beschäftigen Streitfragen im Zusammenhang mit Hochzeitsfotos die Gerichte. So verurteilten die Landgerichte Lübeck (Az.: 15 S 198/86) und Hamburg (Az.: 324 O 690/09) Fotografen zur Zahlung von Schmerzensgeld, weil sie ohne Einwilligung von Brautpaaren deren Hochzeitsfotos in einem Schaukasten sowie in einem Werbeblatt veröffentlicht hatten.

Lebensnahes Urteil

Unabhängig davon waren indes das Amtsgericht Essen (Az.: 12 C 562/88) und das Landgericht Wuppertal (Az.: 8 S 116/88) der Auffassung, dass ein Brautpaar gegen einen Fotografen keinen Anspruch auf Herausgabe der Negative ihrer Hochzeitsfotos hat.

Als lebensnah darf eine Entscheidung des Amtsgerichts Dortmund gelten: Das Gericht hielt es für nicht ungewöhnlich, dass in den Wirren einer Hochzeitsfeier ein Kuchenteller verschwindet. Daher wies es die Schadenersatzklage eines Konditors ab, der den Kuchen auf einem Silbertablett geliefert hatte, das später nicht mehr auffindbar war (Az.: 125 C 9500/92).

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.