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Beliebter Landesvater Gestorben Nordwesten nimmt Abschied von Herzog von Oldenburg

Frank Jacob
Frank Jacob Sabine Schicke Marco Seng Norbert Wahn

Oldenburg/Rastede/Lensahn - Auch wenn er auf Schloss Güldenstein bei Lensahn (Schleswig-Holstein) lebte, so war doch Anton Günther Herzog von Oldenburg als Landesvater in der Nordwest-Region beliebt. Es war seine zurückhaltende Art, mit der er die Menschen für sich einnahm. Attitüde war dem Adeligen fremd und das Reiten auch im Alter von 80 Jahren noch eine Passion. Wann immer er konnte, besuchte er das Landesreitturnier in Rastede (Landkreis Ammerland), dessen Schirmherr er gern war. Der Herzog versäumte auch selten eine Versammlung der Oldenburgischen Landschaft. Außerdem galt dem Elisabeth-Kinderkrankenhaus seine Verbundenheit, was sich nicht zuletzt darin ausdrückte, dass er bei Feiern auf Präsente zugunsten des Krankenhauses verzichtete. Auch für seinen letzten Weg wünscht er sich keinen Kranzschmuck, sondern eine Unterstützung des Vereins der Förderer des Krankenhauses.

Krankenhaus gefördert

Die Menschen trauern mit Ehefrau Ameli Herzogin von Oldenburg um den Seniorchef des Hauses Gottorp. Diese Aufgabe übernimmt nun Christian Herzog von Oldenburg, der mit Caroline geborene Gräfin Rantzau verheiratet ist. Das Paar hat vier Kinder: Alexander, Philipp, Anton und Katharina als Enkel des Verstorbenen.

„Das Oldenburger Land und Niedersachsen verlieren mit Herzog Anton Günther einen über viele Jahrzehnte engagierten und sympathischen Fürsprecher, der für den Pferdesport und die Kultur viel getan hat“, sagte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) am Montag.

Und Ex-Landtagspräsident Horst Milde (SPD) berichtet, dass er den Herzog im Laufe der Jahre während vieler Begegnungen schätzen gelernt habe. „Wir haben viele Gespräche über die Zukunft und das Wohl Oldenburgs geführt“, so Milde. „In unseren Gesprächen haben wir im Laufe der Jahre aber auch viele andere Themen berührt.“ Dabei sei es etwa um die Auflösung der Bezirksregierung gegangen, aber auch um das Standbild Graf Anton Günthers etwa. „Ich werde ihn in achtenswerter Erinnerung behalten.“

Der Bundestagsabgeordnete Franz-Josef Holzenkamp, Vorsitzender des CDU-Landesverbands Oldenburg, zeigte sich tief betroffen: „Wir verlieren eine Institution und große Persönlichkeit des Oldenburger Landes. Er hat die oldenburgische Identität in seiner bescheidenen Art verkörpert.“


Der Landrat des Kreises Ammerland und Vorsitzende der Metropolregion, Jörg Bensberg, betonte, Anton Günther habe deutliche Spuren hinterlassen. „Er war ein leidenschaftlicher Gastgeber des Landesturniers und der Musiktage in Rastede, immer freundlich und bescheiden.“

Anton Günther Herzog von Oldenburg wurde am 16. Januar 1923 in Lensahn als ältestes von neun Geschwistern geboren. Sein vollständiger Titel lautet: Erbe zu Norwegen, Herzog von Schleswig, Holstein, Stormann, der Dittmarschen und Oldenburg, Fürst von Lübeck und Birkenfeld, Herr von Jever und Knyphausen.

Seine Eltern waren Nikolaus Erbgroßherzog von Oldenburg (1897-1970) und dessen Ehefrau Helene (1899-1948), eine geborene Prinzessin zu Waldeck und Pyrmont. Anton Günthers Großvater – Friedrich August (1852-1931) – war noch als letztem regierenden Großherzog von Oldenburg zu gejubelt worden.

Anton Günther hatte am 7. August 1951 in Kreuzwertheim (Unterfranken) Ameli Prinzessin zu Löwenstein-Wertheim-Freudenberg geheiratet. Tochter Helene wurde 1953 geboren und lebt als Künstlerin in Rastede (Landkreis Ammerland), Der 1955 geborene Sohn Christian leitet das Familiengut in Ostholstein.

44 Jahre an der Spitze

44 Jahre stand Anton Günther nach dem Tod des Vaters an der Spitze des Hauses und pflegte seine Verbindung ins Oldenburgische im Nordwesten. Tradition hatte in Rastede die Einladung zur Gurkenbowle während der Internationalen Musiktage. „Man konnte ihm ansehen, welchen Spaß und welche Freude er am Empfang und den Musiktagen hatte“, sagte Torsten Wilters, Präsident des Vereins Rasteder Musiktage.

Eine lange Verbundenheit hat Anton Günther auch zum Oldenburger Landesturnier in Rastede. Noch im Jahr 2012 übernahm er im Alter von 89 Jahren selbst die Ehrung der Oldenburger Meister. „Er hat die Nähe zu den Reitern und den Pferdeleuten geliebt und hielt sich jeden Tag auf dem Turniergelände auf. Ohne ihn als Schirmherren hätten wir die blau-rote Verwurzelung des Landesturniers nie so hinbekommen“, sagte Turnier-Chef Jan-Christoph Egerer.

Tradition hat auch das Engagement für das Rote Kreuz, für das Anton Günther 2007 mit dem Ehrenzeichen ausgezeichnet wurde. Seit 1991 gehörte Anton Günther dem Beirat des DRK-Landesverbandes Oldenburg an. Bereits sein Urgroßvater Großherzog Nikolaus Friedrich Peter hatte das Rote Kreuz unterstützt.

Anton Günther war Gründungsmitglied der Oldenburgischen Landschaft, die 1970 aus der Oldenburg-Stiftung hervorgegangen war. So fuhr er etwa 2012 nach Vechta zur Landschaftsversammlung noch mit dem Auto, als Thomas Kossendey dort als Präsident gewählt wurde. „Durch seine freundliche Art und sein bescheidenes Auftreten erwarb er sich große Sympathie“, sagt Thomas Kossendey. „die Oldenburgische Landschaft gedenkt seiner in hohem Respekt und großer Dankbarkeit.“

Die Restaurierung des Mausoleums auf dem Gertrudenkirchhof war Anton Günther ein großes Anliegen, auch wenn er das Projekt Herzog Christian und Herzogin Caroline anvertraute. Nun findet er dort im Kreis seiner Vorfahren eine letzte Ruhestätte.

Auch sein Vater Nikolaus Erbgroßherzog von Oldenburg wurde dort 1970 beigesetzt. Dr. Jörg Welp erinnert sich noch daran, wie er als Kind die von Pferden gezogene Lafette mit dem Sarg an sich vorbeifahren sah. Schweigend standen die Oldenburger damals am Straßenrand.

Aus Schleswig-Holstein war am Montag keine Reaktion zu erhalten. In Lensahn hatte sich die Nachricht vom Tod des Herzogs offenbar noch nicht herumgesprochen. Zumindest die Lokalzeitung war von der Information überrascht. Die Familie sei sehr zurückhaltend mit öffentlichen Äußerungen, hieß es aus Lensahn.

Verbindung zu Eutin

Die herzogliche Familie ist auch mit Schleswig-Holstein in der Stiftung Schloss Eutin eng verbunden, deren Zweck es ist, das Schloss zu erhalten, zu nutzen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Bis 1992 war das Eutiner Schloss im Besitz der herzoglichen Familie. Danach wurde es der Stiftung übergeben. Der Vorstand der Stiftung wird aus einem Mitglied des Herzoglichen Hauses und einem Mitglied des Bildungs- und Kultusministeriums des Landes gebildet. Derzeit ist er durch Christian Herzog von Oldenburg sowie Staatssekretär Eberhard Schmidt-Elsaeßer besetzt.

Der Stiftungsrat besteht aus sechs Mitgliedern. Er wird von Mitgliedern der herzoglichen Familie sowie Vertretern der öffentlichen Hand gebildet. Die Landesregierung in Kiel äußerte sich am Montag nicht zum Tod des Herzogs.

Frank Jacob
Frank Jacob Redaktion Rastede, Redaktion Wiefelstede
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