ACCUMERSIEL - 'Mal sehen, ob er den Weg nach Langeoog noch findet, er hat ja jetzt ein paar Wochen Urlaub gehabt', lachte Kapitän René Janßen am Sonnabendmittag im Accumersieler Hafen auf dem Fischkutter 'Gerda-Bianka' stehend mit Blick Richtung Fahrerkabine. Hier hatte der zweite Kapitän und gleichzeitig Schiffseigner Tom Caspers gerade den Motor betätigt und zum Steuerrad gegriffen, um das Stahlschiff, auf dem sich ausnahmsweise einige Touristen im Rahmen des Kutterkorsos befanden, aus dem Hafen zu führen. Doch selbstverständlich stellt diese Ausfahrt zur Sandbank 'Flinthörn' und zurück für Caspers nur die kleinste Übung dar, ist er doch seit 1996 an Bord des sich in Familienbesitz befindenden Schiffes, für das er seit 2006 als selbstständiger Unternehmer verantwortlich ist.
Zur Besatzung der 'Gerda-Bianka' gehören neben Janßen und Caspers noch der Matrose Michael Kruse. Durch diese Dreierkonstellation sei laut Caspers eine gewisse Arbeitsteilung möglich, da bei einigen Fangtouren zwei Mann an Bord ausreichend seien. Deshalb habe er jetzt auch endlich mal ein wenig Urlaub machen können, freute sich der Schiffseigner. Und der ist sicherlich durchaus nötig, denn die Fischer verbringen während ihrer von März bis Dezember andauernden Saison pro Ausfahrt zwölf bis 48 Stunden auf See. Dabei fahre man weit raus auf die Nordsee.
Uwe Caspers, Vorsitzender des Fischereivereins Dornumersiel und Vater von Tom Caspers, erinnerte sich, während er an Land verweilte und die Dorfgemeinschaft bei der Bewirtung der Gäste unterstützte, sogar an mehrmonatige Fangtouren in Nordseegebieten westlich von Dänemark und Schleswig-Holstein gelegen. Freilich sei man dann in dortigen Hafenorten vor Anker gegangen. Schon in vierter Generation fahren die Caspers zur See, aktuell mit einem 300 PS starken Stahlschiff aus dem Jahr 1986. Das Besondere an der Accumersieler Kutterflotte sei übrigens, dass sämtliche Schiffe aus Stahl seien – in vielen Sielorten seien dagegen die nicht ganz so rustikalen Holzkutter noch verbreitet. Tom Caspers: 'Allgemein lässt sich jedoch sagen, dass die Krabbenkutter an der Nordseeküste recht betagt sind.'
Der Schwerpunkt bei ihrem Fischfang liege eindeutig auf Krabben, erklärte der junge Kapitän weiter. Die Erzeugerpreise für Krabben hätten in den letzten beiden Jahren viel Freude bereitet – allerdings habe man in genau diesem Zeitraum auch weniger gefangen als sonst üblich. Grundsätzlich könne man aber als Fischer eine Familie ernähren. Wie in vielen anderen Berufen aber auch, sei die immer mehr ausufernde Bürokratie ein Ärgernis. So müsse für das Fischereiamt ein Logbuch geführt werden, zusätzlich seien alle Kutter inzwischen mit einer kostspieligen 'Black Box', vergleichbar mit dem Flugdatenschreiber eines Flugzeugs, ausgestattet, die dem Bundesamt für Ernährung und Landwirtschaft per Satellit 'rund um die Uhr' die Position des Schiffes melde. Wer mit einer defekten 'Black Box' rausfahre, erhalte eine empfindliche Geldstrafe.
In einem weiteren Punkt vermissen die Fischer den Rückhalt in der Politik: Wenn es in den Debatten um die Einschränkung von Seefanggebiete gehe. 'Einige Umweltschützer wollen am liebsten, dass wir gar nicht mehr fischen gehen', schüttelte Uwe Caspers nur den Kopf. In diesem Zusammenhang erinnerte er an den früheren Fischereihafen Friedrichskroog (Schleswig-Holstein), der vor einigen Jahren von der Landesregierung geschlossen wurde.
