Oldenburg - Gegen die aktuelle Gesundheitspolitik haben mehr als 600 Apotheker aus Oldenburg und den umliegenden Landkreisen am Mittwochmorgen in der Innenstadt demonstriert. Wie bundesweit in anderen Städten auch, blieben ihre Geschäfte bis auf einen Notdienst geschlossen. „Wir haben hier heute großen Zusammenhalt und viel Unterstützung erfahren“, sagte Birte Neumann, Apothekerin in Oldenburg und im Ammerland, nach der Demonstration. „Das zeigt, wie sehr die Lage pressiert.“

Schnell eine Lösung finden müsse die Politik für die Lieferengpässe von Medikamenten. Mehr als 600 Arzneimittel sind derzeit nicht verfügbar. „Es müssen geeignete Maßnahmen her, die auch langfristig wirken. Dazu gehört, dass mehr Geld investiert und wieder in Europa produziert wird“, erklärte sie. Die zweite große Forderung ist der Wunsch nach einem Bürokratieabbau. „Wir müssen in unserem Alltag vieles doppelt und dreifach dokumentieren“, so Neumann. Das koste viel Zeit.

Liebt ihren Job, aber inzwischen nicht mehr die Rahmenbedingungen: Stephanie Schmitz, Geschäftsführerin der drei Pluspunkt-Apotheken in Oldenburg.

PROTESTAKTION IM NORDWESTEN Ob Stadt oder Land – Zukunft der Apotheken steht auf dem Spiel

Katja Lüers
Augustfehn

Ein weiteres Thema, das die Politik angehen soll, sind die Honorarverträge der Apotheker. „Sie wurden seit 2004 nicht erhöht. Es gab aber eine Steigerung der Kosten“, erklärte sie. „Wir wollen unsere Mitarbeiter fair bezahlen – sie würden mit ihren Abschlüssen bei den Krankenkassen momentan mehr verdienen“, sagte sie. Finanzieren könnte man diese Honorarerhöhungen mit einer Mehrwertsteuersenkung für Medikamente. „In allen Nachbarländern gilt ein reduzierter Satz. Der Staat verdient gut an Arzneimitteln“, berichtete Birte Neumann. Zudem gebe es in Deutschland 96 gesetzliche Krankenkassen. „Alle mit Vorständen und Werbungskosten. Da findet sich auch Einsparpotenzial.“ Um ihren Forderungen Ausdruck zu verleihen, zogen die Apotheker mit ihrer Demonstration zu den Geschäftsstellen der IHK, hkk und AOK sowie zu den Büros von SPD und Grünen und übergaben ihre Anliegen in schriftlicher Form.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hatte Forderungen nach mehr Geld für Apotheken bereits im Vorfeld des Protesttags eine Absage erteilt. Mangels zusätzlicher Haushaltsmittel und steigender Beiträge für die gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) gebe es die Spielräume dafür im Moment leider nicht.

Von ihren Kunden haben die Apotheker in Oldenburg am Mittwoch viel Zuspruch bekommen. „Sie wissen es zu schätzen, was wir vor Ort für sie leisten“, sagte Birte Neumann.

Friederike Liebscher
Friederike Liebscher Redaktion Oldenburg