Vechta/Oldenburg - Gegen die aktuelle Gesundheitspolitik sind am Mittwochmorgen laut Veranstalterangaben rund 250 Teilnehmer aus den Kreisen Vechta, Cloppenburg, Oldenburg oder Diepholz in Vechta auf die Straße gegangen. Die Polizei sprach von 150 Teilnehmern. In Oldenburg kamen rund 600 Apotheker aus Oldenburg und umliegenden Kreisen zusammen. Wie bundesweit in anderen Städten auch blieben ihre Geschäfte bis auf einen Notdienst geschlossen. Merle Looschen, Apothekerin aus Lohne, freute sich über die große Resonanz in Vechta. Es sei darum gegangen, auf die Situation der Apotheker aufmerksam zu machen. Birte Neumann, Apothekerin in Oldenburg und im Ammerland, sagte in Oldenburg: „Wir haben hier heute großen Zusammenhalt und viel Unterstützung erfahren.“

Eine der Forderungen: Politik müsse schnell eine Lösung finden für die Lieferengpässe von Medikamenten. Mehr als 600 Arzneimittel sind derzeit nicht verfügbar. Die zweite große Forderung ist der Wunsch nach einem Bürokratieabbau.

Ein weiteres Thema, das die Politik angehen müsse, seien die Honorarverträge der Apotheker. Sie seien seit 2004 nicht erhöht worden, so Looschen. Auf der anderen Seite seien aber die Kosten gestiegen. Auch für eine bessere Vergütung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gingen die Apotheker am Mittwoch auf die Straße.

Birte Neumann sprach sich in Oldenburg für eine Mehrwertsteuersenkung für Medikamente aus. „In allen Nachbarländern gilt ein reduzierter Satz. Der Staat verdient gut an Arzneimitteln“, berichtete sie. Um ihren Forderungen Ausdruck zu verleihen, zogen die Apotheker zu den Geschäftsstellen der IHK, hkk und AOK sowie zu den Büros von SPD und Grünen in Oldenburg und übergaben ihre Anliegen in schriftlicher Form. Im Vechta zog der Protestzug vom Europaplatz zum Bremer Tor und zurück.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hatte Forderungen nach mehr Geld für Apotheken bereits im Vorfeld des Protesttags eine Absage erteilt. Mangels zusätzlicher Haushaltsmittel und steigender Beiträge für die gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) gebe es die Spielräume dafür im Moment leider nicht.


Von ihren Kunden haben die Apotheker in Vechta am Mittwoch viel Zuspruch bekommen. Der Schließtag habe gezeigt, welche Auswirkungen der Wegfall einer wohnortnahe Versorgung hätte, erklärte Merle Looschen.

Reiner Kramer
Reiner Kramer Redaktion Münsterland (Stv. Leitung Cloppenburg/Friesoythe)
Friederike Liebscher
Friederike Liebscher Redaktion Oldenburg