Hannover - In Niedersachsen leiden etwas mehr Menschen an Asthma als im bundesweiten Durchschnitt. Landesweit sind 4,4 Prozent der Bevölkerung betroffen, bundesweit 4,2 Prozent. Das zeigt der neue „Gesundheitsatlas Niedersachsen“, in dem das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) erstmals die Häufigkeit von Asthma bronchiale für die Bevölkerung der 45 Städte und Landkreise in Niedersachsen darstellt.
Gibt es regionale Unterschiede?
Ja, das Spektrum reicht von 3,6 Prozent im Landkreis Schaumburg bis zu 5,3 Prozent im Landkreis Emsland. Die Großstädte Niedersachsens liegen im bundesweiten Vergleich alle im Mittelfeld: Wolfsburg (3,7 Prozent) hat die niedrigste Asthma-Häufigkeit, gefolgt von Braunschweig (4,0), Oldenburg (4,3), der Region Hannover (4,4) sowie Osnabrück und Salzgitter (je 4,5). Insgesamt haben Menschen in den Großstädten etwas häufiger Asthma, als in den ländlichen Regionen.
Wie lassen sich die Unterschiede erklären?
Als möglicher Grund gilt die Luftverschmutzung, sagt Epidemiologin Dr. Sveja Eberhard. Aber auch erbliche Vorbelastungen spielen eine Rolle. Auffällig ist auch: In Regionen, in denen stark übergewichtige Menschen leben, gibt es auch mehr Asthma-Kranke.
Gibt es Unterschiede bei den Geschlechtern?
Ja, am häufigsten stellen Ärzte die Diagnose Asthma in Niedersachsen bei Jungen bis 14 Jahren mit 6,2 Prozent und bei Frauen von 70 bis 79 Jahren mit 6,7 Prozent fest. „Die Krankheit bei Jungen hat vermutlich anatomische Gründe und lässt sich durch die engeren Bronchien erklären“, sagt Eberhard. Im Erwachsenenalter sind die Bronchiendurchmesser dann bei Männern größer als bei Frauen. Ein anderer Erklärungsansatz, der derzeit erforscht wird, sind die hormonellen Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Auch sie könnten die Geschlechterunterschiede erklären. Insgesamt leben laut Atlas 354 000 Menschen mit Asthma in Niedersachsen.
Können die Patienten mit Asthma klarkommen?
„Die wichtigste Säule der Asthma-Therapie ist, die Erkrankung gut zu steuern“, so Frank Preugschat, Geschäftsführer Versorgungs- und Kontaktmanagement bei der AOK Niedersachsen. Das gelinge zum einen mit adäquatem Einsatz von Medikamenten. Auch der gut informierte Patient sei entscheidend. Verschiedene Studien hätten zudem gezeigt, dass die Krankheit gut unter Kontrolle gehalten werden kann, wenn stark übergewichtige Patienten ihr Gewicht reduzieren können.
Wie sieht es bei den Reha-Maßnahmen aus?
In den Jahren 2018 und 2019 gab es in den ersten sechs Monaten rund 15 000 Versicherte, die mit einem ärztlich diagnostiziertem Asthma zu einer Anschlussrehabilitation, Reha-Kur oder Mutter-Vater-Kind-Kur fuhren. Im Jahr 2020 waren es in den ersten sechs Monaten 10 839 Versicherte. Das entspricht einem Rückgang um rund 25 Prozent der Kuren für Asthmatiker im ersten Halbjahr 2020 gegenüber den Vorjahren. Das Jahr 2020 gilt wegen der Corona-Pandemie allerdings als nicht aussagefähig, da viele Einrichtungen schließen mussten.
Welchen praktischen Nutzen hat der Asthma-Atlas?
Mit der Analyse möchte die AOK den Akteuren vor Ort fundierte Informationen über das Krankheitsgeschehen bereitstellen. „Anhand der Zahlen aus dem Gesundheitsatlas können Landräte und Bürgermeister auf Kreisebene Ansätze entwickeln, um die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger zu verbessern“, meint Dr. Jürgen Peter, Vorstandschef der AOK Niedersachsen. Vor allem die Risikofaktoren für Asthma müssten von der Politik „stärker als bisher in den Blick genommen werden“.
