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NWZonline.de Region

Atomkraftwerk Stade bald Geschichte

24.06.2017

Stade Eine gespenstische Atmosphäre. Schwärme von Möwen umkreisen kreischend die Reaktorkuppel. Manchmal attackieren die Vögel Menschen. Der Wind pfeift. Plakate am leeren Pförtnerhaus warnen: Fotografierverbot! An Mauerteilen bröckelt Beton. Ein Ort zum Fürchten. Und ein Ort, an dem Geschichte geschrieben wird. Hier verschwindet ein ganzes Atomkraftwerk in den nächsten Jahren. „Übrig bleibt nur eine grüne Wiese“, sagt Anlagen-Leiter Michael Klein zu Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). Dieser will sich einen Überblick verschaffen über den Abbruch von Kernkraftwerken in Niedersachsen.

Nur durch Schleusen geht’s ins Gebäudeinnere. Ein Strahlenzähler am Körper ist Pflicht. Dazu Sicherheitsschuhe, Handschuhe und weiße Schutzkleidung. Das Höllenfeuer ist zwar längst erloschen, aber niemand will ein Risiko eingehen. Beim Abbruch gab’s schon manche Überraschung. Plötzlich entpuppte sich der Boden als strahlenverseucht, Farben an den Wänden ebenfalls. Selbst die Eisenstäbe im Beton.

Zahlen und Fakten

Seit 2003 ist das Atomkraftwerk Stade schon abgeschaltet. Die Brennstäbe wurden bereits zwei Jahre später entfernt und ins französische La Hague transportiert. Die am stärksten strahlenden Teile lagern in Castoren im niedersächsischen Gorleben. Mittelradioaktives Material kommt in den Schacht Konrad bei Salzgitter. Insgesamt müssen 330 000 Tonnen abgebaut werden. 20 000 Tonnen wurden schon durch das 38-köpfige Abwrackteam beseitigt. Nicht alles ist verseucht; 95 Prozent des Materials kann wiederverwendet werden, zum Beispiel beim Straßenbau. Der Abbau des Atomkraftwerks von Stade kostet insgesamt rund eine Milliarde Euro bis zum Jahr 2021.

Über enge Treppen geht’s ins Herz des Kugelreaktors. Dort, wo die Atomkraft entfesselt wurde. Statt Brennstäben stehen dort jetzt Gerüste und Kräne. Aber allein die Vorstellung – man denkt unwillkürlich an die tödliche Gefahr. Die Anspannung weicht erst, als das Dosimeter anzeigt: keine Strahlung abbekommen.

Auch Weil verhehlt nicht eine „Beklemmung“. „Ich habe zugleich tiefe Hochachtung vor den Menschen, die hier arbeiten“, sagt er: „Es sind Pioniere des Rückbaus.“ Wohl wahr. Acht Atomkraftwerke will PreussenElektra bis 2040 rückbauen. Eine Herkulesaufgabe, die sich aber lohnt. Das 38-köpfige Team von Technikern und Ingenieuren lernt in Stade viel. Die nächsten Projekte werden schneller gehen und billiger sein. „Aber vor uns steht eine Generationen-Aufgabe“, erläutert Geschäftsführer Guido Knott die Dimensionen.

PreussenElektra will mit dem in Stade erworbenen Knowhow ein Geschäfts­modell machen. Denn nicht nur in Deutschland stehen noch jede Menge Atommeiler, sondern auch weltweit werden Spezialisten gesucht. Leute, wie die 38 Männer von Stade.

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