Hannover - Wer nach Leibniz im Internet sucht, stößt zuerst auf den Butterkeks, nicht auf das Universalgenie. Viele halten Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716) sogar fälschlicherweise für einen Keksbäcker – dabei ist er einer der wichtigsten Gelehrten der frühen Aufklärung.

Im 300. Todesjahr des Multi-Talents soll der Mathematiker, Philosoph und Erfinder wieder mehr ins Licht der Öffentlichkeit rücken. Vor allem in Hannover wird Leibniz 2016 mit einer Reihe von Veranstaltungen gefeiert, denn hier wirkte er 40 Jahre lang als Hofrat und Bibliothekar des Welfenherzogs.

Die Gottfried Wilhelm Leibniz-Bibliothek verwahrt den Nachlass des großen Denkers. Seine Handschriften – sagenhafte 200 000 Seiten – lagern in einer klimatisierten Schatzkammer hinter dicken Tresortüren. „Er ist morgens schreibend aufgewacht und abends schreibend eingeschlafen“, sagt der Leiter des Leibniz-Archivs, Michael Kempe, über das Universalgenie. Als Mathematiker war Leibniz seiner Zeit weit voraus. Er entwickelte unter anderem den binären Code, ohne den es heute keine Computer gäbe. Leibniz notierte seine Ideen spontan und zerschnitt Blätter zu verschiedenen Themen. Zurzeit wird das Mammut-Werk „Mathematica“, das aus mehr als 7000 Schnipseln besteht, mit modernster Computertechnik wieder zusammengesetzt.

Mit Leibniz’ weltumspannenden, sozialem Netzwerk gingen auch Plagiatsvorwürfe einher. Newton hetzte gegen ihn und warf ihm vor, bei der Differentialrechnung von ihm abgekupfert zu haben. „Es ist paradox. Je mehr wir über Leibniz wissen, desto schwieriger wird es, diese Person zu fassen“, sagt Kempe, der mit seinem Team eine große Ausstellung mit dem Titel „1716 – Leibniz’ letztes Lebensjahr“ vorbereitet.

Die Eröffnung der Schau mit teils noch nie gezeigten Objekten ist für den 21. Juni geplant.