Bad Zwischenahn - Dieser Beschluss könnte die entscheidende Wende in der jüngeren Geschichte des Wasserturms in Bad Zwischenahn sein: In der außerordentlichen Sitzung des Gemeinderates am Donnerstagabend sprach sich eine Mehrheit der Lokalpolitiker in zuvor beantragter geheimer Abstimmung (20 Ja-Stimmen gegen 16 Nein-Stimmen) für das Sanierungs- und Nutzungskonzept des historischen Gebäudes aus, das bereits mehrfach politisch diskutiert worden ist.
Das Konzept sieht vor, dass nicht nur die Schäden am Wasserturm behoben werden, damit dieser wieder für Besucher zugänglich wird. Es geht einen Schritt weiter, indem eine Nutzung der Aussichtsplattform sowie der verschiedenen Räumlichkeiten, zum Beispiel für Vereine oder kulturelle Veranstaltungen, ermöglicht wird.
Ein Aufzug zur Plattform
Aus dem Konzept geht hervor, dass unter anderem ein Aufzug in den Turm gebaut werden soll, damit alle Stockwerke und auch das Dach barrierefrei erreicht werden können. Darüber hinaus soll das Treppenhaus aus Sicherheitsgründen über eine separate Stromversorgung verfügen und mittels einer Lüftungsanlage mit Überdruck versorgt werden, damit im Brandfall eine rauchfreie Evakuierung möglich wäre.
Verbunden ist eine solche Maßnahme mit nicht unerheblichen Kosten, die derzeit auf etwa 2,8 Millionen Euro geschätzt werden, aber wohl nicht in Gänze von der Gemeinde getragen werden müssen. Denn im Gespräch ist auch eine Bundesförderung in Höhe von bis zu einer Million Euro für den Wasserturm, der als Beispiel für den norddeutschen Backsteinexpressionismus ein Gebäude von nationaler Bedeutung ist.
Wer den Turm nach einer solchen Sanierung nutzen wird, ist derzeit noch nicht klar. Es gibt aber durchaus Interessenten für die Räumlichkeiten in den fünf Stockwerken unterhalb des Wasserbehälters im fünften Stock. So hat zum Beispiel etwa der Verein der Kunstfreunde in Gesprächen wie auch schriftlich mitgeteilt, dass ein Interesse daran besteht, das Kultur-Büro in den Wasserturm zu verlegen oder Aktivitäten in dem Gebäude anzubieten.
Mehrere Möglichkeiten
Bürgermeister Henning Dierks (SPD) sprach sich zum Beginn der Sitzung für das Sanierungs- und Nutzungskonzept aus und erläuterte den Sachstand auch in Bezug auf verschiedene Sanierungsmöglichkeiten. Denn neben der Instandsetzung mit anschließender Nutzung sei auch eine Sanierung möglich, die lediglich die Sicherung des Turmes zum Ziel hätte und günstiger ausgefallen wäre. „Aus meiner Sicht ist die günstigere Variante aber nichts Halbes und nichts Ganzes“, sagte der Bürgermeister.
In der Folge kam es zu einer lebhaften Diskussion der Ratsmitglieder, bei der sich zeigte, dass die Meinungen deutlich auseinander gehen. Insbesondere die Vertreter der CDU- und FDP-Fraktionen positionierten sich gegen die aus ihrer Sicht zu teure Maßnahme, während sich die Vertreter der Grünen- und SPD-Fraktionen klar für das vorliegende Sanierungs- und Nutzungskonzept aussprachen.
