Bad Nenndorf - Die zweite Badesaison in der Corona-Pandemie stellt die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) vor große Herausforderungen. Ein gravierendes Problem ist auch in Niedersachsen, dass viele Kinder coronabedingt seit März 2020 nicht schwimmen lernen konnten. Nach Schätzungen des DLRG-Landesverbandes Niedersachsen sind hier rund 150.000 Kinder betroffen.
„Es gibt eigentlich nur einen Weg: Mit den Kindern jetzt so schnell wie möglich zu einem Schwimmkurs zu gehen“, sagt Christoph Penning, Leiter Verbandskommunikation der DLRG in Niedersachsen. Viele Kommunen und DLRG-Ortsgruppen strengten sich enorm an, nun die doppelte Menge an Schwimmkursen anzubieten. „Da darf man ruhig als Elternteil oder auch in der Kommunalpolitik die jeweilige Verwaltung drauf hinweisen, dass da jetzt gemeinsame Kraftanstrengungen notwendig sind.“
Schwimmen üben
Gerade auch für Kinder mit „Seepferdchen“ sei es sehr wichtig, das Schwimmen wieder zu üben. „Das hilft, es wieder zu erlernen.“ Um als sicherer Schwimmer zu gelten, reiche das „Seepferdchen“ aber nicht aus, betont Penning. Die DLRG spricht ab dem Bronze-Abzeichen von einem sicheren Schwimmer. Das Abzeichen sollten Kinder bis Ende der 4. Klasse erworben haben. Grundsätzlich sollten Kinder und betroffene Jugendliche am Wasser nicht aus den Augen gelassen werden, sagt Penning.
Auch an vielen Schulen in Niedersachsen sei der Schwimmunterricht wieder aufgenommen worden. „Das ist auch gut und das muss auch weitergehen. Die Schulen sind auch ein enorm wichtiger Partner für das Schwimmenlernen in Niedersachsen. Viele Kinder haben auch während ihrer Schulzeit erst schwimmen gelernt“, erläutert Penning. „Wir dürfen uns allerdings nicht täuschen lassen. In Niedersachsen ist es so, dass längst nicht mehr alle Grundschulen mal eben Zugang zu einem Schwimmbad haben, weil viele Schwimmbäder auch schon geschlossen wurden.“ Das sei auch schon vor der Corona-Pandemie ein Problem gewesen.
Bewachte Gewässer nutzen
Der DLRG-Landesverband geht davon aus, dass viele Menschen trotz der Aussicht auf einen Urlaub im Ausland den Sommer in der niedersächsischen Heimat verbringen und die hiesigen Freibäder, Badeseen und Strände an der Küste besuchen werden. Durch den starken Andrang und aufgrund der Corona-Regeln sei aber zu befürchten, dass oft auch unbewachte Gewässer genutzt werden, so Penning. Das hätten die Erfahrungen aus 2020 gezeigt.
Die Leserinnen und Leser der „Nordwest-Zeitung“ waren in den vergangenen Wintermonaten aufgefordert, ein Zeichen gegen die nachlassende Schwimmfähigkeit in unserer Gesellschaft zu setzen.
Die NWZ-Weihnachtsaktion stand unter dem Motto „Damit alle schwimmen können“ und hatte das Ziel, die Ausbildung möglichst vieler Kinder und Jugendlicher zu sicheren Schwimmern zu unterstützen.
183 838,93 Euro waren am Ende der Weihnachtsaktion auf den Spendenkonten eingegangen. Das Geld wird die DLRG zur Finanzierung von Schwimmkursen einsetzen.
Penning appelliert daher, bewachte Gewässer zum Baden zu wählen. Zudem rät er, sich nach einer langen Schwimm-Pause nicht zu übernehmen. Es sollte zudem Rücksicht auf andere Badegäste genommen werden. In Niedersachsen werden rund 400 Badestellen in den Sommermonaten – zumeist an Wochenenden und Feiertagen – bewacht.
Mehr zum Schwimmen und zur DLRG unter: https://niedersachsen.dlrg.de/
