Uplengen - Eine gute Nachricht zum Chemieunfall am Sonnabend in Uplengen gibt es immerhin: Bei keinem der rund 170 untersuchten Menschen aus der Region sind gesundheitliche Schäden festgestellt worden, teilt die Polizei am Montag mit. Nachdem im Warenverteilerzentrum des Deutschen Paketdienstes (DPD) das hochgiftige Natriumselenit ausgetreten war, hätten auch Empfänger von Paketen in Westerstede, Friesoythe und Wardenburg mit dem Stoff in Berührung gekommen sein können.

Die Polizei Emden/lLeer hat in Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft Aurich inzwischen herausgefunden, dass das Paket mit dem gefährlichen Stoff an einen Empfänger aus Friesoythe adressiert war. Das Natriumselenit sollte in einer Biogasanlage eingesetzt werden – „regulär und ordnungsgemäß“, wie die Polizei mitteilt.

Hintergrund: Verseuchte Pakete lösen Alarm aus

Reportage: Wenn das Gift im Paket kommt

Doch die Ermittlungen zum Absender und dem genauen Unfallhergang in Uplengen greifen weiter aus. Zehn Mitarbeiter des DPD haben am Sonnabend über Atembeschwerden geklagt, deshalb steht der Verdacht der fahrlässigen Körperverletzung im Raum.

Auch für die 170 Betroffenen, die in der Sammelstation in Uplengen behandelt wurden, ist der Fall nicht abgeschlossen. Sie waren am Sonnabend von der Polizei aufgefordert worden, bereits zu Hause ihre Kleidung auszuziehen, in einem Plastiksack zu verstauen und abzugeben. In der Sammelstelle mussten sie sich ein weiteres Mal entkleiden und auch diese Sachen aushändigen. Wertgegenstände wie Brieftaschen wurden in getrennten Plastikbeuteln eingezogen. „Ich habe Kleidung im Wert von über 200 Euro dagelassen“, sagt etwa der 18-jährige Thies Engelbarts aus Petersfehn gegenüber der NWZonline.


Hotline für Betroffene unter der Telefonnummer: 04956/911741

Besonders dramatisch dürfte der Verlust für ein Hochzeitspaar sein, das bei der Feier vom Aufruf der Polizei überrascht wurde. Auch das Brautkleid landete in einem Plastiksack. Das Paar hat sich in Uplengen filmen und fotografieren lassen, wollte sich im Nachhinein aber nicht zu dem unangenehmen Vorfall äußern.

Was passiert nun mit all den Sachen? „Die sind zurzeit in einem Container eingelagert“, sagt Enno Ennen, Bürgermeister von Uplengen, gegenüber NWZonline. Der 58-Jährige war sowohl im Lager des DPD als auch bei der Betreuung in der Sammelstelle vor Ort. Alles werde dokumentiert, gereinigt und wieder dokumentiert. Ob die Sachen dann zurückgegeben werden können oder vernichtet werden müssen, hängt von einer Laboranalyse ab. Proben von dem Giftstoff aus dem Lager werden derzeit untersucht, sagt Ennen.

Bislang ist Uplengens Bürgermeister optimistisch. Ennen geht davon aus, dass noch in dieser Woche ein Ergebnis vorliegt und alle Betroffenen Kleider und Wertsachen zurückbekommen. „Die Gegenstände werden dann nach Terminabsprache durch den DPD ausgeliefert“, sagt er. Sollten die Sachen vernichtet werden müssen, bleibt zu klären, wer Schadenersatz leisten muss. Das hängt von den Ermittlungen der Polizei ab.

Der Betrieb am Standort des DPD läuft unterdessen seit Montagmorgen wieder, sagt Ennen. Die Kölner Firma Buchen Umweltservice habe das Lager sowie die zwei Fahrzeuge gereinigt.

Timo Ebbers
Timo Ebbers Online-Redaktion (Ltg.)