Betrifft:
„Alte Schrift gibt Post Rätsel auf“ über die Sütterlin-Schrift (NWZ vom 6. Januar)(...) Durch Ihre Zeilen muß der Eindruck entstehen, daß Sütterlin 1911 mit der Ausgangsschrift als Kurrentschrift (deutsche Schrift) eine neue Schrift erfunden hat. Für das Oldenburger Land dürfte das aber nicht zutreffen. Zum besseren Verständnis dieser Feststellung können ein paar Hinweise zur geschichtlichen Entwicklung hilfreich sein. In der Grafschaft Oldenburg konnten auch die ungelehrten Untertanen schon vor einigen hundert Jahren Schreiben und Lesen lernen. Der Sprache entsprechend war es zunächst wohl plattdeutsch (niederdeutsch). Später kam mit der hochdeutschen Sprache auch die deutsche Schrift, die erst 1941 durch die lateinische Schrift abgelöst wurde. Vornehmlich sind es die ein wenig älteren Mitbürger, die noch deutsch lesen und schreiben können aber bei der Umstellung ein zweites Mal ein Alphabet lernen mußten. (...) Damit können meistens, im Gegensatz zu Sütterlin, auch Mitbürger etwas anfangen, die nicht mehr deutsch schreiben und lesen können. ImehemaligenLand Oldenburg brachte die Sütterlin-Schrift keine Veränderungen. So sind z.B. die im Staatsarchiv Oldenburg aufbewahrten alten Kirchenbücher über Taufen, Trauungen, Todesfälle in deutsch geschrieben. Es sind die gleichen Buchstaben wie bei Sütterlin. (...)
