BURMÖNKEN - Sieben Jahrhunderte hindurch fühlen sich die Menschen in den Leerhafer Ortsteilen Burmönken und Tjüchen nun schon mit den Johannitern verbunden, die hier im ausklingenden Mittelalter zwei starke Ordensniederlassungen unterhielten.
1985 noch feierten die knapp hundert Einwohner aus Burmönken und Tjüchen mit vielen anderen Akteuren die 666. Wiederkehr der ersten Namensnennung und gestalteten den 'großen Tag eines kleinen Dorfes'. Die jetzige Generation würdigt zur Feier des 700. Geburtstages die Johanniterzeit als Teil der Ortsgeschichte und präsentiert an diesem Wochenende das Dorf mit einer Reihe von Veranstaltungen.
Johanniter an der Küste
Die Anfänge der Besiedlung gehen in das Europa an der Wende vom 11. zum 12. Jahrhundert zurück: Von Christenverfolgungen in Vorderasien war die Rede, sodass Papst UrbanII. 1095 zu einer Kreuzzugsbewegung zur Befreiung der heiligen Stätten in Jerusalem aufrief. 'Gott will es!', verbreiteten Wanderprediger diese Idee bis an die Nordseeküste. Als aus den 'normalen' Pilgerfahrten 1097/99 'bewaffnete' Pilgerfahrten wurden, war es dauerhaft notwendig, die christlichen Gläubigen zu schützen. Im Heiligen Land entstanden mehrere Ritterorden, darunter auch die Johanniter. Um die Aufgaben des Ordens erfüllen zu können, bedurfte es nicht nur einer ausgeklügelten Logistik über verschiedene Land- und Seewege, sondern auch eines leistungsfähigen Unterstützungssystems in Mitteleuropa.
Vielfach unbekannt ist, dass die Johanniter im südlichen Nordseeküstengebiet so stark wie sonst nirgends im deutschsprachigen Raum präsent waren. Mehr als 20 ständige Einrichtungen ermöglichten mit ihren Einnahmen zivile und militärische Aufgaben des Ordens im Kreuzfahrerstaat am östlichen Mittelmeer und später auf Rhodos und Malta: Von West nach Ost Warffum, Wijtwerd, Oosterwijtwerd, Goldhoorn, Abbingewehr, Heiselhusen, Boekzetel, Hesel, Hasselt, Jemgum, Muhde, Dünebroek, Langholt, Burlage und Bokelesch im weiteren Umfeld des heutigen Dollart sowie Burmönken, Tjüchermönken, Havermönken, Bredehorn, Witleke, Langwarden und Strückhausen im weiteren Umfeld des heutigen Jadebusens.
Burmönken und Tjüchen werden erstmals in einer Urkunde vom 8. September 1319 namentlich genannt. Darin geht es etwa darum, dass 1444 ein Johanniter aus Burmönken als Bevollmächtigter ostfriesischer Häuptlinge auftritt und 1451 Kommandeur Eylart aus Burmönken einen Friedensvertrag zwischen Oldenburg und Ostfriesland bezeugt.
Gegen Ende des 15. Jahrhunderts war das Haus Burmönken häufig Tagungsort für Verhandlungen ostfriesischer Grafen mit den Regionalhäuptlingen von der anderen Seite der Grenze. Angehörige der Söldnergruppe 'Schwarze Garde' brannten 1514 Burmönken, Tjüchen, Leerhafe und Rispel im Zuge der sogenannten Sächsischen Fehde nieder.
In der Reformationszeit 1528 übernahm die gräfliche Verwaltung den Ordensbesitz. Man nimmt an, dass die entbehrlichen Gebäude als Steinbruch genutzt und nach und nach demontiert wurden.
Spätere Geschichtsschreiber erwähnten zum Beispiel 1616, dass die Einrichtungen in Burmönken und Tjüchen 'schon verödet' seien. 1824 heißt es, dass der Kirchhof noch vorhanden sei und dass nicht nur Schutt und Ziegelsteine sondern auch immer wieder 'menschlich Gebein und ganze Gerippe' ans Tageslicht kamen. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde verzeichnet, dass noch etliche Quadersteine vorhanden seien. Auch eine Suchgrabung 1985 bestätigte Ü;berreste von Backsteinen, Keramikscherben sowie nahe unter der Oberfläche liegende Granitquader.
Namensgeschichte
Bure und Tjüchen:Burmönken wurde 1319 im Vergleich zwischen dem Komtur des Johanniterhospitals in Steinfurt und den friesischen Johannitereinrichtungen als Bure bezeichnet, was wohl auf eine Siedlung zurückgeht, die vor Gründung der Kommende bestand und südlich der heutigen Ortschaft auf einem Geesthügel gelegen war. Tjüchen wird als selbstständige Kommende mit Thyuchen genannt.
Das Festprogramm
Samstag, 20 Uhr: Das Jubiläum startet mit einer Zeltfeier mit DJ Chris Buhl
Sonntag, 11 Uhr: Gottesdienst unter Beteiligung des Posaunenchores
Sonntag, 12 Uhr: Enthüllung einer Chroniktafel am Johanniterstein.
Unterhaltungsprogramm am frühen Nachmittag:Es gibt Tee und Kuchen, die Plattschnacker aus Wittmund werben für die Regionalsprache, der Frauensingkreis tritt auf. Der Ortsverband Wittmund der Johanniter-Unfall-Hilfe stellt Fahrzeuge und deren Einsatzmöglichkeiten vor. Zudem bietet er Kistenklettern an und baut eine Hüpfburg auf. Außerdem erwartet die Kinder Ponyreiten, Spiele sowie eine Klüterbahn.
