Hannover/Oldenburg - In Niedersachsen sollen noch vor den Sommerferien alle Schüler wieder in die Schulen zurückkehren. Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) will Mitte Mai Wechselunterricht an allen Schulen ermöglichen. Es gebe eine klare Strategie: regelmäßige Selbsttestungen, Inzidenzen beobachten und verantwortungsvoll öffnen, bestätigte Tonne unserer Zeitung. „Dabei sind wir auf einem guten Weg.“
Die neue bundeseinheitliche Corona-Notbremse sieht vor, Präsenzunterricht an Schulen erst ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 165 zu stoppen. In Niedersachsen wird jedoch zurzeit noch ab einer Inzidenz von 100 Infizierten pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen in den Distanzunterricht gewechselt. Den konkreten Zeitpunkt eines Wechsels zur Inzidenz von 165 nannte Tonne nicht. „Es gibt immer Unwägbarkeiten und Bedarf an Vorlauf.“ Anfang Mai werde man definitiv noch nicht so weit sein.
Sven Winkler, Sprecher der Oberschulen in Oldenburg, bestätigt zwar, dass „nichts den Klassenraum ersetzt“. Der Landesregierung müsse aber klar sein, dass man mit längeren Öffnungen ein Risiko für Schüler und Schulpersonal eingehe. Lehrer wie Schüler und Eltern bräuchten endlich mehr Verlässlichkeit. Dringend müsste „die Teststrategie intensiviert werden“. Auch hätte man Lehrer schon früher impfen können.
Das Hin und Her der Politik bei den Schulöffnungen bezeichnet Sven Winkler „als Ärgernis“, auch in der Lehrerschaft. „Ein gewisses Maß an Verlässlichkeit ist wichtig, egal ob für Lehrer oder andere Arbeitnehmer.“ Das Vertrauen zur Landesregierung sei zwar nicht weg, aber es „hapert ein wenig“. Auch berufstätige Eltern könnten derzeit nicht vernünftig planen. „Alle Beteiligten brauchen endlich eine langfristige Perspektive.“
Winkler macht deutlich: „Niemand möchte aktuell mit Herrn Weil oder Herrn Tonne tauschen.“ Politische Entscheidungen zu treffen, das sei gerade in der Pandemie anspruchsvoll. Dennoch wünscht sich der Sprecher der Oberschulen, dass die Entscheidungsträger sich in die Lage der Lehrer hineinversetzen. „Es wäre schön, wenn man sich vor Beschlüssen Rat von der Basis holen würde.“

