Cuxhaven/Hannover/Berlin - Hohe tägliche Fallzahlen und lokale Corona-Hotspots haben Sorge unter Gesundheitsexperten und in der Wirtschaft hervorgerufen. Das Robert Koch-Institut (RKI) befürchtet wegen Nachlässigkeit bei den Verhaltensregeln eine Trendumkehr in Deutschland.
Höchststand an Fällen
Nach RKI-Angaben vom Freitag meldeten die Gesundheitsämter zuletzt insgesamt 870 neue Corona-Infektionen innerhalb eines Tages. Seit Beginn der Krise haben sich somit mindestens 208 698 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert. Am Donnerstag hatte die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland mit 902 den Höchststand für Juli markiert. Bis Mitte Juli hatte die Zahl wochenlang meist bei unter 500 gelegen.
Er habe nicht damit gerechnet, dass die Infektionszahlen so schnell wieder steigen würfen, sagte der hannoversche Infektionsforscher Tobias Welte unserer Redaktion. Die Entwicklung sei besorgniserregend. „Sobald wir mehr als 1000 neu Infizierte täglich haben, kommen wir in den kritischen Bereich.“ Ab 3000 müssten bundesweit die Kliniken wieder Operationen verschieben. Welte ist einer der Koordinatoren der WHO-Studie, die zeigen soll, ob vorhandene Medikamente den Verlauf der Covid-19-Erkrankung lindern.
Die Vorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, Ute Teichert, sagte angesichts der Entwicklung: „Für eine zweite Pandemie-Welle sind die Gesundheitsämter viel zu knapp besetzt.“ Mit den steigenden Infektionszahlen rolle ein riesiges Problem auf uns zu. Teichert sprach sich für ein bundesweites Freiwilligen-Register aus – eine Art Jobbörse, die im Ernstfall Mitarbeiter vermittle, die bereits geschult seien.
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Dagegen betonte der Sprecher des Gesundheitsministeriums in Hannover, es gebe keine Hinweise darauf, dass die Personalkapazitäten nicht ausreichen. Das RKI halte geschulte Scouts für Tests bereit. Der Krisenstab bereite sich auf alle Szenarien vor.
SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach schlug indes eine stärkere Konzentration beim Verfolgen von Infektionsketten vor. Statt jedem Einzelkontakt nach zu telefonieren, sollten sich die Ämter allein auf „Superspreader“ konzentrieren, sagte er dem „Spiegel“. Damit gemeint sind hochansteckende Infizierte, die bei Treffen bestimmter Gruppen oft zahlreiche Teilnehmer anstecken.
Viele lokale Ausbrüche
Nach Bayern und Baden-Württemberg gibt es derzeit auch im rheinischen Kleve und an der Küste lokale Corona-Ausbrüche. Dem Cuxhavener Landrat Kai-Uwe Bielefeld (parteilos) bereitet die wachsende Sorglosigkeit der Touristen an der Nordseeküste Sorgen. Cuxhaven ist das größte Seebad an der Nordseeküste. Wenn sich das weiter entwickele, müsse darüber nachgedacht werden, ob in bestimmten Bereichen das Tragen einer Maske zur Pflicht gemacht werde, mahnte er.
