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NWZonline.de Region

Deichbau allein reicht nicht mehr aus

07.01.2008

Terramare gehört jetzt zur Uni Oldenburg. Jürgen Rullkötter erläutert die Zukunftspläne des Instituts.

Von Jürgen Westerhoff

Frage: Die Universität Oldenburg ist Anfang des Jahres größer geworden. Das Wilhelmshavener Forschungszentrum Terramare ist nun ein Teil des von Ihnen geleiteten Instituts für Chemie und Biologie des Meeres (ICBM). Welche Folgen hat die Veränderung?

Rullkötter: Zunächst geht es um organisatorische Fragen. Terramare war bisher ein Verein mit der Aufgabe, die Meeresforschung in Niedersachsen zu koordinieren. Vereinsmitglieder waren neben der Uni Oldenburg u.a. das Senckenberg-Institut, das Institut für Vogelforschung und die Nationalparkverwaltung. Diese Institute und die anderen ehemaligen Mitglieder sollen im Rahmen gemeinsamer Forschungsarbeiten auch weiterhin die Infrastruktur mitnutzen. Darüber hinaus ist ein erheblicher Ausbau des Standorts Wilhelmshaven vorgesehen.

Frage: Was soll dort künftig geschehen?

Rullkötter: Terramare beschäftigt bei einem Jahresetat von einer Million Euro zurzeit zwölf permanente Mitarbeiter und eine ganze Reihe durch Drittmittel finanzierter Projektbeschäftigter. Künftig werden in Wilhelmshaven deutlich mehr Wissenschaftler tätig sein. Zu den bereits vorhandenen zwei wissenschaftlichen Arbeitsgruppen wird es zwei weitere geben.

Frage: Wie wird das finanziert?

Rullkötter: Die bisherigen Mittel für Terramare gehen an das ICBM. Außerdem erhält das Institut von der Landesregierung für den Ausbau von Meeresforschung und Meerestechnik künftig weitere drei Millionen Euro pro Jahr, mit denen neue Forschungsvorhaben finanziert werden können.

Frage: Woran wird konkret in Wilhelmshaven gearbeitet?

Rullkötter: Zwei Arbeitsgruppen werden sich mit Meeres-chemie und Geoökologie beschäftigen, zwei Fachgebieten, die es bisher schon bei Terramare gab. Zusätzlich wird die Arbeitsgruppe Planktologie von Oldenburg nach Wilhelmshaven verlagert. Außerdem wird die Nachwuchsforschergruppe „Impulse“, die sich mit den Methoden der mathematischen Modellierung u.a. mit dem Küstenzonenmanagement beschäftigt, in Wilhelmshaven angesiedelt.

Frage: Um welche Inhalte geht es bei der Forschung dort?

Rullkötter: Die Meereschemie kümmert sich zum Beispiel um den Nährstoffhaushalt im Wasser. Ein Aspekt dieser Thematik ist die so genannte Überdüngung. Die findet statt, wenn zu viele Nährstoffe in die flachen Küstengewässer gelangen, das Wachstum von Algen übermäßig fördern und durch die bakterielle Umsetzung der abgestorbenen Lebewesen zu viel Sauerstoff verbraucht wird. Die Geoökologen erforschen, was passiert, wenn sich Lebensräume für Organismen verändern. Ein großes Projekt in diesem Bereich ist eine Renaturierungsmaßnahme auf Langeoog. Dort hat man einen Sommerdeich weggenommen, und es entstehen neue Salzwiesen. Außerdem verfolgen die Geoökologen, was auf der Kachelotplate passiert – das ist eine neu entstandene Sandbank westlich von Juist, auf der sich schon erste Pflanzen angesiedelt haben. Die wissenschaftliche Begleitung der Entstehung einer neuen Insel werden wir künftig intensivieren.

Frage: Was bearbeiten die anderen beiden Forschergruppen?

Rullkötter: Die Planktologen kümmern sich um die Algen, von denen Muscheln und andere Kleintiere bis hin zu Fischen leben. Das ist wichtig, um den gesamten Nährstoffkreislauf und das Nahrungsnetz in der Nordsee und den Wattgebieten zu verstehen. Dieses Thema haben wir bisher in unserem Institut nicht bearbeitet. Dort wollen wir eine wissenschaftliche Lücke schließen. Gerade für diese Arbeitsgruppe ist die Nähe zum Meer sehr wichtig. Besonders zukunftsträchtig geht es bei der Forschergruppe „Impulse“ zu. Sie arbeitet auf einem Gebiet, das über die reine naturwissenschaftliche Forschung hinaus geht. Da geht es darum, unterschiedliche Dinge miteinander zu verbinden – beispielsweise das Umsetzen naturwissenschaftlicher Phänomene wie des Meeresspiegelanstiegs in konkrete Küstenschutzmaßnahmen.

Frage: Dabei geht es dann auch um aktuelle politische und gesellschaftliche Fragen?

Rullkötter: In der Tat. Konkret könnte in der Nachwuchsgruppe zum Beispiel mathematisch berechnet werden, was zu welchen wirtschaftlichen Bedingungen geschehen kann, wenn der Meeresspiegel so weit steigen würde, dass Deichbaumaßnahmen alleine die Küste nicht mehr sichern könnten. Dann müssten vielleicht bei Sturmfluten Ausweichflächen zur Verfügung stehen, in ein Teil des Meerwassers dann notfalls gelenkt werden kann. Insgesamt hat das Institut für Chemie und Biologie des Meeres mit seinem neuen Wilhelmshavener Bereich Terramare spannende Zukunftsthemen zu bearbeiten. Und bei einem weiteren Ausbau der Meeresforschung wird sich der Trend zur Küste fortsetzen.

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