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NWZonline.de Region

Fähre „frisia Ii“ Steckte Vor Juist Fest: An Bord der schwimmenden Ostfriesen-Falle

06.01.2016

Juist /Norddeich Eisiger Ostwind pfeift über die Insel Juist. Es ist bitterkalt.

Dick eingepackt stehen die Urlauber am Dienstagmorgen in aller Herrgottsfrühe mit Sack und Pack vor dem Fähranleger. Sie wollen nur noch weg von hier. Hunderte sitzen seit Tagen auf der Urlaubsinsel Juist fest – der plötzliche Wintereinbruch mit starkem Ostwind und Minusgraden hatte die Fährverbindung zum Erliegen gebracht.

Jetzt nur noch eben durch die Fahrkartenkontrolle. Nur noch? Bis zu anderthalb Stunden stehen die Urlauber an, bevor sie auf eines der fünf Schiffe gelangen, die sie mit Sonderfahrten nach Norddeich Mole bringen sollen. Zu lange, finden manche.

Das Zeitfenster für einen günstigen Wasserstand ist klein an diesem Morgen. Der Ostwind drückt das Wasser weiter raus als üblich, der Platz unterm Kiel des Schiffes mit 1,20 Meter Tiefgang wird knapp. Als die Fähre Frisia II mit rund 650 Urlaubern an Bord endlich als letztes Schiff ablegt, ist es laut Passagierberichten bereits 7.15 Uhr. Eine halbe Stunde später als geplant.

Robben als Gesellschaft

30 Minuten lang ist die Welt an Bord noch in Ordnung. Dann die Hiobsbotschaft: Das Schiff hat sich im Watt festgefahren – der Wasserstand in der Fahrrinne ist nicht hoch genug.

„Fünf bis zehn Minuten hat die Besatzung noch versucht, das Schiff frei zu fahren“, erinnert sich Rolf Hüffermann (67) aus Wildeshausen. Er ist mit seiner Frau Beatrice auf dem Rückweg aus dem Silvesterurlaub. Jetzt geht stundenlang gar nichts mehr. Warten auf das nächste Hochwasser am Dienstagabend. Ein paar Robben tauchen in Schiffsnähe auf. Man bestaunt sich jetzt wechselseitig.

„Wir haben gerade nette Leute aus Hannover kennengelernt“, sagt Hüffermann. Man kommt ins Plaudern, die Stimmung ist gut. Noch gibt es warme Bockwürstchen. Ein Zauberer ist zufällig an Bord. Er hält die Passagiere mit kleinen Tricks bei Laune. Ein Passagier aus Hannover vertreibt sich die Zeit mit einem Krimi. Bezeichnender Titel: Ostfriesenfalle.

Auch als Wasser und Bordverpflegung knapp werden, bleibt die Stimmung gelassen. „Die Crew macht einen super Job“, lobt Passagierin Katja Pietsch. „Das Service-Personal tut sein Bestes. Die können ja auch nichts dafür“, betont auch Insel-Urlauberin Kathrin Lührs (26).

„Druck auf Kessel“

Dass man die Frisia II, das Schiff mit dem größten Tiefgang, zuletzt auf die Reise geschickt hat, findet Kathrin Lührs jedoch „nicht so clever“. Die Reederei beschwichtigt. „Die Leute wollten alle runter von der Insel, da war richtig Druck auf dem Kessel“, sagt Fred Meyer, Sprecher der Reederei, auf NWZ -Nachfrage. „Wir haben ein kleines Zeitfenster gehabt.“ Am Ende hat es nicht ganz gereicht.

Am Nachmittag bringt ein anderes Schiff der Reederei drei Rettungssanitäter des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) mit 230 Decken und Babynahrung an Bord der Frisia II. „Sie sollen im Notfall helfen können“, sagt der Kreisbereitschaftsleiter des DRK Norden, Johannes Büscher. Der Einsatz sei mit der Reederei abgesprochen.

Zum Notfall kommt es jedoch nicht. Aus eigener Kraft ruckelt sich die Fähre am Abend wieder frei. Die Erleichterung an Bord ist groß. Aber nicht nur auf dem Schiff – sondern auch am Anleger in Norddeich.

Dort warten nämlich die Passagiere der ersten Schiffe auf ihre Koffer, die an Bord der Frisia II sind. Reederei und DRK kümmern sich derweil um sie. 500 Menschen hatte das DRK bereits am Montag in Norddeich versorgt, weil ein Intercity der Deutschen Bahn wegen vereister Oberleitungen in Ostfriesland steckengeblieben war.

Einige hatten sich in Hotels in der Stadt einquartiert. Engpässe bei den Unterkünften gebe es keine, sagt der Kurdirektor von Norden-Norddeich, Armin Korok. Und die Züge fahren inzwischen auch wieder.

Tobias Schwerdtfeger Leitung / Regionalredaktion
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Marco Seng Redakteur / Reportage-Redaktion
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