EMS-JADE - Millionen Menschen gehen bundesweit für den Klimaschutz auf die Straße. Auch in Ostfriesland und Friesland demonstrierten Hunderte beim Klimastreik. Das Bewusstsein für Umwelt- und Naturschutz ist groß. Davon profitieren die beiden großen Umweltverbände: Der Nabu Niedersachsen vermeldet 5000 Neueintritte im ersten halben Jahr, 650 sind es beim BUND Niedersachsen. Doch wie sieht es in Ostfriesland und Friesland aus? Wir haben die Umweltschützer vor Ort gefragt.

7000 Mitglieder zählt der Nabu Ostfriesland, der die Landkreise Wittmund, Aurich und Leer sowie die Stadt Emden umfasst. Mehr als 2000 sind im vergangenen Jahr hinzu gekommen. Das liegt an de professionellen Werbung, wie Geschäftsführer Jan Schürings erklärt. Der Naturschutzbund hat mit einer Agentur zusammengearbeitet. Studenten sind von Haustür zu Haustür gezogen und haben Mitglieder geworben.

'Das Interesse an Natur- und Umweltschutz ist deutlich größer geworden', bilanziert Schürings. 116 neue Mitglieder hat der Nabu Ostfriesland übrigens bis Mitte Juni verzeichnet - ganz ohne professionelle Werbung. Schürings ist froh über jeden Neuzugang. Jedes Mitglied stärke die Stimme für den Naturschutz. 'Man wird dann politisch anders wahrgenommen', erklärt der Biologe. Von den Mitgliedern sei aber nur ein kleiner Prozentsatz auch ehrenamtlich aktiv. Es sei schwer, junge Menschen fürs Ehrenamt zu gewinnen. Sie wollten sich nicht an die Ortsgruppen mit Jahreshauptversammlungen, Einladungen und Protokollen binden. 'Sie wollen lieber direkt aktiv werden - ohne die Vereinsmeierei, die aber wichtig ist', erklärt der 38-Jährige.


Der Nabu reagiert und ändert die Strukturen. Auf Borkum und in Moormerland gebe es bereits Arbeitsgruppen, die kein eigener Verein sind. 'Die Gruppen können etwas machen, haben aber nicht die ganzen Pflichten. Das wird auf einer höheren Ebene geregelt', betont Schürings. Auch Ronald Becker kennt das Ehrenamts-Problem. Seit gut zwei Jahren gibt es eine Nabu-Gruppe in Schortens. Becker ist ihr Sprecher und hat drei weitere aktive Mitstreiter. 'Mitglieder zu werben, ist das eine', sagt Becker. Sie auch zum Ehrenamt zu bewegen, das andere. Viele Mitglieder glaubten, es würde reichen, den Mitgliedsbeitrag zu bezahlen. Für große Aktionen ist die Nabu-Gruppe Schortens zu klein. Sie setzt daher auf Zusammenarbeit mit den Gruppen in Jever, Sande und Wilhelmshaven. Gemeinsam betreiben sie etwa eine Fledermaus-AG und reinigen Nistkästen.

'Es ist wie überall', fasst Hartmut Müller-Mangels, Vorsitzender der BUND-Kreisgruppe Friesland zusammen. Es sei schwierig, junge Leute für die ehrenamtliche Arbeit zu finden. 'Sie haben oft keine Zeit oder andere Dinge', erklärt Müller-Mangels.

Auch Rolf Runge kennt diese Probleme. Insbesondere Jugendliche wollten sich ungern binden, lautet die Erklärung des Vorsitzenden des Regionalverbandes Ostfriesland. In der Region gebe es zudem viele traditionelle Vereine. Kinder und Jugendliche würden eher Mitglied im Sportverein oder bei der Feuerwehr als im Umweltverband.

Wie viele Mitglieder der BUND in Ostfriesland hat, sagt Runge nicht. Er erklärt nur eines: 'Wir sind nicht unzufrieden.'