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NWZonline.de Region

Freispruch im Kirchweyhe-Prozess?

20.02.2014

Verden Die Verteidigung hat für den Angeklagten im Prozess um den gewaltsamen Tod eines 25 Jahre alten Mannes in Kirchweyhe Freispruch gefordert. Nach Überzeugung der beiden Strafverteidiger sind die Zeugenaussagen so widersprüchlich, dass eine Täterschaft ihres 21 Jahre alten Mandanten nicht mit Sicherheit bewiesen werden könne. Die Staatsanwaltschaft, die sechs Jahre Jugendstrafe gefordert hatte, habe unliebsame Aussagen ignoriert, kritisierten sie am Mittwoch in ihrem gemeinsamen Plädoyer vor dem Landgericht Verden.

Das Gericht hatte in mehr als 30 Verhandlungstagen rund 50 Zeugen befragt. Ursprünglich hatte die Anklagebehörde dem 21-Jährigen Mord vorgeworfen, war davon aber nach der Beweisaufnahme abgerückt und plädierte auf Körperverletzung mit Todesfolge. Die Kammer des Landgerichts musste klären, wie es zum Tod des 25-Jährigen im vergangenen März am Bahnhof der Gemeinde in der Nähe von Bremen kommen konnte.

Die Situation nach der Rückkehr einer Gruppe junger Leute mit einem gemieteten Bus aus einer Diskothek in Wildeshausen war unübersichtlich. Das Opfer schleuderte dem medizinischen Gutachten zufolge nach einem Tritt zu Boden und wurde dort noch einmal getreten. Durch eine peitschenartige Bewegung des Kopfes sei es zu einer tödlichen Gehirnblutung gekommen. Die Tat sorgte für bundesweites Entsetzen.

Schon bei den ersten polizeilichen Maßnahmen am Tatort habe es folgenschwere Fehler in den Ermittlungen gegeben, kritisierten die Verteidiger. Die Zeugen sollten gemeinsam in dem Bus warten, wo sie sich über die Tat unterhalten konnten. Das könnte zu den offensichtlich abgesprochenen Aussagen und Lügen vor Gericht beigetragen haben. Alle Beteiligten waren mindestens angetrunken.

Verschiedene Zeugen hatten vor Gericht sehr unterschiedliche Versionen vom Ablauf der Auseinandersetzung nach Ankunft des Busses in Kirchweyhe geschildert - mit und ohne Beteiligung des Angeklagten in unterschiedlichen Varianten. „Die Staatsanwaltschaft zieht Rosinen aus den Zeugenaussagen heraus, ohne auf die eklatanten Widersprüche einzugehen. So geht das nicht“, kritisierte die Verteidigung.

Der Hauptzeuge der Anklage sei nicht glaubwürdig. Das Vorgehen der Staatsanwaltschaft verstoße gegen die Ansprüche, die das Bundesverfassungsgericht an die Beweiserhebung stelle. Demnach müsse ein Schuldspruch auf einer tragfähigen Beweislage aufbauen.

Aus Sicht der Verteidiger habe es sich bei dem Streit um eine jugendtypische Auseinandersetzung gehandelt. Keiner der Beteiligten habe mit dem Tod des 25-Jährigen gerechnet.

Der Angeklagte sagte in seinem Schlusswort unter Tränen, dass er sich wegen der Ereignisse in Kirchweyhe schäme. „Ich werfe mir vor, dass ich mich nicht mehr herausgehalten habe.“ Er hatte sich im Prozess zur Sache nicht geäußert, während eines Haftprüfungstermins aber eingeräumt, an der Auseinandersetzung beteiligt gewesen zu sein und den 25-Jährigen mit dem Fuß getroffen zu haben, weil er auf dem schneeglatten Weg ausgerutscht sei.

Der Angeklagte war 2008 wegen Körperverletzung zu Jugendarrest verurteilt worden. Er hat keinen Schulabschluss. Wegen Entwicklungsdefiziten des zum Tatzeitpunkt 20-Jährigen hatte die Staatsanwältin eine Verurteilung nach Jugendstrafrecht gefordert.

Das Urteil soll am kommenden Mittwoch gesprochen werden.

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