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Gesprengte Geldautomaten im Nordwesten Niederlande als Vorbild – So können sich Geldinstitute schützen


In den vergangenen Monaten kam es in der Region immer wieder zu Geldautomatensprengungen – wie hier in Edewecht im Ammerland. 
Sascha Stüber

In den vergangenen Monaten kam es in der Region immer wieder zu Geldautomatensprengungen – wie hier in Edewecht im Ammerland.

Sascha Stüber

Im Nordwesten/Groningen - In den vergangenen Monaten kam es im Nordwesten immer wieder zu Sprengungen von Geldautomaten. Auffällig dabei: Es gab enge Verbindungen in die Niederlande. In unserem Nachbarland hat sich in puncto Sicherheit in den vergangenen Jahren einiges getan. Weichen die Täter deswegen verstärkt nach Deutschland aus? Wir haben nachgefragt.

Wie ist die aktuelle Situation in den Niederlanden und im Grenzbereich?

Die Polizei Midden-Nederland teilt auf Nachfrage mit, dass es in der gesamten Provinz Groningen in diesem Jahr keine Geldautomatensprengungen gegeben hat. „In den vergangenen Jahren haben die Banken in Zusammenarbeit mit der Polizei zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen gegen Diebe ergriffen“, heißt es. Daher seien die Erfolgsaussichten in den Niederlanden drastisch gesunken, infolgedessen seien dort nun auch weniger Sprengstoffrazzien nötig. Im Jahr 2019 lag die Gesamtzahl der Sprengstoffanschläge auf Geldautomaten in den Niederlanden bei 83.

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Die Polizeidirektion Osnabrück erklärt auf Nachfrage, dass es in ihrem Direktionsbereich in diesem Jahr bis dato „sieben Sprengungen von Geldautomaten“ gegeben hat – und zwar in Bad Bentheim, Lingen, Nordhorn, Osnabrück, Twist, Holtland und Melle. Im Jahr 2021 waren es zehn. Erst in der vergangenen Woche war in Ganderkesee (Landkreis Oldenburg) ein Geldautomat gesprengt worden, die Polizei hatte sich eine filmreife Verfolgungsjagd mit den mutmaßlichen Tätern geliefert. Im September hatte es in Wildeshausen einen Sprengstoffanschlag auf Geldautomaten gegeben – der zweite innerhalb eines Jahres. Auch in den Kreisen Aurich, Ammerland, Cloppenburg, Diepholz, Leer und Vechta gab es aufsehenerregende Fälle.

Welche Schutzmaßnahmen wurden in den Niederlanden getroffen?

Umfangreiche Sicherungsmaßnahmen der niederländischen Banken haben unter anderem dazu beigetragen, dass die Täter vermehrt im Nachbarland Deutschland Angriffe auf Bankautomaten verübt haben, teilt die Polizeidirektion Osnabrück mit. Die niederländischen Geldautomatenbetreiber haben in den vergangenen Jahren in enger Zusammenarbeit mit der Polizei sukzessive umfangreiche Präventionsmaßnahmen umgesetzt, beispielsweise die Installation von Systemen zur Gasneutralisation und Banknoteneinfärbung, die Nachrüstung mechanischer Sicherungen sowie die nächtliche Schließung von Filialen beziehungsweise die technische Abschaltung von Geldautomaten zur Nachtzeit. Dieser Verdrängungseffekt schlägt sich ebenfalls in der räumlichen Verteilung der Tatorte in Deutschland nieder, heißt es weiter.

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Julian Reusch Ganderkesee

Der „Nederlandse Vereniging van Banken“ (Niederländischer Bankenverband) teilt auf seiner Website dazu mit: „Banken investieren zweistellige Millionenbeträge in Maßnahmen, die darauf abzielen, den Einbruch scheitern zu lassen, das Geld unbrauchbar zu machen und die Chance zu erhöhen, dass Täter erwischt werden.“ Damit sich Täter nicht darauf einstellen können, machen die Banken keine weiteren Angaben zu den Sicherheitsmaßnahmen.

Wo gibt es hierzulande noch Verbesserungsbedarf?

„Die Anzahl der Geldautomaten ist in Deutschland deutlich höher als in den Niederlanden“, heißt es vonseiten der Polizeidirektion Osnabrück. Den Tätern gehe es „einzig und allein um das schnelle Geld“. Als erste Sofortmaßnahmen müssten aus polizeilicher Sicht die besonders gefährdeten Geldautomaten – etwa freistehende – mit Einfärbesystemen zur Banknoten-Neutralisation ausgestattet werden. Weitere Maßnahmen, die flächendeckend in Betracht kämen, seien die Verringerung der Anzahl der Geldautomaten, eine Verringerung des Bargeldbestandes, eine Aktualisierung alter Geldautomaten-Typen, die Installation von Antigasvorrichtungen, Vernebelungstechniken und hochauflösenden Überwachungskameras sowie die Etablierung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs.

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Bei diesen Maßnahmen handelt es sich laut der Polizeidirektion Osnabrück um „bundeseinheitliche Empfehlungen der Polizei für Betreiber von Geldautomaten, die durch eine Projektgruppe der Kommission Polizeiliche Kriminalprävention (KPK) unter Beteiligung der Dachverbände der Kreditwirtschaft erarbeitet und seit 2019 an die Kreditinstitute herangetragen werden“. Die Umsetzung dieser Empfehlungen sei allerdings nicht verpflichtend, sondern obliegt den jeweiligen Betreibern der Geldausgabeautomaten.

„Bei der Bekämpfung von Geldautomatensprengungen in Deutschland liegt der Schlüssel zum Erfolg in einer engen Zusammenarbeit von Polizei und Justiz auf europäischer Ebene. Das haben unsere Ermittlungserfolge eindeutig bewiesen“ , erklärt Polizeipräsident Michael Maßmann.

Sabrina Wendt
Sabrina Wendt Newsdesk
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