Oldenburg - Fahren wir Norddeutschen für eine Urlaubsreise in die Tropen, spüren wir die anderen klimatischen Bedingungen, sobald wir aus dem Flugzeug aussteigen. Das haben wir uns dann aber auch bewusst für die Dauer der Reise so ausgesucht. Steigt an unserem Heimatort die Temperatur in ungewohnte Höhe, gestaltet sich die Lage anders. Wie reagiert unser Körper auf lange Sicht auf steigende Temperaturen? Und wie können wir vorsorgen?
Zwei bis drei Grad Unterschied sind kein Problem
Der Oldenburger Allgemeinmediziner Prof. Dr. Michael Freitag sagt, dass die meisten Menschen es tolerieren, wenn es zwei oder drei Grad wärmer oder kälter wird. „Bei größeren Temperaturschwankungen sieht es anders aus. Vor allem vulnerable Gruppen wie Babys oder ältere Menschen sind dann besonders betroffen und sollten viel trinken und sich bei Hitze im Schatten aufhalten.“
Was bei Hitze im Körper passiert
Ist der Körper großer Hitze ausgesetzt, braucht er mehr Flüssigkeit: „Der Körper schwitzt, um die Körpertemperatur zu regeln. Denn wenn diese über 40 Grad geht, werden unsere Zellen zerstört.“ Der Verlust an Flüssigkeit muss anschließend ausgeglichen werden. Empfohlen werden rund zwei Liter am Tag. Es gibt auch eine Faustregel bei Fieber: „Pro Grad sollten Betroffene etwa einen Liter zusätzlich trinken“, erklärt Freitag. Es reiche ansonsten aus, ab und an etwas zu trinken. Ob genug getrunken wurde, könne auch am Urin in etwa bestimmt werden. „Ist dieser besonders gelb, sollte mehr getrunken werden, sodass dieser wieder hellgelb bis klar ist.“ Bei Babys sollte die Windel mehrmals am Tag ordentlich nass sein.
Körperliche Verfassung und Resilienz
Damit sich der Körper besser auf die Temperaturschwankungen einstellen kann, empfiehlt Freitag, die allgemeine körperliche Verfassung zu stärken. Dadurch werden auch das Immunsystem gestärkt und die Abwehrkräfte erhöht. Dies gelinge „etwa durch Sport, gesunde Ernährung und genügend Schlaf“. Wichtig sei auch die Resilienz, also die Stressresistenz und der Umgang mit äußeren Einflüssen. „Die Veranlagung dazu kann in den Genen liegen. Auch kann sie sich während des Lebens gebildet haben. Die gute Nachricht: Wie ein Muskel lässt sich auch die Resilienz trainieren“, betont Freitag. Beispielsweise helfe es, viel Zeit in der Natur zu verbringen. Menschen auf dem Land hätten eine ganz andere Verbindung dazu als Menschen in der Stadt. Viele Probleme der Menschen resultierten daraus, dass sie den ganzen Tag in Büros sitzen. Hilfreich sei auch, sein Leben nicht zu luxuriös zu führen und unabhängig vom Wetter raus zu gehen oder kurz zu frieren und sich dann wieder zu schützen.
Gefahr von tropischen Krankheiten wie Malaria
Eine mittel- bis längerfristige Gefahr der höheren Temperaturen ist laut Freitag, dass nicht einheimische Krankheiten wie beispielsweise Malaria sich auch in Nordeuropa ausbreiten könnten, weil sich bestimmte Insekten nach Norden hin ausbreiteten.
Tropische Temperaturen im Klimahaus Bremerhaven selbst erfahren
Wie sich tropische Temperaturen anfühlen, können Besucher des Klimahauses in Bremerhaven am eigenen Leib erfahren. „Dies ist alles zeitlich sehr begrenzt, aber die Weltreise durch die verschiedenen Zonen ist manchmal schon eine kleine Herausforderung für einige Gäste“, berichtet Werner Köhler, der die Besucherinnen und Besucher seit Jahren durch das Klimahaus führt. Die Menschen können hierbei die Form von Stress, die Hitze für den Körper bedeutet, in einem zeitlich überschaubaren Rahmen kennenlernen. „Es geht darum zu zeigen, dass durch die Erwärmung der Erdatmosphäre immer mehr Energie im Spiel ist, die sich bei Stürmen auch immer heftiger entlädt“, erklärt Köhler.
Der Klimawandel solle eben nicht abstrakt, sondern ganz konkret mit seinen Auswirkungen für den Alltag gezeigt werden. „Die Reise ist da ein sehr zweckmäßiges Mittel, sie zeigt richtige Geschichten. Dies ist verständlicher, als wenn ausschließlich Zahlen und Statistiken gezeigt werden“, sagt Köhler. Selbstverständlich werden jedoch auch wissenschaftliche Erkenntnisse vermittelt.
Bevor es jedoch auf die Weltreise durch die Klimazonen geht, wird den Gästen empfohlen, ihre Garderobe abzulegen und darauf zu achten, genügend zu trinken. „Es ist schon so, dass manche Gäste fragen, ob wir einen Schritt schneller gehen können, weil es ihnen zu heiß ist, da gehen wir auch drauf ein. Zudem gibt es immer andere Ausgänge, um auf dem schnellsten Weg rausgehen zu können“, berichtet Köhler. Zudem könne das Klimahaus auch in Eigenregie besichtigt werden, dann kann jeder Gast sein Tempo selber wählen.
Für die Zukunft glaubt Köhler, dass Wasser das größte Problem werden wird: „Wasser ist Leben: Genügend Wasser in ausreichender Qualität ist wichtig, um gesund zu bleiben.“

