GöTTINGEN - Ein vermeintlicher Kieferchirurg mit zwei falschen Doktortiteln ist am Göttinger Universitäts-Klinikum entlarvt worden. Der 43-Jährige verschaffte sich mit gefälschten Papieren eine Stelle in der Abteilung für Kieferchirurgie, sagte am Mittwoch der Sprecher der Universitätsmedizin, Stefan Weller.
Der Schwindel flog auf, weil den Kollegen schnell auffiel, dass der Mann nicht über ausreichende ärztliche Fähigkeiten verfügte. Patienten seien nicht zu Schaden gekommen. Die Polizei habe inzwischen Ermittlungen aufgenommen, sagte ein Sprecher.
Der falsche Chirurg legte bei seiner Bewerbung als Assistenzarzt eine ärztliche Approbationsurkunde, zwei Urkunden über Doktortitel als Arzt und Zahnarzt sowie eine Bescheinigung eines früheren Arbeitgebers vor. Dabei habe es sich um ein großes Krankenhaus in Niedersachsen gehandelt. Die Papiere wirkten ausnahmslos seriös und echt. Deshalb habe zunächst niemand Verdacht geschöpft.
Während der Einarbeitungsphase des 43-Jährigen zu Beginn dieses Jahres sei Ärzten auf der Station aber schnell aufgefallen, dass der Mann nicht über die erforderliche ärztliche Kompetenz verfügte. Er habe deshalb Patienten nie alleine behandeln und während der vier Wochen, die er im Klinikum beschäftigt war, nicht ein einziges Mal operieren dürfen.
Als das Misstrauen immer größer wurde, wurden die Bewerbungspapiere des Mannes und die Urkunden noch einmal genauer untersucht, sagte Weller. Es stehe inzwischen fest, dass es sich dabei durchweg um Fälschungen handelt.
Der 43-Jährige wurde fristlos entlassen. Das Gehalt, das das Klinikum dem falschen Arzt überwies, habe der Mann inzwischen zurückgezahlt. Auf ihn wartet jetzt ein Verfahren wegen Betruges, Urkundenfälschung und Missbrauchs von Titeln.
