GORLEBEN/BERLIN - GORLEBEN/BERLIN/DPA - Zum geplanten Standort für ein Atommüllendlager im niedersächsischen Gorleben wird nun möglicherweise doch nach Alternativen in anderen Bundesländern gesucht. Bei einem ersten Treffen mit Spitzenvertretern der Stromkonzerne RWE, Eon, Vattenfall und EnBW am vorigen Dienstag in Berlin habe Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) dies erstmals in Aussicht gestellt, bestätigte Gabriels Sprecher Michael Schroeren. Schroeren sagte, die Große Koalition wolle in dieser Legislaturperiode zu einer Lösung der sicheren Endlagerung von Atommüll kommen.

Bisher lehnt die SPD Unionsforderungen strikt ab, sich für Gorleben zu entscheiden. Medienberichten zufolge will die Regierung, dass die Stromkonzerne bei der Suche nach Alternativstandorten für die geschätzten Kosten von 120 Millionen Euro – etwa für Probebohrungen in anderen Bundesländern – aufkommen. Erst wenn es keine bessere Lösung als Gorleben gebe, wäre Gabriel bereit, dort ein Endlager zu akzeptieren, hieß es.

In dem Gespräch ging es auch um die Restlaufzeiten von Kernkraftwerken. RWE und EnBW wollten in den kommenden Wochen für mindestens zwei Atomkraftwerke längere Laufzeiten beantragen. Nach dem Energiegipfel im April hatte die Wirtschaft wieder neue Hoffnung auf längere Laufzeiten für ihre Atomkraftwerke geschöpft.

SPD-Bundestagsfraktionsvize Ludwig Stiegler sagte am Sonnabend, die Restlaufzeiten der Atomkraftwerke dürften nicht verlängert und neue Reaktoren nicht gebaut werden. Einen Sinneswandel werde es bei der SPD nicht geben. Der bayerische SPD-Landesverband, dessen Vorsitzender Stiegler ist, verabschiedete auf einem Kleinen Parteitag in Nürnberg eine entsprechende Resolution.