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NWZonline.de Region

Repair Café: Tüftler regen zur Nachhaltigkeit an

12.06.2014
NWZonline.de NWZonline 2015-07-23T14:25:01Z 280 158

Repair Café:
Tüftler regen zur Nachhaltigkeit an

Oldenburg „Ich weiß gar nicht, was die genau machen soll. Sieht aber gefährlich aus.“ Hilmar Froelich greift nach einem seltsam anmutenden Gerät, bei dem es sich offenbar um eine Nähmaschine handelt. Vorsichtig tastet er an der Spule entlang. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass die funktioniert, ich weiß aber noch nicht wie.“ Die Maschine ist nur eines von vielen Elektroteilen, die der 73-Jährige beim „Repair Café“ zu Gesicht bekommt – einem Treffpunkt für Menschen, die kaputte Sachen reparieren lassen möchten. Das Besondere: „Man kann und soll bei uns selbst mit Hand anlegen und Dinge wieder schätzen lernen“, sagt Mitorganisatorin Viola Fetz. Initiiert wurde das Projekt von Niko Paech, Außerplanmäßiger Professor für Produktion und Umwelt (PUM) an der Universität Oldenburg.

Repair Cafés: Orte der Hilfe zur Selbsthilfe

Repair Cafés sind Orte, an denen Menschen lernen sollen, sich bei kleineren Defekten an Geräten, Textilien etc. selbst zu helfen. Zur Seite stehen ihnen ehrenamtliche Reparateure.

Ziel ist es, nicht nur mit einem wieder funktionsfähigen Gegenstand nach Hause zu gehen, sondern dabei selbst zu lernen und zu erfahren, wie dieser repariert wird.

Das Oldenburger Repair Café findet regelmäßig jeden ersten Sonnabend im Monat im Klub Polyester statt. An jedem Termin sollen unterschiedliche Bereiche abgedeckt werden: beispielsweise Fahrräder, Textil oder Elektrogeräte.

Rund um den Garten dreht sich alles beim Repair Café-Sonder-Termin am 12. Juli, ab 10 Uhr in der Grünen Schule im Botanischen Garten in Oldenburg. Ab August macht das Repair Café-Team Sommerpause.

Das Reparatur-Team ist auf der Suche nach Unterstützung. Wer Interesse daran hat, mitzuhelfen, kann sich auf der Website der Veranstalter melden. Eine spezielle Ausbildung ist nicht erforderlich. 

Mehr Informationen unter

Mehr Informationen unterwww.repaircafeoldenburg.org

Fetz und fünf Kollegen veranstalten den Treff seit September vergangenen Jahres an jedem ersten Sonnabend im Monat. Dieses Mal sind Fahrradbastler, Elektriker und Näher vor Ort – alle arbeiten ehrenamtlich. Der Grundgedanke: „Die Leute sollen wieder lernen, dass man nicht alles wegwerfen muss“, erklärt Fetz. Das Konzept scheint aufzugehen: Dicht an dicht drängen sich die Besucher im Klub Polyester. Ein paar haben es sich auf einer Couch bei Kaffee und Kuchen gemütlich gemacht. Die Sonne strahlt durchs Fenster, im Hintergrund läuft leise Musik. Drumherum stehen ein paar Tische, Stühle und eine zur Fahrradwerkstatt umfunktionierte Bühne.

Wegwerfgesellschaft

„Brauchst Du noch Hilfe?“ Peter sucht nach einem Schraubenzieher, während sein Kumpel und Fahrradbastler Thomas an der Gangschaltung eines Rennrads tüftelt. „Das ist ’ne Fummelarbeit.“ Noch einmal zurrt Thomas am Zug der Gangschaltung – sitzt. Das Rad ist wieder startklar, doch zum Verschnaufen bleibt keine Zeit.

„Mein Licht flackert, und die Bremse klemmt.“ Nina Kreitsmann stellt ihr Hollandrad ab. Der Lack glänzt, am Lenker baumelt eine Blumenkette. Thomas riskiert einen Blick, die Arme stützt er lässig auf dem Sattel ab, das Käppi verdeckt einen Teil seines Gesichts. „Dafür brauche ich eine Zange. Thomas klappt seinen Werkzeugkasten auf. „Hältst Du mal eben hier fest?“ Nina greift nach dem Lenker, während Thomas die Pedale dreht – das Rücklicht bleibt dunkel, das Vorderlicht flackert. Diagnose: „Die Kabel sind falsch herum angeklemmt, das kann nicht gehen.“ Thomas schließt die Kabel richtig an und betätigt den Bremszug – funktioniert. Bleibt noch das Rücklicht: Die Vorrichtung ist locker. Vorsichtig löst er die Lampe vom Rahmen, justiert sie richtig und schraubt alles wieder fest. In der Zwischenzeit hat sich Nina mit einem kühlen Getränk versorgt. Die Sonnenbrille hat sie sich ins Haar gesteckt. „Ich mache jetzt eine Testfahrt.“

Während Nina ihr Fahrrad testet, schnappt sich Laura Hesse Nadel und Faden und kramt ein Kleidungsstück aus Seide hervor. „Ist nur ein kleines Loch, aber der Stoff ist teuer, das schmeißt man nicht einfach weg“, sagt sie und rückt ihre Brille zurecht. Zum ersten Mal hilft die 20-Jährige im Repair Café aus – heute ist aber nicht viel los. „Ist eher Elektro- und Fahrradtag“, sagt sie und näht weiter. „Was macht das denn jetzt?“ Nina Kreitsmann hat die Testfahrt beendet und kramt ihr Portemonnaie hervor. Dass ihr Drahtesel so schnell wieder fahrbereit ist, hätte sie nicht gedacht. Eigentlich hatte Nina schon in eine Werkstatt fahren wollen, doch „meine Tante hat mir gesagt, fahr doch hierher, die reparieren alle möglichen Dinge“. Ob sie zufrieden ist? Nina lacht. „Klar, mein Rad ist heile, die Atmosphäre gefällt mir, und so viel Geld hat man für Reparaturen auch nicht über. Hier wird mir auch alles erklärt“, sagt sie, kramt ein paar Münzen hervor und gibt sie Thomas. Ein Konkurrent für Werkstätten möchte das Repair Café allerdings nicht sein.

„Wenn ein Teil kaputt ist, schicken wir die Leute zu Fachleuten. Die Ersatzteile, die wir hier verbauen, müssen sie auch selber kaufen“, erklärt Fetz.

Technik-Museum

Ein lautes Surren durchbricht die Stille – Horst Sander und Hilmar Froelich überprüfen einen Mixer. „Die Kohlekontakte sind heile, den kann man gefahrlos anschließen“, sagt Froelich – seine Erfahrung hilft ihm bei der Fehlerdiagnose. „Ich habe Elektriker gelernt“, sagt er. Seit Juli hilft er im Repair Café aus. Sein Kollege Horst Sander ist schon seit Februar dabei. Er war früher Tischler, im Herzen hat er allerdings die Elektrik: „Ich bin besser mit dem Lötkolben als mit einer Kreissäge“, sagt er. Dem Duo sind schon einige kuriose Geräte auf den Tisch gekommen. „Defekte Strahler, Staubsauger, Mixer, alte Radios und viel Kleinkram“, sagt Froelich.

Am Ende des Tages verstaut Laura Nadel und Faden. Hilmar Froelich packt Stecker und Stromleisten ein. Auch die Nähmaschine wurde abgeholt – wie genau sie funktioniert, bleibt allerdings weiterhin ihr Geheimnis.