Oldenburg - Milcherzeuger stehen infolge immer stärker steigender Energiepreise unter einem extremen Kostendruck. Darauf weisen Experten der Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen mit Sitz in Oldenburg hin. Die Auswirkungen des Ukraine-Krieges seien bereits spürbar.
43 Cent pro Kilo
Die Entwicklung trifft die Landwirte hart. Das Jahr 2022 hatte für die gebeutelte Milchvieh-Branche verhältnismäßig gut begonnen. Bei der Molkerei Ammerland bekamen die Landwirte im Februar 43 Cent für ein Kilogramm Milch. Das waren zehn Cent mehr als vor einem Jahr. Hauptgrund laut LWK: das global begrenzte Angebot. Der Rohstoffwert der Milch erhöhte sich sogar noch weiter: im Februar auf mehr als 56 Cent pro Kilogramm. Damit lag er so hoch wie nie zuvor, meldete das Institut für Ernährungswirtschaft Kiel (ife). Es herrschte vorsichtiger Optimismus auf den 8106 Milchbauernhöfen im Land.
Rund 798 300 Milchkühe werden in Niedersachsen gehalten. Landwirte arbeiten dafür auf circa 8100 Milchbauernhöfen im Land. Pro Betrieb leben im Durchschnitt somit 98,5 Milchkühe auf einem Milchvieh-Hof, melden das Statistische Bundesamt und DRV Milch mit Stand November 2021.
Doch die steigenden Energiepreise – auch, aber nicht nur aufgrund des Ukraine-Konflikts – machen dem Gewerbe einen Strich durch die Rechnung. Derzeit wird ein Großteil der Erlöse durch die explodierenden Energie- und Futterkosten sowie steigende Düngemittelpreise aufgezehrt, erklärte letzte Woche die Landwirtschaftskammer. Die Effekte seien in der Futterwirtschaft, im Ackerbau, in der Nutztierhaltung zu beobachten. „Bei der Grundfuttergewinnung machen im Maisanbau die Treibstoffkosten in Abhängigkeit von der Erntemenge normalerweise um die 140, 150 Euro je Hektar aus“, sagt Dr. Albert Hortmann-Scholten, LWK-Leiter des Fachbereichs Betriebswirtschaft, Markt und Unternehmensberatung. Aber „momentan müssen Futterbaubetriebe mit Dieselkosten von circa 300 Euro je Hektar rechnen“.
Teures Tierfutter
Auch Detlef Kreye, Vorsitzender des Kreislandvolkverbands Oldenburg, schlug Alarm: „Wenn die Energiepreise so hoch bleiben, werden sich alle Rohwaren wie Futter, Dünger und andere Produktionsmittel verteuern.“ Auch Preise für Nahrungsmittel sowie für Strom aus Biogasanlagen und andere Nebenprodukte könnten ansteigen, so der Fachmann. Die LWK in Oldenburg bestätigt: Die Kostenexplosion bei notwendigen Mineraldüngemitteln könnte noch stärker ausfallen und sei momentan kaum zu quantifizieren.
Die Kammer kommt zu dem Fazit: Sollten die Preisniveaus so bleiben, würden sich kostendeckende Milcherzeugerpreise 2022 bei einigen Betrieben schätzungsweise „in einem Korridor zwischen 52 und 57 Cent je Kilogramm Milch bewegen“ – das ist ein Unterschied von 9 bis 15 Cent zum jetzigen Preis.
