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NWZonline.de Region

Stillhalten und dem Wind folgen

13.11.2017

Hooksiel Es ist die spürbare Freiheit und die Weite des Meeres, die uns in Bann zieht, wenn wir auf die Nordsee blicken und die vielen Schiffe sehen. Oft möchte man einfach hinter ihnen herschwimmen und ins Unbekannte fahren. Es gibt die Kategorie Mensch, die ein eigenes Schiff haben wollen, weil es genau diese Lebensvorstellung hat. Und dann gibt es die Kategorie Mensch, die kein geeignetes Schiff findet, es lieber selber baut und gleich noch die Werft dazu kauft. „Der Spaß daran hat aber meistens gar nichts mit dem Boot zu tun, sondern mit den unterschiedlichen Menschen, mit denen wir zu tun haben“, erzählt uns Burkhard Kähler.

Viel Betrieb vor Saison

Hooksiel, nähe Außenhafen. Frühling, die Sonne scheint. Ein ziemlich perfekter Tag. Wir besuchen die Werft von Hooksiel im Wangerland an der Nordsee. Wir treffen Burkhard Kähler, dem die Werft gehört. Es ist gar nicht so leicht, ihn zwischen den ganzen Booten zu finden. Und wir sind nicht allein. Werftarbeiter bauen und schleifen an Schiffen herum; einige Schiffseigner holen ihre Boote aus dem Winterschlaf. Hier ist richtig was los, die Zeit läuft. Die Segelsaison steht vor der Tür und jeder will bis dahin fertig sein. Nein, hier geht es nicht um Schönheit. Zumindest nicht primär. Wer hier sein Schiff instandsetzen oder umbauen lässt, zerbricht sich erst einmal den Kopf über Material, Materie und Preis, erst dann über die Ausstattung. Dass das eigene Schiff in der besten Werft im Wangerland steht, mit Vollpension und Rundumbetreuung – logisch. Das erwartet der Schiffseigner. Aber so selbstverständlich ist das gar nicht.

Burkhard Kähler ist seit 40 Jahren auf der Werft in Hooksiel. 30 Jahre davon hat er selbst Schiffe gebaut, heute stehen Instandsetzung, Reparaturen und Unterkunft auf der Tagesordnung. Eigentlich ist er Kaufmann und kein Bootsbauer. Aber er hat sehr früh verstanden, dass alles möglich ist, wenn man die richtigen Leute um sich hat, die ihm mit Leidenschaft zur Seite stehen, um Schiffe zu bauen, zu reparieren und in Pflege zu nehmen.

Auf dem Meer existiert keine Vollgas-Gesellschaft. Jeder Mensch, der ein Boot hat, ist anders und reagiert anders. Der Mensch darf stillhalten, lauschen und segeln, wohin er will. Klingt langweilig? Keinesfalls. Sobald ein Sturm kommt, fliegen die Fetzen! Und mit den Kunden ist es manchmal auch so.

Wie kommt man dazu, eine Werft zu betreiben? „Jede Geschichte hat ihren Anfang, und wir wollten privat das ideale Schiff bauen lassen. Wir hatten Zeichnungen, aber keine Werft konnte uns dieses Schiff bauen. Und da dachten wir, dann machen wir das eben selbst“, erzählt uns Burkhard. Weiter verrät er uns, dass er, bevor er endlich sein eigenes Schiff bauen konnte, sieben weitere Boote abwarten musste – erst sollte etwas Geld in die Kassen. Interessenten von überall bekamen davon Wind und so kam ein Auftrag nach dem anderen rein. Da musste der Traum vom eigenen Boot etwas warten.

Seine Töchter reiten, seine Frau fliegt Kleinflugzeuge und er selbst liebt schöne Autos. Das eigene Boot gibt es nicht mehr. Er hat es verkauft. Burkhard Kähler ist einer von diesen Typen: Idealist, Visionär, Rebell und Querdenker. Einer von denjenigen, die sich in kein Schema pressen lassen und die Dinge gerne anders sehen – aber dabei tiefenentspannt sind. Einer der lässigen Typen mit Familie, die Freundschaften und Menschen schätzen, die zuhören und Geschichten zu erzählen haben. Burkhard Kähler hat sich das große Herz eines Kindes bewahrt, jene kindische Verrücktheit und Freude an schönen Dingen.

Viele Anekdoten

„Eines Tages wurde eine Familie aus Bayern reingeschleppt. Der Mann hatte sich das Bein gebrochen, eine Frau mit zwei kleinen Kindern war völlig überfordert und das Boot selbst war auch nicht im allerbesten Zustand. Sie wollten nach einer Reparatur wieder raus auf die Nordsee, was viel zu gefährlich war. Wir haben hier wirklich alles versucht, um sie aufzuhalten, aber vergebens. Sie sind losgesegelt“, erzählt uns Burkhard. Sind sie angekommen? „Keine Ahnung“. Es gibt so viele von diesen Geschichten, dass die Zeit nicht ausreicht. Alle spannend, alle. Wir hätten stundenlang in seinem Büro sitzen können. Auch das ist etwas ganz Besonderes. Nicht einfach nur Designerstuhl und Designertisch und fertig. Nein, die Hälfte seines Büros ist ausgebaut wie der Innenraum eines Schiffes. Aus echtem Holz und Leder und mit einer Bar. Hier wurde schon viel Geschichte geschrieben. Ein Traum für jeden, der Schiffe liebt. Und voller Emotionen.

In dieser Ð -Seriestellen wir in einem Gemeinschaftsprojekt mit der Wangerland Touristik echte Typen und originelle Menschen am Meer vor. Die Serie erscheint 14-tägig in der NWZ und ist auch als Multimedia-Reportage im Internet verfügbar.


  www.luvundlue.de 

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