Horum - Wer es bis dahin nicht wusste oder wahrhaben wollte: Platt, also das Niederdeutsche, war die erste Sprache der Teutonen. Das hörten die zahlreichen Teilnehmer am Klönschnackabend an diesem Sonntagabend in der Alten Molkerei in Horum aus dem Munde von Professor Dr. Marron C. Fort, dem wohl versiertesten Experten für plattdeutsche Idiome.
Der in Leer lebende Afroamerikaner sprach wie üblich kaum ein Wort Hochdeutsch, dafür machte er immer neue Ausflüge in die verschiedenen Platt-Arten während seines Vortrages über das Psychogramm des Plattschnackens und zeigte die vielen Probleme für das Bewahren dieser Regionalsprache auf. Das beginne bereits mit dem Fehlen einer Schriftsprache, so dass jeder seine Ausformung schreibe. Andererseits sei ein Standard-Platt ähnlich Luthers Einheitsdeutsch durch die Bibelübersetzung auch nicht dienlich.
Dichtung sei auf Platt allerdings etwas schwierig und es habe auch keine Minne im Niederdeutschen gegeben, denn mit dem Emotionalen hapere es, wenn ein Heiratsantrag auf Platt etwa laute: Wullt wi nich de Plünnen tosamen smieten?! Aber immerhin sei Niederdeutsch das erste Deutsch gewesen und ein Viertel der skandinavischen Sprachen beruhe auf der einst in Europa weit verbreiteten Universalsprache der Hanse-Zeit.
Sehr bedauerlich sei, dass insbesondere die Ostfriesen das 2000 Jahre alte Ur-Freesk verloren haben und auch ansonsten Plattdeutsch für viele nur noch Folklore sei. In einem kleinen und sehr launigen Streifzug durch seinen Werdegang als Sprachwissenschaftler schilderte der 73-Jährige, wie er einst über das Platt von Vechta promovierte und viele Jahre als Akademischer Oberrat an der Universität Oldenburg lehrte.
Immer wieder verfiel er in die verschiedensten Platt-Arten und sagte über die Wirkung in einschlägigen Kreisen: Wenn ich zehn Minuten Platt schnacke, vergessen die Leute, dass ich aussehe wie ein karibischer Bananenpflücker! - offensichtlich eine Anspielung auf seine Ähnlichkeit zu Harry Belafonte. Den begeisterten Zuhörern gab er schließlich einen dringenden Rat zur Rettung des Niederdeutschen mit auf den Weg: Snackt dat miteinanner, leev Lüü!
