IM NORDWESTEN - Die Anbindung vom Land in die Stadt mit dem öffentlichen Nahverkehr ist manchmal eine Herausforderung. An einigen Tagen geht alles gut, an anderen verspätet sich ein Zug und man bekommt die Anschlüsse nicht – eine Geduldsprobe. Am vergangenen Samstag habe ich den Test gemacht. Die Strecke: Middels–Bremen und wieder zurück.
Bevor es losgeht, suche ich auf der Internetseite der Bahn nach günstigen Tickets. Für den Hin- und Rückweg werden 24,10 Euro fällig. Alternativ kann ich auch mit dem Niedersachsen-Ticket fahren. Das kostet 24 Euro – zehn Cent gespart. Ich bin zwar alleine unterwegs, könnte aber noch bis zu vier Personen auf dem Ticket mitfahren lassen.
Der Fahrschein gilt übrigens auch für die Busse im regionalen Verkehrsbund Ems-Jade (VEJ) und am Wochenende von 0 bis 3 Uhr des Folgetages. Ich kaufe mir die Fahrkarte online auf www.bahn.de und drucke sie mir mit den Verbindungen aus.
Die nächsten von mir zu erreichenden Bahnhöfe sind Esens, Burhafe, Wittmund oder der ZOB in Aurich, von dem aus man mit dem Bus 460 zum Bahnhof Leer weiterfährt. Ich entscheide mich für den Bahnhof in Wittmund.
Doch da muss ich erst einmal hinkommen. Mit dem Auto bin ich in 10 bis 15 Minuten dort, mit dem Bus ist es schon schwieriger. Auf www.vej-bus.de informiere ich mich. Ich brauche eine Busverbindung, mit der ich den Zug um 6.44 Uhr erreiche. Ich könnte auch eine Stunde später fahren. Aber ich möchte auf Nummer sicher gehen und um 9.05 Uhr am Hauptbahnhof Bremen ankommen. So ist die Chance größer, dass ich meine Verabredung um 10.30 Uhr schaffe.
Durch Middels fahren drei Buslinien des VEJ: 473 (Aurich–Esens–Bensersiel), 474 (Wittmund–Middels–Aurich) und 480 (Aurich–Wittmund–Jever–Wilhelmshaven).
Ich schaue nach der Hinfahrt. An Samstagen fährt der erste Bus der Linie 473 um 8.35 Uhr durch Middels. Im Zwei-Stunden-Takt geht es bis 16.35 Uhr weiter. Mit der Linie 474 könnte ich samstags frühestens um 9.16 Uhr fahren. Die Fahrten gehören zum Ruf-mich-Bus: Bis Freitag, 16 Uhr, müsste ich mich telefonisch anmelden. Um rechtzeitig in Bremen anzukommen, ist Busfahren keine Option für mich. Daher fahre ich mit dem Auto um kurz vor halb sieben zum Wittmunder Bahnhof. Dort kann ich parken – kostenlos.
Frühmorgens zieht der Himmel die Blicke auf sich: Er erstrahlt rosa und lila. Die Vorboten für einen sonnigen Tag, denke ich mir. Ich bin müde. Mit zwei Reisenden warte ich auf den Zug. Ein Gast scheint noch schläfriger zu sein: Er macht auf einer der Bänke ein Nickerchen. Als die Nordwestbahn (NWB) um 6.44 Uhr kommt, weckt ihn ein aufmerksamer Fahrgast. Wir steigen in den Zug, in dem nur ein paar Reisende sitzen.
Während der Fahrt steigt langsam der Nebel auf – ein schöner Anblick. Wir kommen um 7.10 Uhr in Sande an. Wer weiter nach Oldenburg will, muss hier erstmal aussteigen. Es geht zur Bushaltestelle. Ich warte mit etwa 20 Menschen – Familien, Freunde und Alleinreisende, einige mit großen Taschen – auf den Schienenersatzverkehr (SEV). Als um 7.22 Uhr pünktlich zwei SEV-Busse kommen, steige ich ein. Der Bus ist voll, aber ich finde noch einen Platz. Wir erreichen Varel um 7.42 Uhr. Wieder heißt es aussteigen: Es geht mit dem Zug weiter. Auch diese NWB um 7.55 Uhr füllt sich. Ich bin froh, dass ich mich hinsetzen kann.
In Oldenburg um 8.18 Uhr angekommen, hole ich mir einen Cappuccino beim Bäcker, bevor die Fahrt um 8.35 Uhr mit der NWB weitergeht. Um 9.05 Uhr erreiche ich pünktlich den Hauptbahnhof Bremen. Nach drei Mal umsteigen bin ich endlich angekommen. Ich habe noch eine Stunde bis zu meiner Verabredung. Die Zeit vertreibe ich mir, was in der Großstadt nicht schwer fällt.
Nach einem erlebnisreichen Tag in Bremen fahre ich um 17.53 Uhr zurück. Ich darf den IC 2036 nehmen, denn im Fernverkehr gilt das Niedersachsenticket auch zwischen Bremen und Norddeich Mole/Emden Außenhafen. Um 18.23 Uhr erreichen wir Oldenburg. Der Hauptbahnhof ist voller Menschen. Um 18.36 Uhr kommt der Zug. Ich steige rechtzeitig ein und setze mich. Mit der Nordwestbahn geht es nach Varel. Wir kommen um 18.59 Uhr an. Der SEV-Bus ist bereits da, sodass ich die Wartezeit bis 19.09 Uhr im Bus verbringen kann. Dieser füllt sich nur halb.
Um 19.29 Uhr erreicht der Bus den Bahnhof in Sande. Ich schaffe es rechtzeitig in die NWB Richtung Wittmund. Zum Glück, sonst hätte ich eine Stunde auf den nächsten Zug warten müssen. Um 20.13 Uhr komme ich planmäßig in Wittmund an, bevor es mit dem Auto nach Hause geht.
Zeit für ein Fazit: Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist in Ordnung, mit dem Auto wäre ich aber ungefähr eine Stunde schneller gewesen. Die längere Fahrt ist auf die Warte- und Umstiegszeit an den Bahnhöfen zurückzuführen. Ich bin erleichtert, dass ich pünktlich angekommen bin und mich auf die Bahn verlassen konnte.
