Oldenburg/Wolfsburg - Gewalt oder sexuelle Inhalte – die Gefahren, die für Kinder und Jugendliche im Internet lauern, sind zahlreich. Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK) hat nun ergeben, dass jedes dritte Kind in Niedersachsen ohne Kontrolle im Internet surft. Die Eltern wissen nicht, was ihre Kinder im Internet machen und auf welchen Seiten sie surfen, denn lediglich ein Drittel der Eltern kennt sich mehr als mäßig im Internet aus. Ebenfalls nutze nur jedes dritte Elternteil technische Zugriffsperren, um den Onlinekonsum des Nachwuchses einzuschränken.
„Anders als bei Zigaretten und Alkohol ist der Jugendschutz im Internet fast vollständig ausgehebelt und anders als im Kino haben Kinder hier freien Zugriff auf Gewalt und ,nackte Tatsachen‘“, sagt die niedersächsische TK-Chefin Inken Holldorf. „Kinder können auf Inhalte stoßen, die ihnen Angst machen und sie überfordern. Mit den internetfähigen Handys wird es für Eltern zunehmende schwieriger, den Medienkonsum ihrer Kinder zu beaufsichtigen und zu begrenzen. Kinder brauchen deshalb einen besonderen Schutz.“
So gilt es für die Eltern im Umgang mit Tablet, Computer und Smartphone mit gutem Beispiel voranzugehen. „Eine gesunde Medienkompetenz, zum Beispiel am Esstisch, kann den Kindern ein Vorbild sein. Das Miteinander und die Gespräche untereinander sollten dann in den Vordergrund rücken, nicht die Nachrichten auf Tablet oder Smartphone“, erklärt Ulrike Fieback von der TK. Auch ein Gespräch zwischen Eltern und Kind darüber, welche Seiten angeschaut werden, könne helfen. „Die Eltern sollten wissen, wo ihre Kinder im Netz aktiv sind“, erklärt Fieback.
Diese Vorgehensweise greift auch Wolfgang Grotjan, der an der Heinrich-Nordhoff-Gesamtschule in Wolfsburg Notebook-Klassen unterrichtet, auf. Dort wird Schülern ab der Klassenstufe fünf der richtige Umgang mit dem Computer als Lernwerkzeug beigebracht. Es gehe darum, den Schülern die positiven Seiten und nützlichen Werkzeuge beim Arbeiten mit dem Computer zu zeigen: „Wir wollen ein präventives Gegengewicht zum unkontrollierten und unreflektierten Umgang mit dem Netz schaffen“, sagt Grotjan.
Ein eigenes Fernsehgerät und ein eigener Computer sind nach Grotjans Feststellung schon lange nichts Ungewöhnliches mehr. Mit dem Smartphone steigen die Möglichkeiten weiter: „Die Jugendlichen haben immer mehr Freiraum, da sie mehr über die Nutzung der Geräte wissen als ihre Eltern. So kommunizieren sie bis weit nach 23 Uhr in Chats oder mit den Smartphones untereinander, oder schauen sich Videos im Internet an.“ Dass dann einige Schüler im Unterricht müde sind und sich nur schwer konzentrieren können, bleibe nicht aus.
