KATLENBURG-LINDAU/DARMSTADT - KATLENBURG-LINDAU/DARMSTADT/DPA - Der von der NASA-Raumsonde „Deep Impact“ beschossene Komet „Tempel 1“ leuchtet seit dem Einschlag des Kupfer-Projektils am Montag sieben Mal heller als zuvor. Das habe eine am Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) in Katlenburg-Lindau (Kreis Northeim) gebaute Spezialkamera gemessen, teilte die Forschungseinrichtung am Mittwoch mit. Diese „Osiris“ genannte Kamera fliegt mit der europäischen Raumsonde „Rosetta“ durchs All.
Nach ersten Auswertungen der aus rund 80 Millionen Kilometern Entfernung gemachten Aufnahmen habe der Einschlag des Projektils auf „Tempel 1“ eine Wolke feiner Staubteilchen erzeugt, sagte ein MPS-Sprecher in Katlenburg. Diese Teilchen reflektieren jetzt das Licht.
Der niedersächsische Wissenschaftsminister Lutz Stratmann (CDU) gratulierte den Max-Planck-Forschern am Mittwoch zu dem „herausragenden Erfolg“. Die Sonde „Rosetta“ sei nunmehr „untrennbar mit niedersächsischer Forschungskompetenz in Katlenburg“ verbunden. Das MPS zeige damit erneut, dass es zur „Spitze in der Weltelite von Raumfahrt und Astronomie“ gehöre.
Von dem Einschlag auf den Kometen „Tempel 1“ gehen nach Ansicht von Astronomen keine Gefahren für die Erde aus. „In der Sonne laufen Prozesse ab, die milliardenfach gewaltiger sind als der Einschlag“, sagte Missionsanalytiker Michael Khan vom Europäischen Raumfahrtkontrollzentrum (ESOC) in Darmstadt gestern.
„Der Komet ist über 130 Millionen Kilometer von der Erde entfernt, das ist fast so viel wie die Entfernung zwischen Erde und Sonne.“ Kometenstaub riesele tagtäglich auf die Erde. „Sternschnuppen bestehen zum Großteil aus Material, das von Kometen irgendwann einmal ausgestoßen wurde“, sagte Kahn. „Trifft das Material in die Erdatmosphäre, dann verglüht es zu Asche und Gas, und irgendwann atmen wir es ein oder wir stehen darauf“, erläuterte Khan. Auf der Erde gebe es eine viele Meter dicke Materialschicht, die von Kometen stamme. „Wir bestehen selbst aus Kometenstaub.“
Die in der Einschlagwolke entdeckten giftigen Verbindungen wie Cyanid seien vor langer Zeit in der Gashülle von Kometen entdeckt worden, sagte Khan. Der Mensch könne sich eher an ganz irdischen cyanidhaltigen Bittermandeln vergiften als an Kometenstaub. Die Umlaufbahn des Kometen sei nur marginal verändert worden.
