Hildesheim - Befürchtungen, Behinderte könnten in kriminelle Prostitutionsfälle verwickelt sein, haben sich nicht bestätigt. Die Ermittlungen hätten keinerlei konkrete Hinweise für irgendwelche Straftaten ergeben, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Hildesheim, Christina Pannek. „Alle Angaben, wonach sich Behinderte aus Geldnot prostituiert hätten, haben sich als heiße Luft und bloße Gerüchte erwiesen.“

Den Stein ins Rollen brachte der Vater einer Bewohnerin der Diakonie Himmelsthür, Niedersachsens größter Behinderteneinrichtung. Der Mann behauptete, dass sich zwar nicht seine Tochter, aber andere dort betreute Frauen prostituieren. Von „schwarzen Zuhälterlimousinen“, die vor den Wohnheimen parken, war die Rede. Mehrere Mitarbeiter und ein ehemaliger Zivildienstleistender bestätigten laut Medienberichten die Darstellung des Vaters. Die Einrichtung erstattete nach Bekanntwerden der anonymen Vorwürfe Anzeige. Seit Montag ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Der Bundesvereinigung der Lebenshilfe ist kein Fall von Prostitution in Wohnstätten in den vergangenen 20 Jahren bekannt. „Dass es dabei vielleicht auch eine Dunkelziffer gibt, kann man natürlich nie ausschließen“, sagt die Leiterin des Referats Recht des Verbands, Bettina Leonhard.

In der Diakonie Himmelsthür ist die Aufregung groß, denn alle Mitarbeiter stehen unter Generalverdacht. Auf der Homepage wird um Mithilfe bei der Aufklärung gebeten. „Wenn sich alles als haltlos erweist, werden wir wegen übler Nachrede rechtliche Schritte prüfen“, kündigte der Direktor der Einrichtung, Ulrich Stoebe, an.

Frauen mit Handicap haben ein größeres Risiko, Opfer von sexuellem Missbrauch zu werden. Gleichzeitig haben geistig behinderte Menschen wie alle anderen auch das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung. Sie können entscheiden, mit wem sie eine Beziehung eingehen.