• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • FuPa
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region

Keine Angst vor der tödlichen Fracht

08.07.2014

Catania /Wilhelmshaven Natürlich hat niemand Angst an Bord der „Augsburg“. Aber ein Auftrag wie jeder andere ist es nicht, wenn eine deutsche Fregatte im Mittelmeer Begleitschutz für ein amerikanisches Spezialschiff fährt, auf dem jede Menge tödliche Fracht gelagert ist. Die „Cape Ray“ ist ein Spezialschiff der amerikanischen Marine, das von einer Zivilbesatzung gefahren wird, und das in der vergangenen Woche damit begonnen hat, syrische Chemiewaffen zu vernichten.

Abbau syrischer Chemiewaffen jetzt in Gang gekommen

Im Auftrag der Kontrollbehörde für ein Verbot von Chemiewaffen (OPCW) vernichtet das amerikanische Spezialschiff „Cape Ray“ syrische Chemiewaffen im Mittelmeer.

Der Einsatz wird unter anderem von einer deutschen Fregatte geschützt. Sie soll gemeinsam mit Kriegsschiffen anderer Nationen verhindern, dass es zu irgendwelchen Zwischenfällen, beispielsweise zu terroristischen Anschlägen, kommt.

Kommandant der ersten deutschen Fregatte in diesem Einsatz, der „Augsburg“, ist Fregattenkapitän Jörg Mascow. Am Wochenende hat die ebenfalls in Wilhelmshaven beheimatete Fregatte „Schleswig-Holstein“ die Aufgabe übernommen.

Bewacht wurde das US-Schiff mit der gefährlichen Fracht an den ersten drei Tagen des Einsatzes unter anderem von der Fregatte „Augsburg“, die ihren Auftrag dann am Sonntag an die „Schleswig-Holstein“ weitergab.

Etwa vier Monate hatten die 190 Besatzungsmitglieder der „Augsburg“ auf den Beginn der besonderen Mission gewartet und sich intensiv darauf vorbereitet. Dass sie dann nach nur drei Tagen abgelöst wurde, liegt einerseits an den Verzögerungen beim Einsammeln der Chemiewaffen in Syrien. Andererseits lässt die Zeitplanung der Marine keine Verschiebung zu, da für die „Augsburg“ jetzt ein Werftbesuch zur technischen Überholung ansteht.

Das ist ein Teil des bewährten Drei-Phasen-Systems der Marine: Dem Einsatz folgt ein Aufenthalt in der Werft, bevor es dann in die intensive Ausbildung für den nächsten Einsatz geht. Diese Vorbereitungsphase hat gerade die „Schleswig-Holstein“ absolviert, unter anderem mit dem besonders harten Übungsprogramm GOST (German Operational Sea Training) im englischen Plymouth.

Für die „Augsburg“-Besatzung hatte der aktuelle Einsatz auf besondere Art begonnen. Als man im Februar im Heimathafen Wilhelmshaven auslief, gehörte die Fregatte zum Einsatz- und Ausbildungsverband, der zunächst Manöver vor der norwegischen Küste absolvierte. Damals ahnte niemand etwas von der möglichen Aufgabe.

Kommandant Jörg Mascow erinnert sich im Gespräch mit der NWZ , dass Ende Februar erste Zeitungsartikel erschienen seien, in denen über den möglichen Einsatz spekuliert worden sei. Später, nach einem entsprechenden Beschluss der Bundesregierung, verließ die „Augsburg“ den Verband, der sich auf den Weg an die westafrikanische Küste machte, und bog Mitte März ab ins Mittelmeer.

Dort ging es dann darum, die Einsatzerfordernisse zu üben: Eigenschutz der Soldaten sowie besondere Szenarien. Schließlich könnten terroristische Angriffe per Speedboot oder kleinem Flugzeug denkbar sein. Auch besondere Formen der Kommunikation wurden ausprobiert – für den Fall, dass keine Funkverständigung möglich ist.

Mascow: „Wir haben uns intensiv vorbereitet und waren jederzeit zum Start des Einsatzes bereit.“ Inzwischen ist die Entgiftungsaktion angelaufen. Neben der deutschen Fregatte sind Schiffe aus den USA, Italien und der Türkei am Schutz der „Cape Ray“ beteiligt. Der Plan sieht vor, dass sich die Geleitschiffe teilweise abwechseln, die „Cape Ray“ allerdings dann wieder einen Hafen anläuft, wenn alle an Bord befindlichen Chemiewaffen neutralisiert sind. Solange bekommt sie auch ihre Lebensmittel per Hubschrauber gebracht.

Nach dem Entschärfen der Giftstoffe sollen die Restbestandteile von einer deutschen Spezialfirma in Munster sowie in Finnland entsorgt werden. Aus Finnland stammt übrigens das zehnköpfige Boarding-Team, das zunächst die Besatzung der „Augsburg“ und jetzt die „Schleswig-Holstein“ verstärkt und, falls nötig, bei Schiffsdurchsuchungen eingesetzt wird.

Jürgen Westerhoff
Redakteur
Regionalredaktion
Tel:
0441 9988 2055

Weitere Nachrichten:

Marine | Plymouth | Hafen

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.